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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: HOUSE ON TELEGRAPH HILL - Robert Wise
PostPosted: 19.02.2019 14:03 
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"House on Telegraph Hill" (USA 1951)
mit: Richard Basehart, Valentina Cortesa, William Lundigan, Fay Baker, Gordon Gebert, Steven Geray, Herbert Butterfield, Natasha Lytess, Katherine Meskill, John Burton, Mario Siletti, Ashmead Scott, Kei Thing Chung, Charles Wagenheim u.a. | Drehbuch von Elick Moll und Frank Partos nach dem Roman "The Frightened Child" (1948) von Dana Lyon | Regie: Robert Wise

Die Polin Victoria Kowelska freundet sich im Konzentrationslager Bergen-Belsen mit Karin Dernakowa an, deren Sohn Christopher vor dem Krieg nach San Francisco zu Verwandten geschickt wurde. Karin stirbt kurz vor der Befreiung des Lagers und Victoria nimmt deren Identität an. Sie sendet ein Telegramm in die USA, erhält aber die Antwort, dass ihre vermögende Tante Sophie kurz vorher gestorben ist. Als sie nach einigen Jahren endlich ausreisen kann, wird sie vom Vormund ihres "Sohnes", einem Mann namens Alan Spender, empfangen. Sie freunden sich an und heiraten innerhalb kurzer Zeit. Die Rückkehr ins Anwesen der Familie erweist sich als zweischneidig: Einerseits lebt Victoria nun im Wohlstand und in Sicherheit, andererseits spürt sie, dass ihr Mann etwas im Schilde führt....

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Der Weg in ein neues Leben und die zweite Chance, die jemand nach einer großen Enttäuschung ergreift, liefern die Voraussetzung, dass sich die Filmhandlung rasch entwickeln kann. Mit den Worten "I was hungry - lonely - desperate, I had no other choice but the house on the hill!" bringt Twentieth Century Fox die Situation, in der sich die weibliche Heldin befindet, auf den Punkt. Die italienische Schauspielerin Valentina Cortesa zeichnet eine mutige, warmherzige Frau, deren Lebensglück zerbrach, die jedoch nicht aufgibt und nunmehr den Platz einer anderen einnimmt. Durch die enge Freundschaft mit der Toten nimmt man dies zu keiner Minute als Unrecht wahr, vielmehr legitimiert sich dieser Schritt durch die Tatsache, dass Victoria bis zuletzt für ihre Freundin kämpfte und sich nun um deren Sohn in Amerika kümmern will. Das Geheimnis, das sie bewahrt, ist nicht die größte Bürde, sondern die Schwierigkeit, sich in ihrem neuen Zuhause zurecht zu finden. Auch dort lauert eine Vergangenheit, die - so paradox es klingen mag - weitaus gefährlicher und tödlicher zu sein scheint als Victorias Zeit im Konzentrationslager. Cortesa besticht durch eine Natürlichkeit, die sie nicht nur im Lager Bergen-Belsen, sondern auch in eleganten Seidenroben glaubhaft wirken lässt. Für die aufwendige Ausstattung der Innendrehorte erhielt der Film 1952 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bestes Szenenbild Schwarzweiß-Film". Das Herrenhaus auf dem Hügel schwelgt in üppigen Dekors und bildet durch die raffinierte Ausleuchtung den passenden Rahmen für den Mann im Schatten, Richard Basehart, der die Produktionsgesellschaft davon überzeugen konnte, seine Frau Valentina Cortesa für die Hauptrolle zu besetzen (das Paar war von 1951 bis 1960 verheiratet). Basehart gelingt es, seine Figur trotz der jungenhaften Ausstrahlung mental undurchsichtig zu skizzieren und Anzeichen von Unberechenbarkeit zu liefern.

Sein Gegenspieler William Lundigan erhält durch seine freundliche Hilfsbereitschaft als Major der Alliierten einen Vorsprung in der Gunst des Zuschauers, der den Ehemann beim Wiedersehen in San Francisco im Zwielicht erscheinen lässt. Dennoch wird die Beantwortung der Frage, ob die Vermutungen Victorias, ihr Mann trachte ihr nach dem Leben, zutreffen, durch verschiedene Proben, die er bestehen kann, immer wieder verzögert. Dadurch wird die Spannung konstant gehalten und das Gefühl der Ausweglosigkeit weiter verstärkt. Verschiedene Faktoren wie z.B. die kühle Blondine Margaret sorgen für Zweifel und offene Hintertürchen. Eine eindeutige Bildsprache wie beispielsweise in der Szene, in der Alan Spender seiner künftigen Gattin den Schuh anzieht, der sie vom Aschenbrödel zur Dame des Hauses erhebt, nimmt künftige Entwicklungen vorweg und eilt den Befürchtungen der Hauptfigur voraus. Der Appell an das Gewissen der Protagonisten wird dezent unter Verschluss gehalten und erst unter Druck bzw. in einer Ausnahmesituation ausgesprochen. So vermeidet es der Film, mit dem moralischen Fingerzeig an Werte zu erinnern, die in der amerikanischen Wahrnehmung als typisch für die US-Gesellschaft - vor allem nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs bzw. des Einsatzes während der Luftbrücke im Land des ehemaligen Feindes - gesehen werden: Selbstlosigkeit, strahlendes Heldentum und Charakterfestigkeit. Vorwürfe oder Schuldzuweisungen bleiben weitgehend aus und geben konkreten Verdachtsmomenten den Raum, der ihnen in einem ernsthaften Thriller zusteht. "House on the Telegraph Hill" ist ein charmantes, im deutschen Sprachraum relativ unbekanntes Juwel des Film noir, das durch den unvorbelasteten Cast genügend Suspense bereithält, um alle Optionen offenzulassen. Der Rahmen, der durch die Erzählperspektive aus der Sicht der Frau abgesteckt wird, erinnert an "Rebecca", wie auch die Handlung selbst immer wieder Anleihen bei David O. Selznicks romantischem Klassiker nimmt.


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