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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: WEISSER OLEANDER - Joseph L. Mankiewicz
PostPosted: 15.03.2019 14:17 
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"Weißer Oleander" (Dragonwyck) (USA 1946)
mit: Gene Tierney, Vincent Price, Glenn Langan, Walter Huston, Anne Revere, Jessica Tandy, Connie Marshall, Vivienne Osborne, Spring Byington, Harry Morgan, Trudy Marshall, Gertrude Astor, Arthur Aylesworth, Robert Baldwin, Ruth Cherrington, Francis Pierlot, Ruth Ford u.a. | Drehbuch: Joseph L. Mankiewicz nach dem Roman von Anya Seton | Regie: Joseph L. Mankiewicz

Miranda Wells wächst als Tochter eines Farmers in einer kleinen Gemeinde in Connecticut auf. Als ihre Mutter einen Brief von einem entfernten Verwandten erhält, der eine Einladung auf sein Anwesen beinhaltet, sieht sich Miranda am Ziel ihrer Träume. Sie soll Nicholas van Ryns Tochter Gesellschaft leisten, da deren Mutter kränklich ist. Eines Nachts verschlechtert sich der Zustand von Mrs. van Ryn rapide, ausgerechnet, nachdem ihr Nicholas einen weißen Oleander ins Zimmer gestellt hat....

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Das Traumpaar Gene Tierney (die vor dem Titel genannt wird) und Vincent Price bildet in Anya Setons historischem Roman das ideale Duo, um eine Geschichte zu erzählen, die mehr beinhaltet, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Ursprünglich soll Gregory Peck die erste Wahl für die Rolle des Großgrundbesitzers Nicholas van Ryn gewesen sein, allerdings bekommt man es mit Vincent Price mit einem Darsteller zu tun, der dem gesellschaftskritischen Ton in Bezug auf die Privilegien der Landeigner, welche ihren Unterhalt aus den Tributen finanzieren, die von den Pächtern geleistet werden, sehr überzeugend Widerstand entgegenbringt. Der Patron als Nutznießer fremder Arbeit, der galante Feste gibt, einen fürstlichen Haushalt finanziert und auf seine verbrieften Rechte pocht, wird für die Bauern zum roten Tuch. Die demokratische Bewegung und der Ruf nach Unabhängigkeit spülen ganze Jahrhunderte fort, in denen es große Unterschiede zwischen den Klassen gab und wo jeder seinen unumstößlichen Platz in der Gesellschaft hatte. Die Handlung macht es sich einfach, indem sie weitgehend Klischees über Arm und Reich, sowie Gut und Böse bestätigt, während zeitgleich ambitionierte Hinweise auf davon abweichende Eigentümlichkeiten gegeben werden. Der Subplot ist interessanter als die offizielle Aschenputtel-Geschichte, die lange verborgen hält, dass die finsteren Geheimnisse von Dragonwyck weit über das tragische Schicksal der jung verblichenen Ahnin hinausreichen. Der nächtliche Gesang und die Klänge des Spinetts liefern als Vorboten kommenden Unglücks Momente des Horrors. Das Geheimnis in der Dachkammer ist ein beliebtes Motiv im wildromantischen Genreroman des 19. Jahrhunderts, man denke etwa an die düstere "Jane Eyre" von Charlotte Brontë. Leider beschränkt sich der Film darauf, Nicholas' Heimlichkeiten subkutaner Natur mehr beiläufig und vage anzudeuten, wohl, um der strengen amerikanischen Filmzensur Genüge zu tun. Diese halbherzige Handhabe eines Spannungsmoments stellt vermutlich die Moralwächter zufrieden, beraubt den Film jedoch um ein weiteres signifikantes Detail der Personalie Nicholas van Ryn. Der verhaltene Schrecken, der dem Publikum nervenschonend bereitet wird, dient leider nicht dazu, die Begleitumstände eines Mordes gegenständlich zu machen. Ebenso wird die Vergiftung mit Digitalis, die in der deutschen Titelgebung einen prominenten Bezug erhält, erst sehr spät angesprochen, statt bereits frühe Verdachtsmomente zu streuen. Vermutlich sollte der Zuschauer ebenso im guten Glauben gelassen werden wie die junge Miranda Wells.

Generell kann man feststellen, dass Filmproduktionen der Vierziger Jahre am sogenannten Production Code nach den Richtlinien des Republikaners Will H. Hays kranken. Die Restriktion macht sich auch im Drehbuch von Mankiewicz bemerkbar, das auf dem schmalen Suspense-Pfad mehrfach strauchelt und dann rasch ins Melodrama wechselt. Gene Tierney, deren sinnliche Ausstrahlung mit einer anmutigen Natürlichkeit einhergeht, meistert die Rolle des ambitionierten Mädchens vom Lande mit Charme. Sie verkörpert den weiblichen amerikanischen Traum, indem sie eine gute Partie macht und in die höchsten gesellschaftlichen Kreise aufsteigt. Allerdings hält diese Verbindung mehrere Stachel für sie bereit, nicht nur wegen des dunklen Geheimnisses ihres Gatten, sondern auch wegen der unterschiedlichen Wertevorstellungen. Mit Glenn Langan als beliebtem Landarzt wartet jedoch bereits ein Ersatz, der sich durchgehend loyal, hilfsbereit und engagiert zeigt - ein oft angewandter dramaturgischer Kniff, um der enttäuschten Hauptfigur einen Trost zur Seite zu stellen und sie über ihren Irrtum hinwegkommen zu lassen. Walter Huston und Anne Revere verkörpern die gottesfürchtigen Eltern von Miranda, deren Lebenseinstellung wie ein offenes Buch zu jeder Frage eine Antwort bietet, da sie ihr Schicksal einer höheren Instanz anvertrauen. Ähnlich wie in Klassikern vom Format eines Südstaaten-Epos wie "Vom Winde verweht" wird der Zuschauer mit gesellschaftlichen Umbrüchen, der Demaskierung der feinen Gesellschaft und der Rückbesinnung auf unvergängliche Werte konfrontiert. Inszenatorisch kann der Film in vielen Kategorien punkten, sei es bei der stimmigen Musik, der atmosphärischen Kameraführung oder dem Spiel seiner Darsteller. Die opulente Ausstattung betont die hohe Handwerkskunst der Verantwortlichen, wobei in jeder Szene ersichtlich wird, dass keine Mühen gescheut wurden, um den zeitlichen Rahmen so authentisch wie möglich zu gestalten. "Weißer Oleander" gewinnt durch seinen soliden Aufbau, die einnehmende Persönlichkeit seiner Hauptdarstellerin und das Gespür für eine gute Geschichte, die leider nicht in allen Aspekten gleich überzeugend umgesetzt werden konnte. Vincent Price lässt seine Dämonen fein dosiert nach außen, wobei er erneut von seiner imposanten Erscheinung profitiert, die ihn sowohl beim Linkswalzer, als auch bei weniger eleganten Aktionen letaler Natur punkten lässt. Anhänger nostalgischen Grusels können sich also ohne Bedenken zum düsteren Schloss "Dragonwyck" aufmachen.


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