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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE STIMME DES TERRORS - John Rawlins
PostPosted: 24.12.2019 22:22 
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"Die Stimme des Terrors" (Sherlock Holmes and the Voice of Terror) (USA 1942)
mit: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Evelyn Ankers, Thomas Gomez, Reginald Denny, Henry Daniell, Montagu Love, Olaf Hytten, Leyland Hodgson, Mary Gordon, Hillary Brooke, Robert Barron, Arthur Blake, Harry Cording, Rudolph Anders u.a. | Drehbuch: Lynn Riggs nach Motiven aus "His Last Bow" von Arthur Conan Doyle | Regie: John Rawlins

"Eines Tages werden alle Engländer auf den Knien liegen und den Führer um Gnade anflehen!" Diese Prophezeiung der aggressiven Radiostimme untermalt Bilder der Zerstörung, welche in rascher Reihenfolge in den Köpfen der Zuhörer ablaufen und ganz London in Angst und Schrecken versetzen. Der Kriegsrat des britischen Geheimdienstes beruft den renommierten Detektiv Sherlock Holmes in seinen inneren Kreis und erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen Ermittler, die Hintermänner ausfindig zu machen und den Sabotageakten endlich ein Ende bereiten zu können....

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Sherlock Holmes, der für Universal bereits erfolgreich durchs Moor und hinter Juwelendieben herjagte, wagte sich in seinem dritten Spielfilm von der Victorianischen Ära in die Gegenwart und sollte dabei für das Publikum des kriegsgeplagten England zur wichtigen Identifikationsfigur werden. Der Propaganda-Charakter der Produktion verleiht dem Film einen temporeichen Einstieg, der den Zuschauer mit eindrucksvollen Aufnahmen konfrontiert, deren unheimliche Anziehungskraft wie ein Sog wirkt. In wenigen Minuten wird das Publikum mit den Fakten vertraut gemacht und sieht den distinguierten Detektiv als Akteur in der frostigen Atmosphäre der höheren Ebenen, in der ein Flüstern für Mutmaßungen und Gerüchte sorgen und die angespannte Atmosphäre zum Explodieren bringen kann. Das Baukastenprinzip der Ermittlungen funktioniert während der unberechenbaren Kriegsjahre ebenso gut wie in Friedenszeiten, da der Gegner nur seine Gesinnung geändert hat, jedoch nichts von seiner gefährlichen Faszination verloren hat. Stets wird aus dem Hinterhalt konspiriert, ob es nun um die Bedrohung durch einen Erbschleicher, einen ehrgeizigen Antipoden oder - wie im vorliegenden Fall - um ausführende Organe der Naziführung geht. Das Böse tritt in Gestalt des finsteren Thomas Gomez auf, der sich pathetischer Worte bedient, um seine Mission zu rechtfertigen und den kühl kalkulierenden Deutschen als unerbittlich und von gekränktem Stolz getrieben zeigt. Der südländisch aussehende Darsteller entspricht ebenso wenig der klassischen Vorstellung des arischen Typs wie die realen Vorbilder Hitler, Goebbels und Hess. Filmschurken müssen dem Bild des personifizierten Bösen entsprechen und den Pinsel somit tief in die Klischee-Palette tauchen. Umso britischer wirken die Mitglieder des "degenerierten Volks der Angelsachsen", die mit Henry Daniell, Reginald Denny und Olaf Hytten gleich drei Mimen aufbieten, die durch Understatement in Nebenrollen bekannt werden sollten. Die Verlässlichkeit des Ensembles ist ein wichtiges Markenzeichen der Reihe und bietet eine Kontinuität, die trotz wechselnder Zeitfenster einen Wiedererkennungseffekt aufweist.

Basil Rathbone meistert den Sprung von der historischen Figur des Privatermittlers zum investigativen Diener Seiner Majestät mühelos und überzeugt einmal mehr durch Diskretion, Souveränität und Entschlusskraft, die ihm den Umgang mit dem kleinen Mann von der Straße genauso ermöglichen wie einen diplomatischen Auftritt in der Aristokratie. Seine Ausstrahlung ist gleichzeitig charismatisch und unnahbar und verleiht der Figur des Sherlock Holmes Facetten, die manchen Kollegen in dieser Rolle buchstäblich alt aussehen lassen. Durch die Anpassung an aktuelle Probleme der Zeit bleibt Sherlock Holmes greifbar und schüttelt den Staub von Deerstalker und Cape, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Statt eines Abziehbildes der berühmten Figur von Arthur Conan Doyle präsentiert Basil Rathbone einen Charakter, der sich dezent weiterentwickelt hat und seine Fähigkeiten vom Ohrensessel in den Alltag transportiert, um seine Deduktionskraft zum Wohl der Allgemeinheit einzusetzen. Das Stilelement der femme fatale wurde vom Film Noir übernommen, der in den Vierziger Jahren seinen Höhepunkt erlebte. Evelyn Ankers wartet mit allen Attributen auf, die eine leading lady in den Filmen der Reihe auszeichnen und legt ein eindrucksvolles Debüt innerhalb der Serie hin. Die Kamera unterstützt die Aussagekraft der Personen und ihrer Motivation auf sehr stimmige Weise und betont die Schwarzweiß-Kontraste durch viele Nachtaufnahmen, die dem förmlichen Ambiente der Konferenzzimmer gegenübergestellt werden. Der Kriminalfall profitiert von den schnellen Schauplatzwechseln und der temporeichen Regie, welche die Logik nie aus den Augen verliert und den Propagandafilm deshalb schlüssig und nachvollziehbar scheinen lässt. Die deutsche Synchronfassung entstand erst Anfang der Neunziger Jahre, was auf unnötige Berührungsängste hindeutet, bleibt der Film doch trotz seiner polemischen Radiostimme in der Spur und bietet ansprechende Nostalgie-Unterhaltung. "Die Stimme des Terrors" hat sich eine Frische erhalten, die den Film zu einem immer wieder fesselnden Zeitdokument macht und die Güte von Basil Rathbone als Sherlock Holmes hervorhebt.


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