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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER GLÄSERNE SCHLÜSSEL - Stuart Heisler
PostPosted: 19.05.2019 14:38 
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Gender: Male
Der gläserne Schlüssel
The glass key
USA 1942
Regie: Stuart Heisler
Brian Donlevy, Alan Ladd, Veronica Lake, Bonita Granville, Richard Denning, Joseph Calleia, William Bendix, Frances Gifford, Donald MacBride, Margaret Hayes, Moroni Olsen, Eddie Marr


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Früher war Paul Madvig ein Gangster, jetzt aber möchte er ehrenwert werden. Er unterstützt den Gouverneurskandidaten Ralph Henry bei dessen Kandidatur, und wünscht sich im Gegenzug dafür die Hand der schönen Henry-Tochter Janet. Allerdings kommt er nicht wirklich aus dem Sumpf heraus: Als Henrys Sohn Taylor ermordet wird, sorgt der Mobster Nick Varna dafür, dass Madvig als Täter an den Pranger gestellt wird. Madvigs bester Freund und rechte Hand Ed Beaumont versucht Madvigs Unschuld zu beweisen. Sollte der jedenfalls auch wirklich unschuldig sein. Was nicht sicher ist, denn Madvig hält ein eisernes Stillschweigen über den wahren Mörder. Er schweigt sogar so lange, dass Beaumont irgendwann die Seiten wechselt, den Staatsanwalt mit Informationen beliefert - und mit Nick Varna zusammenarbeitet.

Ein Wohlfühlfilm! Die Schauspieler sind schon mal gut, und halten das für diese Zeit hohe Hollywood-Niveau durch die Bank mühelos. Die Handlung hat ein paar trickreiche Wendungen, ist aber angenehmerweise nicht zu kompliziert. Kein Chandler, der am Ende Leichen zurücklässt ohne Mörder. Die Musik ist perfekte Untermalung, und Kamera und Schnitt sind ebenfalls perfekt, wenngleich auch meist unauffällig. Was aber den Film aus der Masse heraushebt sind ganz klar die eisige Stimmung und vor allem die vorhandene Härte. Wenn Beaumont übelst zusammengeschlagen wird, sich mühsam aufrafft, und selbst einer der Gangster zusammenzuckt wenn dann die nächsten Schläge hageln, das erinnert stark an das italienische Genrekino ab den 60er-Jahren. Die ganze Tortur Beaumonts möchte ich direkt mit der Folter Clint Eastwoods in FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR vergleichen, nur dass die Flucht Alan Ladds dynamischer gefilmt ist. Aber ich bin sicher, dass die Geschichte eines einsamen Kämpfers, der aus verschiedensten Gründen eine Gangsterbande infiltriert, sowohl Akira Kurosawa wie auch Sergio Leone inspiriert hat.
Diese Härte lässt sich noch steigern, wenn Beaumont es arrangiert, dass der Schläger Jeff seinen eigenen Chef erwürgt während Beaumont ungerührt zuschaut, und sogar noch für Stimmung sorgt indem er das Licht ausmacht. Die allerdings deftigste Szene ist gegeben, wenn Beaumont mit der Frau des Verlegers Matthews rummacht (und, in der damaligen Codierung, ganz klar mit ihr schläft), während ihr Mann, gedemütigt und von niemandem mehr ernstgenommen, zuschauen muss. Harter Tobak, auch heute noch. Eine Szene, die Beaumont einiges an Sympathien des Zuschauers kostet …

Durch die Dynamik Alan Ladds kommen diese Szenen sehr direkt rüber und treffen den Zuschauer direkt ins Gekröse, was eben zu genanntem Wohlfühleffekt führt. Dadurch, dass hier keine einzige Figur moralisch wirklich intakt ist, und entweder jeder mehr oder weniger Dreck am Stecken hat, oder zu charakterlichen Obszönitäten neigt (die Entlarvung des wahren Mörders ist, moralisch gesehen, ein Schlag ins Gemächt), dadurch entsteht eine grundlegend verdorbene und harte Stimmung, die auch durch den vorhandenen Humor kaum gelockert wird.

Fazit: Große Empfehlung für alle Fans europäischer Genrefilme der 70er-Jahre! Denn mit denen kann DER GLÄSERNE SCHLÜSSEL locker mithalten.

8/10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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