Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 24.11.2020 07:51

All times are UTC + 1 hour




Post new topic Reply to topic  [ 4 posts ] 
AuthorMessage
 Post subject: WILD AT HEART - David Lynch
PostPosted: 24.07.2017 21:48 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 7788
Gender: None specified
Image

Produktionsland/Jahr: USA 1990
Darsteller: Nicolas Cage, Laura Dern, Diane Ladd, Harry Dean Stanton, J. E. Freeman, W. Morgan Sheppard, Willem Dafoe, Crispin Glover, Grace Zabriskie, Isabella Rossellini
Drehbuch: David Lynch
Produziert von: Steve Golin, Monty Montgomery, Sigurjon Sighvatsson
Musik: Angelo Badalamenti

Selbst ein zweijähriger Gefängnisaufenthalt konnte die beiden Liebenden Sailor (Nicholas Cage) und Lula (Laura Dern) nicht trennen. Nun sind sie wieder glücklich vereint und alles könnte so schön sein, wenn Lulas Mutter (Diane Ladd) nicht eine bösartige alte Hexe wäre. Sofort hetzt sie dem nur auf Bewährung entlassenen Schwiegersohn in spe eine Meute übler Typen hinterher. Das Paar flieht in ein Nest im Süden der USA, wo es eine Menge sonderbarer Gestalten trifft, die den beiden offensichtlich Böses wollen. Als die Situation ausweglos erscheint, taucht plötzlich eine gute Fee auf, die den beiden weiterhilft...
(Ofdb)

Eigentlich soll diese Verfilmung des gleichnamigen Romans von Barry Gifford ja angeblich eine Art Hommage an den Zauberer von Oz sein.
Inwieweit das stimmt, kann ich nicht beurteilen, sicher ist aber, dass wir es hier mit einer Thrillerromanze im Road-Movie-Gewand zu tun haben.
In gewisser Weise, vom Stil her, hat Lynch mit WILD AT HEART schon TRUE ROMANCE und NATURAL BORN KILLERS vorweggenommen.
Die einzigen Unterschiede sind eigentlich, dass sich Lynch den Kitsch spart, der dann TR in meinen Augen erheblich geschadet hat und, dass er bei weitem nicht so brutal vorgeht, wie Stone in NBK.
Bei allen Ähnlichkeiten ist das eben doch ein echter Lynch mit einem Haufen skurriler Figuren, einer ordentlichen Portion schwarzem Humor und der klassischen lynch'schen Verrücktheit.
Für einen klassischen Lynch (was der Film ja irgendwo doch ist) ist es ein ziemlich realistischer Film, denn vom Surrealismus ist er hiermit eigentlich weit entfernt.
Die einzige Szene, die von jeglicher Realität abweicht, ist jene mit der Fee, der Rest ist, so gesehen, relativ normal.
Er steht also, innerhalb der Lynch-Filmografie, irgendwie "zwischen den Stühlen", wenn man so will.
Denn auf der einen Seite ist der unverkennbare Stil von Lynch durchaus vorhanden, auf der anderen Seite ist WILD AT HEART aber auch, trotz allem, "am Boden geblieben", was bei Lynch nicht unbedingt zu erwarten wäre.
Allen Fans des Regisseurs meine Empfehlung für den Film, für Einsteiger ins Œu­v­re von David Lynch gibt's passenderes.
8,5/10

Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: WILD AT HEART - David Lynch
PostPosted: 24.07.2017 21:57 
Offline
User avatar

Joined: 11.2009
Posts: 2352
Location: Sindelfingen
Gender: Male
Guter Film. Wird mal wieder Zeit.

Bin gespannt, was dabei rauskommt, wenn du bei STRAIGHT STORY landest.

_________________
Regelmäßig neue Reviews von Stuart Redman und DJANGOdzilla bei
JÄGER DER VERLORENEN FILME


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: WILD AT HEART - David Lynch
PostPosted: 26.04.2020 07:23 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 2027
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Wild at Heart - Die Geschichte von Sailor und Lula
Wild at heart
USA 1990
Regie: David Lynch
Nicolas Cage, Laura Dern, Willem Dafoe, J.E. Freeman, Crispin Glover, Diane Ladd, Calvin Lockhart, Isabella Rossellini, Harry Dean Stanton, Grace Zabriskie, Sherilyn Fenn, Marvin Kaplan


Image
OFDB


Zwischen dem Leben und dem Tod spielt die Geschichte von Sailor und Lula, und ihrer Liebe, die alle Widerstände besiegt, und die stärker ist als alles Böse auf der Welt. Ein Rock ‘n‘ Roll-Märchen zwischen Glenn Miller und Powermad, zwischen Them und Chris Isaak. Rocker treffen auf die gute Fee. Die böse Hexe des Ostens reitet den Highway nach Westen. Willem Dafoe zeigt, dass er keinen Kopf hat für großkalibrige Waffen. Die Frauen sind durch die Bank alle entweder rattenscharf, dauergeil, wunderschön, böse, oder alles auf einmal. Nicolas Cage tanzt wie ein kämpfender Jean-Claude van Damme und singt eine Elvis-Schnulze in einem Metal-Club. Juana Durango wird unglaublich geil wenn sie zuschaut wie ein Mann stirbt. Mr. Reindeer lässt dicke nackte Frauen für sich tanzen. Pruitt Vince Taylor und Freddy Jones schauen in sehr skurrilen Kurzauftritten vorbei, Isabella Rossellini und John Lurie ebenfalls. Diane Ladd agiert so hemmungslos und theatralisch über, dass man sich wie zwischen einem Stummfilm und einem Schauspiel in einem Theater wähnt, und das alles ist eingebettet in einen wilden, hungrigen, erotischen, düsteren, lustigen, spannenden, absurden, irrwitzigen, liebevollen, mörderischen, herzzerreißenden Road-Trip zwischen irgendwo an der Grenze zwischen Nord- und Süd-Carolina und Big Tuna, Texas.
Image Image Image


Drei Elemente beherrschen den Film. Da sind die Liebe und das Leben, symbolisiert durch Musik, Tanz und Sex. Die Liebe zum Leben selbst und die Neugierde auf Erlebnisse. Auf der anderen Seite der Tod, der immer und überall sein hässliches(?) Haupt erhebt. Selbst mitten in der Wüste kann es noch zu einem tödlichen Autounfall kommen, und die Dämonen, vor denen Sailor und Lula flüchten, können überall und jederzeit zuschlagen und Tod und Verderben bringen. (Und es sind Dämonen, denn fast scheint es als ob sie übernatürliche Kräfte hätten. Überlebensgroß sind sie auf jeden Fall alle: Die Voodoo-Priesterin Juana Durango, der Gangsterboss Marcelles Santos, die böse Hexe Marietta … Wie klein und unschuldig doch der arme Johnnie Farragut dagegen wirkt, der kein Killer ist, und fast wie ein Engel durch die Geschichte schwebt. Kein Wunder, dass er zwischen den Mächten des Bösen zerrieben wird.) Und zwischen dem Leben und dem Tod steht als verbindendes Element das Feuer. Das Element, welches Leben und Tod gleichzeitig spenden kann, und das auch symbolisch für beide Welten stehen kann. Das Feuer zieht sich durch den Film, und zwar sowohl physisch, als auch psychisch, vor allem in Form der alles verzehrenden und niemals versiegenden Liebe zwischen Sailor und Lula.

Eine Reise in die Tiefen des Herzens. Dorthin, wo das Feuer der Leidenschaft noch so richtig brennt. Und wo die Gier nach Leben und Abenteuer noch alles andere verschlingt. Mein Gott, wie gerne würde ich den Film noch mal mit 25 Jahren sehen. Da hätte er mein Leben wahrscheinlich noch so richtig beeinflussen können. Also, klare Ansage an alle Leser unter 30: Anschauen! Mitfiebern! LEBEN!!

Image Image


9/10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: WILD AT HEART - David Lynch
PostPosted: 26.04.2020 08:57 
Offline
Forum Admin
User avatar

Joined: 06.2010
Posts: 10933
Location: Fuck You, I´m Millwall!
Gender: Male
Jau, den finde ich ebenfalls ganz toll!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 4 posts ] 

All times are UTC + 1 hour


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker