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 Betreff des Beitrags: THE LOST SKELETON OF CADAVRA - Larry Blamire
BeitragVerfasst: Heute 12:32 
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The Lost Skeleton of Cadavra
USA 2001 - Written & Directed by Larry Blamire
Starring: Fay Masterson, Larry Blamire, Brian Howe, Andrew Parks, Susan McConnell, Jennifer Blaire, Dan Conroy...


Bild

Dr. Paul Armstrong: "Tell me, Ranger, any idea what might have caused this... horrible mutilation as you call it?"
Ranger Brad: "Oh, probably nothing to worry about. Could be a bear, I suppose."
Dr. Paul Armstrong: "Can a bear do that, I mean, horribly mutilate?"
Ranger Brad: "Dr. Armstrong, in my time I guess I've seen bears do some things that even a bear wouldn't do."


Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Bronson Canyon stummer Zeuge von so manch schauriger und/oder absonderlicher Begebenheit. Abscheuliche Krabbenmonster (Attack of the Crab Monsters), riesige Spinnen (Earth vs the Spider) und gefährliche Saurier (King Dinosaur) gaben sich da bereits ein fröhliches Stelldichein, außerirdische Invasoren setzten ihre perfiden Pläne in die Tat um (Invasion of the Body Snatchers; The Brain from Planet Arous; Invisible Invaders), und sogar Vampirfürsten (The Return of Dracula), Roboter (Robot Monster), Blutbiester (Night of the Blood Beast) und - Gott bewahre! - Teenager (Teenagers from Outer Space) tummelten sich fröhlich um das im kalifornischen Griffith Park gelegene Plätzchen. Und dann war da noch das Skelett. In einer kleinen Höhle im Bronson Canyon hatte es sich zur Ruhe gebettet und geschlummert, im Niemandsland zwischen Leben und Tod. Geduldig hat es gewartet, bis sich eine Möglichkeit zur triumphalen Rückkehr auftat. Und nun ist es tatsächlich soweit. Die schrecklichste aller Kreaturen wird wiederauferstehen... the one, the only... The Lost Skeleton of Cadavra! Wuahahahahahaaaaaa...

In den 1950er-Jahren wurde der Markt mit ihnen förmlich überschwemmt. Die Rede ist von den zahlreichen billig produzierten, herrlich blöden Science-Fiction-Monster-Movies, die auch heute noch eine große Fangemeinde haben, welche sie - meist mit Blick durch die rosarote Nostalgiebrille - gerne als vergnüglich-kultige Trashgranaten abfeiert. Zu den Fans dieser (leider ausgestorbenen) Filmgattung zählt auch der amerikanische Filmemacher Larry Blamire, wie sein 2001 veröffentlichter The Lost Skeleton of Cadavra eindrucksvoll beweist. Mit diesem ungeheuer ambitionierten Streifen versuchte er einen gewagten Spagat, der ihm auch recht gut gelungen ist. Erstens fängt Blamire den heillos veralteten Stil und den stimmigen (Schwarzweiß-)Look der Vorbilder ziemlich authentisch ein, zweitens ist sein Film eine große, herzliche Hommage an diese oft abstrusen (Mach-)Werke, wobei er sie drittens gleichzeitig auch noch gekonnt auf die Schippe nimmt. Da der augenzwinkernde Parodieteil überwiegt, ist The Lost Skeleton of Cadavra ein großer Camp-Spaß, der vor allem für die Fans der Filme, die er so liebevoll veräppelt, viel zu bieten hat.

Der Weg dreier Parteien mit unterschiedlichen Interessen kreuzt sich im Bronson Canyon. Da wären einmal Dr. Paul Armstrong (Regisseur und Autor Larry Blamire) und seine Frau Betty (Fay Masterson, The Quick and the Dead), die hier die Absturzstelle eines Meteoriten vermuten und den Gesteinsbrocken - der das seltenste aller seltenen Elemente, Atmosphereum, enthält - untersuchen wollen. Ebendieses Atmosphereum benötigen auch die beiden Aliens Kro-Bar (Andrew Parks, Donnie Brasco) und Lattis (Susan McConnell) vom Planeten Marva, um ihr beschädigtes Raumschiff, mit dem sie in der Gegend gelandet sind, wieder flott zu bekommen. Und schließlich ist auch noch der sinistere Wissenschaftler Dr. Roger Fleming (Brian Howe, Gran Torino) hinter dem Element her, der nicht weniger als die Weltherrschaft anstrebt und zu diesem Zwecke das Skelett von Cadavra wiederbeleben möchte. Als Unterstützung für seine perfiden Pläne holt er die animalische Animala (Jennifer Blaire) ins Boot, eine Frau, die aus vier verschiedenen Waldtieren entstanden ist. Und dann ist da noch der Mutant (Darrin Reed), der den Aliens entfleucht ist.

Wie nahezu alle Filme dieser Art hat auch The Lost Skeleton of Cadavra, so amüsant er auch ist, mit einem gewissen Problem zu kämpfen, das unvermeidlich zu sein scheint. Dieses ergibt sich aus der simplen Tatsache, daß Blamire und seine Mitstreiter bewußt einen auf schlecht und trashig machen. Es ist offensichtlich, daß alle Beteiligte mit viel Freude, Enthusiasmus und Leidenschaft bei der Sache waren, um den Streifen so aussehen zu lassen, als wäre er in den 1950er-Jahren entstanden. Sogar dieses spezielle, unschuldig-naive Flair, das den meisten dieser Werke anhaftet, bekommen sie gut hin. Und doch ist stets evident, daß dies alles so gewollt ist. Edward D. Wood Jr., Phil Tucker und wie sie alle heißen haben damals hingegen ihr Bestes gegeben, um ihre Visionen auf Zelluloid zu bannen. Es war nicht ihre Absicht, solch hanebüchenen Murks zu fabrizieren, bei welchem den Zuschauern die Lachtränen über die Wangen kullerten und über welche sich noch künftige Generationen dumm und dämlich lachen würden. Sie wollten in der Regel gute Filme machen, so lächerlich die Ergebnisse auch sind, und so ungeheuerlich das aus heutiger Sicht auch scheinen mag.

Läßt man dieses Problem außen vor, dann wird man mit The Lost Skeleton of Cadavra gut bedient. Man hat sich viel Mühe gegeben und die Vorbilder gut studiert, um den damals üblichen Stil - mit allem was dazugehört - nachzuahmen. Die Kameraeinstellungen, die Sets, die billige Ausstattung, das schräge Monsterkostüm, die lustigen Effekte, der altbackene Look, das naive Flair, die Musik, die Art des Schauspiels, die Frisuren und Klamotten, ja, das ist alles sehr stimmig und wird mit viel Liebe zum Detail eingefangen. Nicht zu vergessen die bescheuerten Dialoge und dümmlichen Sprüche (Betty: "Moons... teaspoons... that's all gibberish to me I'm afraid."), die in all ihrer dämlichen Herrlichkeit vorgetragen werden, ohne eine Miene zu verziehen. Die Schauspieler leisten da durchaus beachtliches, wie ich finde. Lediglich in Punkto "gekünsteltes Lachen" hat man etwas über die Stränge geschlagen, aber das ist ebenso verschmerzbar wie die Tatsache, daß der launig-abstruse Streifen einige Minuten an Kürzungen gut vertragen hätte. Acht Jahre später folgte mit The Lost Skeleton Returns Again (2008) ein höchst willkommener Nachschlag.

The Lost Skeleton of Cadavra: "You must find the atmosphereum."
Animala: "Amish Terrarium. Must find Amish terrarium."
Dr. Paul Armstrong: "I don't understand. Why does she need an Amish terrarium?"
Betty Armstrong: "Don't the Amish live in open air, like us?"
Dr. Paul Armstrong: "Of course, Betty, it's absurd. Putting the Amish in glass cases would be inhumane."


Zum Ausklang noch ein klein wenig Trivia. The Lost Skeleton of Cadavra wurde mit einer Mini-DV-Kamera in Farbe gedreht; erst in der Postproduktion erfolgte die Umwandlung in Schwarzweiß. Das Poster Artwork verkündet stolz "filmed in Skeletorama", ein (aus den Fingern gesogener) Gimmick, wie es damals üblich war. Die Drehzeit betrug zehneinhalb Tage. Die Stimme des bösen (Plastik-)Skeletts stammt von Regisseur Larry Blamire. Das Skelett wurde auf verschiedene altmodische Arten "zum Leben erweckt"; einmal wird es "unauffällig" auffällig herumgetragen, ein andermal vor die sich bewegende Kamera geschnallt. Beim "spektakulären" Kampf versucht der Gegner es so aussehen zu lassen, als ob ihm das Skelett gefährlich zu Leibe rücken würde, und ansonsten zappelt das Ding an (un)sichtbaren Drähten herum. Die benötigten Props (das Transmutatron, der Atmosphereum-Detektor) wurden entweder selbst zusammengestoppelt oder über Ebay gekauft. Jennifer Blaire, die Darstellerin der Animala, ist seit 1998 mit Larry Blamire verheiratet. Und ganz am Ende, während des Abspanns, darf Monsterdarsteller Darrin Reed seine Maske abnehmen und in die Kamera grinsen. Eine sehr schöne und längst überfällige Szene, denn mal ehrlich: Was wäre ein Monsterkostüm ohne den Menschen, der drinnen steckt?

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