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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: AIRPORT - George Seaton
PostPosted: 28.08.2019 13:03 
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"Airport" (USA 1970)
mit: Burt Lancaster, Dean Martin, Jean Seberg, George Kennedy, Jacqueline Bisset, Helen Hayes, Van Heflin, Dana Wynter, Maureen Stapleton, Barbara Hale, Barry Nelson, Lloyd Nolan, Gary Collins, Jessie Royce Landis, John Findlater, Paul Picerni u.a. | Drehbuch: George Seaton nach dem Roman von Arthur Hailey | Regie: George Seaton

Mel Bakersfeld, der Direktor des Lincoln International Airport, will den Flughafenbetrieb trotz eines schweren Schneesturms aufrechterhalten und sieht sich nicht nur mit fortwährenden Anwohnerprotesten konfrontiert, die ein Nachtflugverbot für eine periphere Landebahn fordern, sondern auch mit den Schwierigkeiten, eine ins Abseits geratene Maschine abzutransportieren, damit die Rollbahn wieder für den Flugverkehr frei wird. Seine privaten Probleme erstickt er am liebsten in Arbeit und bekommt auch dort genügend Einblicke in menschliche Sorgen. Eine ältere Dame reist als blinde Passagierin, weil sie kein Geld für teure Flugtickets aufbringen kann; sein Schwager Vernon arbeit als Flugkapitän für die Trans Global Airlines und hat ein Verhältnis mit einer Stewardess und ein arbeitsloser Mann hadert mit seiner finanziellen Situation und denkt an Selbstmord - eine Bombe soll die Maschine zum Absturz bringen und seiner Frau eine stattliche Versicherungssumme ermöglichen....

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Die Inszenierung der Katastrophe selbst ist von sekundärer Bedeutung. Im Vordergrund der ungewöhnlich langen Ouvertüre zur Problem-Situation an Bord einer Boeing 707 stehen die persönlichen Beziehungen der Flughafen-Belegschaft, die durch den Leitenden Direktor, einen Piloten, eine Stewardess und die Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit repräsentiert werden. Der Zuschauer erhält Einblick in die Abläufe auf der gigantischen Verkehrsdrehscheibe, die Passagiere wie Frachtgut von einem Punkt zum anderen transportiert und selbst nie zur Ruhe kommt, nicht einmal in einer meteorologischen Krisensituation. Die Überlegenheit des Menschen und der von ihm geschaffenen Technik über die Natur wird gerne betont, muss aber häufig widerlegt werden. Die Selbstsicherheit der Protagonisten kehrt sich in schiere Verzweiflung und Angst um, was sie entweder über sich hinauswachsen lässt oder sie zu erbärmlichen Feiglingen macht, die in Hysterie verfallen und nicht nur sich selbst, sondern auch andere mit in den Abgrund zu reißen drohen. Das Flugzeug als Transportmittel der Lüfte steht seit der Öffnung für den Massentourismus und damit einhergehende deutlich erschwinglichere Fahrscheine nicht mehr für eine elegante und elitäre Art des Reisens in kleinen, überschaubaren Maschinen. Immer größer werdende Flugzeuge mit Transportkapazitäten von bis zu 850 Passagieren, wie beim Typ A380 des europäischen Flugzeugbauers Airbus, benötigen nicht nur eine speziell angepasste Infrastruktur auf den Zielflughäfen, sondern regen auch die Phantasie der Reisenden an, die sich fragen, was wohl passieren würde, wenn so viele Menschen plötzlich mit einer Notfallsituation konfrontiert werden würden.

Um das Genre des Katastrophenfilms populär zu machen, vertraute man auf zugkräftige Namen und engagierte bekannte Schauspieler. Es sollte in jedem Fall vermieden werden, dass die Filme als billige Reißer abqualifiziert werden und so wurde neben einer hochwertigen Darstellerriege auch auf ein authentisches Umfeld geachtet. Das Publikum sollte durch eine realistische Wiedergabe der Abläufe an den Handlungsschauplätzen beeindruckt und überzeugt werden, wodurch der Film eine hohe Glaubwürdigkeit in den Schreckensszenarien erhielt. Die Identifikation mit den Hauptakteuren ermöglichte es dem Zuschauer, die drohende Gefahr noch intensiver zu empfinden, wodurch der Spannungsgrad gesteigert wurde. "Airport" machte 1969 den Auftakt zu einer vierteiligen Reihe von Filmen, die sich mit gefährlichen Ausnahmesituationen an Bord befassten, die vom Tod der Piloten, über Bombendrohungen bis zur Flugzeugentführung reichten. Der erste Film nach Romanmotiven von Arthur Hailey nimmt sich viel Zeit, um den Zuschauer in die Welt des Flughafens, der eine autarke Einheit abseits einer Großstadt bildet, einzuführen. Mit 137 Minuten Laufzeit gönnt sich "Airport" den Luxus, die handelnden Personen ausführlich mit ihren Stärken und Schwächen an jenem Ort zu zeigen, der den Großteil ihres Tages okkupiert: ihrem Arbeitsplatz. Im Zentrum ihres Lebens stehen die Pflichten, Sorgen und Aufgaben, welche jeder Einzelne bewältigen muss, denn die Arbeit ist wie ein Fass ohne Boden und nimmt an diesem hochfrequentierten Schauplatz nie ein Ende. So fällt es den verantwortungsbewussten Leitern der Abteilungen auch dementsprechend schwer, sich von ihrer Position abzugrenzen und eine Trennlinie zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht mit Mel Bakersfeld ein Mann, der seinen Beruf mit Passion und Verantwortungsbewusstsein ausübt. Er wird als zäher Verhandler eingeführt, der die Interessen anderer mit Nachdruck vertritt und dabei seine eigenen hintanstellt. Im Gegensatz zu seinem Schwager, Flugkapitän Demerest, der in erster Linie sein Ego pflegt und sein Spiegelbild am liebsten in den Augen attraktiver Frauen sieht, ist Bakersfeld Ansprechpartner für allerlei fehlerhafte Planungen und gestörte Abläufe und sieht sich in der Pflicht, wenn es darum geht, für Lösungen zu sorgen. Burt Lancaster zeichnet ein sehr glaubhaftes Bild von einem Mann, der keine Mühe darauf verwendet, bei anderen Punkte zu sammeln, sondern der einfach das tut, was er für notwendig erachtet. Er erwirbt sich dadurch eine natürliche Autorität und avanciert zur positiven Figur, während Dean Martin sich zunächst als unangenehmer und selbstgefälliger Charakter erweist. Beide Männer verbindet, dass sie sich nach langen Ehen von ihren Frauen entfremdet haben und anderswo Bestätigung und Nervenkitzel suchen. Während Vernon Demerest ein Verhältnis zu einer jüngeren Flugbegleiterin unterhält, schätzt Mel Bakersfeld den Rat und den freundschaftlichen Austausch mit seiner Public-Relations-Chefin, ist aber in erster Linie mit seinem Beruf verbunden. Ebenso wie Geduld, Mut und Entscheidungskraft während der Katastrophe auf die Probe gestellt werden, müssen sich die zwischenmenschlichen Beziehungen einem Härtetest unterziehen, den nicht alle bestehen werden. Alte Muster werden infrage gestellt und neue Varianten ausprobiert, wobei sich einige Personen mit schockierenden Wahrheiten konfrontiert sehen, deren Auswirkung fatal sein wird.

Der Spannungsaufbau geschieht mit den Unannehmlichkeiten eines Schneesturms zunächst gemächlich, bevor die Bedrohung durch einen Mann mit einem Bombenkoffer dann konkreter wird und schließlich in eine Havarie auf Leben und Tod mündet. Statt auf Knalleffekte zu setzen, die weit hergeholt und unglaubwürdig wirken würden, bemüht sich die Produktion sichtlich, jedes Vorgehen stimmig zu erläutern und Schritte zu begründen. Das Täterumfeld ist dabei weniger spektakulär als allgemein in solchen Fällen angenommen wird. Van Heflin zeichnet das Porträt eines traurigen Mannes, der mit dem Gefühl, alles falsch gemacht zu haben, nur mehr einen Ausweg sieht. Maureen Stapleton versteht es gut, ihrem Charakter Leben einzuhauchen und bietet mit ihrer stillen Verzweiflung Momente des Innehaltens inmitten des Chaos' und schafft es, eine berührende Darstellung zu präsentieren, die sich durch Natürlichkeit auszeichnet. Helen Hayes' naseweise Renitenz lehrt jene das Fürchten, die glauben, ältere Damen unterschätzen zu können und ihnen per se Güte und Weisheit unterstellen. Die Ansicht, mit 70+ einen Freibrief für das Ignorieren von Vorschriften zu haben, stellt Hayes mit selbstsicherem Lächeln unter Beweis und zehrt damit nicht nur an den Nerven von Jean Seberg, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Tippi Hedren aufweist und als ausgleichendes Element und reflektierte Ratgeberin im Umfeld der Entscheidungen tätig ist. Das Zusammenspiel aller Akteure perfektioniert sich mit dem Anstieg der Bedrohung, die wie ein reinigendes Gewitter wirkt und alte Gewohnheiten auf den Prüfstand stellt. Die solide Spannung bleibt trotz luftiger Höhen mit beiden Beinen auf dem Boden und besiegelt damit ihre Glaubwürdigkeit und ihren nostalgischen Charme.


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