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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY - Jack Donohue
PostPosted: 12.08.2019 20:47 
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ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY

● ASSAULT ON A QUEEN / ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY (US|1966)
mit Frank Sinatra, Virna Lisi, Anthony Franciosa, Richard Conte, Alf Kjellin, Reginald Denny und Murray Matheson
eine Seven Arts Produktion | Sinatra Enterprises | im Verleih der Paramount
ein Film von Jack Donohue


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»Wenn sie gerne va banque spielen, gehen Sie nach Las Vegas!«

Eine Gruppe rund um den ehemaligen Marineoffizier Mark Brittain (Frank Sinatra) taucht vor der Küste Floridas nach versunkenen Schiffen und verborgenen Schätzen. Eines Tages wird ihm ein mehr als abenteuerliches Angebot von der Italienerin Rosa Lucchesi (Virna Lisi) und ihrem Partner Vic Rossiter (Anthony Franciosa) unterbreitet: da sie bei ihren eigenen Tauchgängen nicht auf Gold, sondern ein gesunkenes deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieges gestoßen sind, soll er ihnen helfen, es zu bergen, um es wieder seetüchtig zu machen. Das U-Boot soll jedoch nicht als Museumsstück enden, sondern die Bande plant einen Unterwasserangriff auf den Luxusliner "RMS Queen Mary". Wird dieses aberwitzig klingende Vorhaben umsetzbar sein..?

Die Gier nach Anerkennung, Macht und finanzieller Unabhängigkeit bildete dem Empfinden nach unzählige Male den Stoff, aus dem die Filme gemacht sind und in Jack Donohues Abenteuer-Krimi kommt es zusätzlich zu interessanten Ausschmückungen dieser Thematik. Der Redensart nach macht Gelegenheit Diebe, doch es geschieht sicherlich nicht alle Tage, dass ein altes Kriegsschiff gehoben werden soll, um Hauptkomplize bei einem verbrecherischen Coup zu werden. Was anfangs doch sehr abenteuerlich klingen will, wird chronologisch und sehr anschaulich im Bilde festgehalten, bleibt unterm Strich dennoch ein Stück zu weit hergeholt, vielleicht sogar unglaubwürdig, denn der betriebene Aufwand und die tödliche Gefahr steht vollkommen diametral zum möglichen Gewinn. Die Gauner-Clique findet sich schnell zusammen und es werden Fachleute rekrutiert, um das Vorhaben "RMS Queen Mary" nicht von vorne herein zu gefährden. Erneut steht eine bekannte Königin der Meere Pate für die Klimax der nicht uninteressant inszenierten Geschichte und in diesem Zusammenhang kommt es zum Einsatz von allerlei Tricktechnik, die charmant wirkt, aber überdeutlich als solche zu erkennen ist. Ein derartiges Vorhaben auf hoher See garantiert das Fehlen von lästigen Verfolgern, da das U-Boot die individuelle Möglichkeit bietet, unbehelligt verschwinden zu können. Doch der Weg bis zum Ziel erscheint hier so unendlich weit, vor allem weil das Wrack erst einmal gehoben und saniert werden müsste. Tatsächlich schaffen es die mit fortlaufender Zeit immer ungleicher wirkenden Personen das Mammut-Projekt zu stemmen, doch viele Dialoge machen deutlich, dass Konfrontationen nicht ausbleiben werden.

Darstellerisch gesehen liefert das international zusammengewürfelte Star-Aufgebot eine sehr ansprechende Arbeit ab und das Szenario ist hauptsächlich auf das Zugpferd Frank Sinatra zugeschnitten, der es durchaus schafft, Positionen zwischen Gut und Böse abzudecken, dabei vor allem Sympathieträger und Held zu bleiben. Er hat das Knowhow, die Weitsicht und gleichermaßen Zweifel und Moral, was man von einigen seiner Kollegen nicht behaupten kann. Beinahe exotisch in dieser Männerrunde wirkt die schöne Italienerin Virna Lisi, deren Position wesentlich gewichtiger zu sein scheint, als sie in Wirklichkeit ist. Anthony Franciosa, Richard Conte, Alf Kjellin und Errol John runden das von Abenteuerlust und ein bisschen Größenwahn getriebene maritime Kartell mit dienlichen Interpretationen ab, was vor allem wird die Spannung anheizt, wenn sich einige von ihnen als Aggressoren entpuppen. Die verstreichende Zeit bis zum Coup wird sehr ausdrucksvoll genutzt, wobei es auch zu geschwätzigen und seichten Anflügen kommt, die jedoch als gutes Gegengewicht wirken. Beim Überfall kommen die Spannungsmomente auf, die der Film im Vorfeld zu versprechen versuchte, sodass die Handlung in ein überraschendes und turbulentes Finale mündet, das unterm Strich zu überzeugen weiß. "Überfall auf die Queen Mary" ist nicht zuletzt als gelungen und kurzweilig zu beschreiben, weil das eher absurd erscheinende Vorhaben sehr greifbar und beinahe plausibel aufgeschlüsselt wurde. Die Kraft der Bilder vereint sich mit interessanten schauspielerischen Darbietungen und einer aufmerksamen Regie, sodass man bei Interesse an der Materie bestimmt auf seine Kosten kommen dürfte. Und falls wirklich alle Stricke reißen sollten, entschädigt eine übersinnliche Virna Lisi für alles.


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 Post subject: Re: ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY - Jack Donohue
PostPosted: 12.08.2019 21:45 
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Immer wieder faszienierend, die verschiedenen Sichtweisen...

Ich sah ihn neulich zum ersten Mal, nette Blu-ray, und war entsetzt,
wie grottenschlecht er ist. Erwartet hatte ich nicht viel, kein guter Regisseur,
'mag aber Sinatra, 60er & Capermovies sowieso, und dann so'ne üble Gurke :D .
Da hat ja nu gar nix geklappt. Und am Schluß schiebt noch ne Hand
das U-Boot ins Bild, perfekter Absch(l)uss:

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 Post subject: Re: ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY - Jack Donohue
PostPosted: 13.08.2019 20:03 
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mike siegel wrote:
Immer wieder faszienierend, die verschiedenen Sichtweisen...

...und immer wieder sehr beruhigend. 8-)

Ich denke, wenn man es dem kleinen Spektakel erspart, es nicht gerade unter ein Mikroskop zu legen, kann man wirklich gut damit auskommen.
Mir hat der Film von Anfang bis Ende daher auch Spaß gemacht; ohne irgend eine besondere Erwartungshaltung und so.

Das mit Poseidons Hand am U-Boot ist natürlich schon etwas peinlich und fällt dann auch nicht mehr in die Kategorie charmant, das stimmt wohl. :lol:
Um ehrlich zu sein ist es mir beim Anschauen aber gar nicht erst aufgefallen, weil ich wie gebannt auf die Schiffsschrauben gestarrt habe.


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 Post subject: Re: ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY - Jack Donohue
PostPosted: 16.08.2019 13:06 
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Die Kritiker der Presse waren seinerzeit nicht sehr wohlwollend und sprachen sogar von einer geplanten Image-Korrektur für den mit seiner Firma "Sinatra Enterprises" als Ko-Produzent beteiligten Hauptdarsteller Frank Sinatra, der massive Probleme mit seinem wegen anscheinender Kontakte zur amerikanischen Mafia in Verruf geratenen Leumund hatte. Wie dem auch sei - solche Verbindungen sollen ja bereits in den Vierziger Jahren bestanden haben - urteilte u.a. die "New York Times" sehr nüchtern und sarkastisch über den Film, was er meines Erachtens keineswegs verdient. Die wunderbar lebendig fotografierte Produktion, bei der man das Spritzen der Gischt und die frische Meeresbrise förmlich zu spüren meint, wartet mit angenehm natürlich agierenden Mimen, einer spannenden Geschichte und beeindruckenden Schiffsszenen auf. Die von Mike Siegel beanstandete Szene entlarvt sich nur, wenn man konkret darauf achtet und mindert den guten Eindruck, den alle Marine-Sequenzen ansonsten machen, nicht. Der Zuschauer lernt vielmehr, das U-Boot liebzugewinnen, wozu Frank Sinatra in einer Szene des Films Richard Conte auffordert.


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 Post subject: Re: ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY - Jack Donohue
PostPosted: 18.08.2019 12:31 
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"Überfall auf die Queen Mary" (Assault on a Queen) (USA 1966)
mit: Frank Sinatra, Virna Lisi, Tony Franciosa, Errol John, Richard Conte, Alf Kjellin, Reginald Denny, Murray Matheson, John Warburton, Val Avery, Lester Matthews, Gilchrist Stuart, Ronald Long, Arthur Gould-Porter u.a. | Drehbuch: Rod Serling nach dem Roman von Jack Finney | Regie: Jack Donohue

Die Italienerin Rosa Lucchesi finanziert die Suche nach einem versunkenen Goldschatz und benötigt nun mit ihrem amerikanischen Partner Vic Rossiter einen dritten Mann, der vor der Küste nach einer spanischen Galeone taucht. Der ehemalige Marineoffizier Mark Brittain erklärt sich bereit, den Auftrag anzunehmen und stößt beim Tauchen auf ein deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg, das unbeschädigt und eventuell noch manövrierfähig zu sein scheint. Eric Loefson, der früher selbst ein Unterwasserboot befehligte, schlägt vor, es wieder flott zu machen und damit die Fahrtroute des Luxusliners "RMS Queen Mary" zu kreuzen....

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Das Talent, aus einer wagemutigen Idee einen erfolgreichen Plan zu konstruieren, bildet die tragenden Säulen der Produktion, die ihre Geschichte auf einer soliden Basis errichtet und sich mehrerer Faktoren bedient, um überzeugen zu können. Der Reiz eines außergewöhnlichen Abenteuers, das die Aussicht auf ein ansehnliches Vermögen beinhaltet, durchzieht den Film wie ein roter Faden und nimmt den Zuseher rasch für die Strategie der Gruppe ein. Anfangs klingt alles wie ein Husarenstück, dessen Erfolgsquote im einstelligen Bereich liegt, doch je näher das Unternehmen rückt, desto präziser wird der Plan formuliert und erhält durch das Vorhandensein eines Torpedos mehr Gewicht. Erinnerungen an die lautlose Gefahr durch deutsche U-Boote in den Gewässern rund um die britischen Inseln, die während des Ersten Weltkriegs als Blockadebrecher eingesetzt wurden, um den Gegner in die Knie zu zwingen, werden nicht nur beim Kapitän des britischen Ozeanriesen wach, sondern auch beim Zuschauer, der an den Untergang der "Lusitania" denken muss, als der Sprengkopf des Torpedos mittschiffs für eine riesige Wasserfontäne sorgt. Die unberechenbare Mischung aus Risikobereitschaft, Skrupel, Eifersucht, Neid und Weitsicht verhindert einen Stillstand und hält das Unternehmen auf Kurs. Die Gefahr, dass selbst ein perfekt choreografierter Plan an einem Detail scheitern kann, hält die Spannung hoch, weil die Gründe dafür nicht zwangsläufig durch Fremdeinwirkung zustande kommen müssen. Die menschliche Komponente birgt ebenso viele Anlässe, den Traum vom großen Reichtum begraben zu müssen wie ein technisches Versagen. Während sich die Besatzung um das U-Boot sorgt, zittert das Publikum um das Gleichgewicht zwischen den Hitzköpfen.

Das Ziel aller Planungen ist der legendäre Ozeanriese "RMS Queen Mary", der die Phantasie des Publikums beflügelt und der Geschichte zusätzlichen Reiz verleiht. Statt eines seelenlosen Kreuzfahrtschiffes, das seine Passagiere über die Meere schippert, erlebt der Zuseher hier ein Nationaldenkmal, dessen Schicksal bemerkenswerte Parallelen zur Filmhandlung aufweist und ein Jahr nach Entstehung der cineastischen Hommage außer Dienst gestellt wurde. Als Truppentransporter während des Zweiten Weltkriegs beförderte die "RMS Queen Mary" im Dienst der Regierung bis zu zehntausend Soldaten pro Überfahrt und musste sich dabei vor Unterwasserangriffen in Acht nehmen. Vor dem Hintergrund der zeitgeschichtlichen Tatsachen wirken die Elemente des Films deshalb gar nicht mehr so abwegig und müssen Erinnerungen an dunkle Zeiten geweckt haben, als es zu mehreren tödlichen Zwischenfällen kam, bei denen u.a. ein Geleitschiff gerammt und versenkt wurde oder eine Riesenwelle fast dafür sorgte, dass die "RMS Queen Mary" in einer gefährlichen Schräglage kenterte. Die Ehrfurcht vor dem prominenten Co-Star lässt auch die Schauspieler vor dem nautischen Meisterwerk zurücktreten, das dreißig Jahre zuvor erstmals die Nordatlantikroute absolvierte. Die finstere Intention, sich eines deutschen U-Boots zu bedienen, um den Stolz der britischen Flotte zu demütigen, verleiht der Handlung eine prickelnde Note und dämpft die Zweifel, die der Plan, mit einer Handvoll Leuten auf einem vollbesetzten Schiff für tödlichen Respekt sorgen zu wollen, mit sich bringt. Nicht umsonst werden Mark und Linc als Glücksspieler eingeführt, denen Beobachten, Bluffen und Tarnen ins Blut übergegangen ist.

Das Schauspielerensemble besticht durch seine ausgewogene und harmonische Mischung. Virna Lisi in der Rolle der Auftraggeberin bringt den Vorzug mit, nicht nur attraktive Projektionsfigur für männliche Sehnsüchte zu sein, sondern ihre Rolle dergestalt anzulegen, dass sie jederzeit als vollwertiges Mitglied der Gruppe betrachtet wird. Während sich die Männer stellenweise mit persönlichen Angriffen aus gekränktem Stolz aufhalten, dosiert Rosa Lucchesi ihre Worte und reduziert ihre Eingaben auf reflektierte Argumente und Fragen bzw. die Schilderung ihrer wahren Absichten. Selbst die sich anbahnende Beziehung zu Mark Brittain, den Frank Sinatra zurückhaltend, aber mit stetiger Disziplin spielt, beschränkt sich auf dezente Sympathiebekundungen, was sicher auch dem Altersunterschied zwischen den Schauspielern geschuldet ist. Zu herausfordernden psychologischen Duellen kommt es beim Zusammenspiel des Sanguinikers Anthony Franciosa mit Alf Kjellin, der sich als Führer sieht und im Zweifelsfall über Leichen geht. Für ihn scheint der finanzielle Aspekt eine schöne Zugabe und Lohn für seine Kombinierleistung zu sein, vordergründig geht es ihm jedoch darum, seine Macht auszuspielen und sich als der Klügste der Gruppe zu erweisen. Errol John komplettiert die Zufallsgemeinschaft durch seine Loyalität zur Strategie der Besonnenheit und Vorsicht, womit sich klar abzeichnet, dass der Raubüberfall nicht nur Risikobereitschaft, sondern auch einen Plan B erforderlich macht. Das temporeiche und mitreißende Finale stellt eine Prüfung für alle Anwesenden dar und wird offenlegen, wer sich in Krisensituationen bewährt und wer an seinem Ego scheitern wird. Beeindruckende Verfilmung mit klarer Empfehlung an alle Genre-Liebhaber.


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