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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: WER GEWALT SÄT - Sam Peckinpah
PostPosted: 14.10.2015 16:46 
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Originaltitel: Straw Dogs
Produktionsland/Jahr: USA, Großbritannien 1971
Darsteller: Dustin Hoffman, Susan George, Peter Vaughan, T. P. McKenna, Del Henney, Jim Norton, Donald Webster, Ken Hutchison, David Warner
Drehbuch: Sam Peckinpah & David Zelag Goodman
Produziert von: Daniel Melnick
Musik: Jerry Fielding

David ist Mathematiker. Ein kühler Kopf. Und mit einem hat er ganz und gar nicht gerechnet: In dem idyllischen Dorf, in dem er und seine Frau Ruhe und Frieden suchen, werden sie zum Opfer von Terror, Hass und Gewalt. David wird von den Dorfbewohnern gedemütigt. Susan wird vergewaltigt. Und dann fährt er auch noch einen Mann an, der kurz zuvor ein Mädchen getötet hat – aber davon hat David keine Ahnung. Er nimmt den Mann mit zu sich nach Hause um ihn zu versorgen. Doch da kommt der aufgebrachte und blutgierige Mob und belagert sein Haus. Nach und nach versuchen die Dorfbewohner in sein Haus einzudringen. Zuerst mit Worten, dann mit Taten will David die Angreifer zurückzudrängen. Wut und Verzweiflung treiben den ansonsten rationalen Menschen in einen Blutrausch barbarischer Gewalt.
(Moviepilot)

Wieder einmal ein hervorragender Peckinpah.
Ein überwiegend eher ruhiger Film, jedoch herrscht die ganze Zeit über eine irgendwie beängstigende Atmosphäre.
Man weiß nie so recht, was man von den Dorfbewohnern (und besonders den Dachdeckern) halten soll, die sich gegenüber David und seiner Frau meist sehr seltsam verhalten.
David selbst wirkt auch oft ein wenig ratlos, als wüsste er auch nicht, wie er mit den Dorfbewohnern umgehen soll.
Das merkt man am ehesten bei den Szenen im Pub.
Seine Frau versteht sein Verhalten auch nicht ganz und sieht das Ganze relativ gelassen, im Gegensatz zu David.
Charakterlich ist sie die m.E. interessanteste Figur im Film.
Einmal würde sie David gern flachlegen, dann wirkt sie wieder fast schon kindlich, an anderer Stelle wundert sie sich über die lüsternen Blicke der Dachdecker als sie aus dem Auto aussteigt, obwohl sie ja selber noch den Rock hochzieht und die Männer somit quasi zum Glotzen einlädt.
Im Grunde sind hier alle ein bisschen seltsam, auch David und seine Frau, die zu Beginn noch recht "normal" wirken, denn bis auf ein paar Streitereien untereinander, gibt's vorerst nichts Auffälliges.
Erst nach und nach kommt dann immer mehr das Gefühl auf (speziell ab dem Zeitpunkt nach der Vergewaltigung), als würden sich die beiden auseinanderleben.
Ich möchte hier besonders die Sequenz auf dem Fest hervorheben.
Davids Frau wirkt die ganze Zeit über verängstigt angesichts der Menschen die ihr dort begegnen, dazu immer wieder kurze Flashbacks der Vergewaltigung.
Sie sitzt mit starr nach vorne gerichtetem Blick da, man den sieht den Schweiß auf ihrem Gesicht und zwischendurch gibt's eben die Flashbacks.
Das ist wirklich sehr schön gemacht mit einigen schnellen Schnitten und wunderbar gespielt von Susan George, der man die Angst in jeder Sekunde abnimmt.
Das gilt nicht nur für die Szene im Besonderen, sondern für den ganzen Film.
Ich bin sogar der Meinung, dass Susan George Dustin Hoffman schauspielerisch noch übertrifft.
Die Inszenierung ist, wie meist bei Peckinpah, sehr gut gelungen.
Da gehören stellenweise natürlich auch seine Zeitlupen dazu, aber im Großen und Ganzen geht hier doch sehr sparsam damit um, was sich aber in dem Fall nicht negativ auswirkt.
Action gibt's auch nicht so wirklich, also auch die "Explosion der Gewalt" zum Ende hin ist nicht so besonders spektakulär, wie man erwarten könnte.
Vielmehr bleibt er dem eingeschlagenen Stil treu und achtet auch in dieser finalen Sequenz sehr auf die Atmosphäre.
Soll heißen, Peckinpah geht hier bezüglich Gewalt nach dem Motto: "Soviel wie nötig, sowenig wie möglich" vor.
Das ist aber, wie gesagt, diesmal auch nicht schlecht, denn Atmosphäre- und Spannungsaufbau sind wirklich sehr gut und da ist sogar Musik nicht so wichtig.
Die (vorwiegend ruhigen Melodien) werden eher zurückhaltend eingesetzt, passen aber natürlich schon auch.

Fazit: Für die STRAW DOGS gibt's von mir 9/10.

Amerikanischer Trailer
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


Australischer Trailer
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


Last edited by Sbirro Di Ferro on 14.10.2015 17:37, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: WER GEWALT SÄT - Sam Peckinpah
PostPosted: 14.10.2015 17:34 
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Nach WILD BUNCH und RIDE THE HIGH COUNTRY Peckinpah's bester Film.

Sehe gerade, bei youtube kann man meine Doku von 2007 anschauen:

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 Post subject: Re: WER GEWALT SÄT - Sam Peckinpah
PostPosted: 14.10.2015 18:09 
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Das ist einer der Filme Peckinpahs, die deutlich zeigen, dass er mehr als ein Gewaltorgieninszeneur war. Und dennoch hat sogar Straw Dogs diesen Ruf genährt...


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 Post subject: Re: WER GEWALT SÄT - Sam Peckinpah
PostPosted: 15.10.2015 09:20 
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Neben "Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia" mein liebster Peckinpah. Beide Filme zeigen mMn sehr eindrucksvoll, wie Gewalt aus dem Nichts entstehen kann, dabei eine unheilvolle Eigendynamik entwickelt und so aus einer Mücke ein Elefant wird, der alles um sich herum in Grund und Boden trampelt. Bei Peckinpah schwingt auch immer ein ganz spezieller, grimmiger Unterton mit. Man spürt die Energie, die Ohnmacht und den Zorn, den er in seinen Werken verarbeitet (-was sich nicht zuletzt auch in seinen legendären Slow-Mo-Sequenzen widerspiegelt). Doch bei aller Drastik schimmert auch immer durch, dass hier ein sehr sensibler Künstler am Werk war, der nicht einfach nur schockieren oder provozieren will, sondern auch emotional bewegt, zum Nachdenken zwingt und der wirklich etwas zu sagen hat.

Von mir 10/10

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PHOBOS (Trailer - deutsch)


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 Post subject: Re: WER GEWALT SÄT - Sam Peckinpah
PostPosted: 15.10.2015 14:48 
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Guilala wrote:
Doch bei aller Drastik schimmert auch immer durch, dass hier ein sehr sensibler Künstler am Werk war, der nicht einfach nur schockieren oder provozieren will, sondern auch emotional bewegt, zum Nachdenken zwingt und der wirklich etwas zu sagen hat.



So sieht es aus.

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 Post subject: Re: WER GEWALT SÄT - Sam Peckinpah
PostPosted: 27.05.2017 19:53 
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Sam Peckinpah's "Salad Days" :



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 Post subject: Re: WER GEWALT SÄT - Sam Peckinpah
PostPosted: 27.12.2017 16:15 
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7 1/2 Minuten behind the scenes of STRAW DOGS:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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