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DIE FORMEL - John G. Avildsen
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Author: Prisma [ 28.08.2015 16:45 ]
Post subject: DIE FORMEL - John G. Avildsen



George C. Scott   Marthe Keller   Marlon Brando   in

DIE FORMEL

● THE FORMULA / DIE FORMEL (US|D|1980)
mit John Gielgud, G.D. Spradlin, Beatrice Straight, Richard Lynch, John Van Dreelen, Ike Eisenmann, Marshall Thompson,
Robin Clarke, Wolfgang Preiss, Werner Kreindl, Dieter Schidor, Jan Niklas, Ferdy Mayne, Reinhard Kolldehoff, u. a.
eine Produktion der Metro-Goldwyn-Mayer | CIP Filmproduktions GmbH | im Verleih der CIC
ein Film von John G. Avildsen


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»In business we're all Swiss, aren't we?«

Der Polizeibeamte Liutenant Barney Caine (George C. Scott) hat einen Mordfall in Los Angeles zu untersuchen, bei dem Tat und Motiv zunächst im Dunkeln liegen. Die weiteren Ermittlungen erweisen sich auch nicht gerade als ergiebig, jedoch kommt es zu weiteren Todesfällen, die zeigen, dass er offensichtlich auf der richtigen Spur ist. Der Codemane "Genesis" führt Caine schließlich aus den Vereinigten Staaten nach Berlin und die Zusammenhänge gewinnen endlich Gestalt. Es handelt sich um eine wiederentdeckte Formel, die seinerzeit von den Nazis entwickelt wurde, mit der man synthetischen Treibstoff herstellen kann. Im Interesse eines mächtigen Ölkonzerns soll dieses Geheimnis jedoch nicht an die Öffentlichkeit geraten, da die Existenz der Ölindustrie dadurch generell gefährdet wäre. Der Kampf um die Formel beginnt, bei dem Mitwisser, zu denen Caine nun auch gehört, zum Abschuss freigegeben werden...

Chaotische Szenen aus dem Krieg dominieren den Anfang von John G. Avildsens Spielfilm, so dass dieser Einstieg auch gleichzeitig den Tenor des gesamten Verlaufs charakterisieren wird. Zwar ändern sich die Schauplätze radikal, und die dazu gehörende Szenerie vermeintlich zum Guten, doch das perfide Spiel wird das selbe bleiben, es gibt zu diesem Zweck lediglich andere Schachfiguren. Dieser Zeitsprung aus Berlin heraus, lässt die anfänglichen Sequenzen verblassen, aber nicht in Vergessenheit geraten, da ohnehin immer wieder gedankliche Brücken in die dunklen Jahre gebaut werden. Wo zunächst noch Bomben fielen, Häuser brannten, Elefanten aus dem Tiergarten flüchteten und einige hohe Offiziere drauf und dran waren, das sinkende Schiff zwar endgültig, aber erhobenen Hauptes zu verlassen, befindet man sich plötzlich in den Vereinigten Staaten und wird Zeuge bei den Ermittlungen rund um einen rätselhaften Mordfall. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass die Regie diese Eindrücke noch spektakulär miteinander verknüpfen wird und man lässt sich gespannt auf den weiteren Verlauf ein. Die Thematik rund um Macht, Profit und Mord erweist sich hier, und generell auch, als guter Nährboden für mitreißende Geschichten, die nach dem Wort Ende meistens nur noch bedingt einen Märchencharakter vermitteln, vorausgesetzt, dass die Inhalte tatsächlich von dieser Welt ausgeliehen sind. Die Vorstellung der einzelnen Hauptpersonen geschieht zügig und nachhaltig, da sie diese Aufgabe ganz markant selbst übernehmen. Um den mittlerweile ruhigen Verlauf etwas anzuheizen, taucht plötzlich das Codewort "Genesis" auf, und da in dieser Story alle Wege zurück nach Deutschland führen, findet sich der Zuschauer im zweigeteilten Berlin wieder. Generell bleibt zu sagen, dass man in dieser Großproduktion schon einiges an Aufgebot geboten bekommt, sei es in den Bereichen Ausstattung oder auch beispielsweise bei der Besetzung, jedoch muss man sich auf einen empfundenermaßen schleppenden, und überwiegend geschwätzigen Verlauf einstellen, in dem es mehrere, oder besser gesagt offensichtlichere Finessen hätte geben dürfen.

Die beteiligten Schauspieler haben dem Vernehmen nach Unsummen an Gagen verschlungen, die bei gewissen Stars von gestern allerdings in keiner Relation mehr zur knappen Auftrittsdauer stehen. Der große Vorzug dieser Star-Besetzung ist und bleibt ein scheinbar alles ausfüllender George C. Scott, den man hier bereits ein paar Monate nach den besten Jahren begleiten darf. Er färbt seine Figur sehr individuell und überzeugt durch eine resolute Performance, genau wie ein weiterer Headliner der Besetzungsliste, Marlon Brando. Es ist nahezu erstaunlich wie unkenntlich der Amerikaner hier zurecht gemacht wurde, und dementsprechend auch wirkt, so dass man vielleicht ein bisschen ketzerisch denken könnte, dass er nun selbst in seiner persönlichen "Endstation Sehnsucht" angekommen war. Seine kurze Auftrittsdauer füllt er jedoch hervorragend aus, so dass die beiden Hauptdarsteller die halbe Miete durch Schauspiellaune und Präzision zusammenbringen. Für besondere Freude sorgt wie immer die schöne Schweizerin Marthe Keller, die stets einen optimalen Weg bezüglich ihrer Darstellung einzuschlagen wusste. Abgerundet, oder eher gesagt ausstaffiert wurde das Ganze mit namhaften amerikanischen Stars und guten alten Bekannten aus Deutschland, die hauptsächlich in ihren Paraderollen zu finden sind. Regisseur Avildsen gelingt es in "Die Formel" immer wieder sehr geschickt, Brücken in die Vergangenheit zu schlagen, allerdings präsentiert der Verlauf zu wenige Schlüsselmomente, so dass ein eher zähes Erzähltempo zu Stande kommt. Die Atmosphäre bleibt düster und vor allem verschwörerisch, gelungene Überraschungen und ein überzeugendes Finale bleiben nicht aus, doch man vermisst den ganz großen Paukenschlag. Schade ist, dass die Öl-Industrie, oder deren ausführende Arme, nicht gewichtiger ins Geschehen mit einbezogen wurden, aber das sagt auch nur ein alter "Dallas"-Crack, der den Film im Großen und Ganzen doch recht überzeugend und unterhaltsam gefunden hat. John G. Avildsens Beitrag bleibt trotz einer Thematik, die laut aufschreien möchte, aber am Ende verstummt, in sicherem Fahrwasser zwischen Unterhaltungsmodus und subtilen bis kritischen Ambitionen. Der große Wurf ist daher leider nicht gelungen, was bei diesen üppigen Grundvoraussetzungen mehr als schade ist.

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