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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: C.H.U.D. - PANIK IN MANHATTAN - Douglas Cheek
PostPosted: 01.09.2018 12:26 
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C.H.U.D.
(C.H.U.D. - Panik in Manhattan)
USA 1984 - Directed by Douglas Cheek
Starring: John Heard, Daniel Stern, Christopher Curry, Kim Greist, George Martin, Eddie Jones...


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C.H.U.D. beginnt mit einem simpel gestalteten Vorspann - keine Mätzchen irgendwelcher Art, einfach nur große blaue Letter auf schwarzem Grund, begleitet von David A. Hughes' ominösen Synthesizer-Score -, der wenig später auch schon einem Bild weicht. Wir befinden uns in Manhattan, es ist eine kühle Nacht, die Seitenstraße ist fast menschenleer, aus den Öffnungen der Kanaldeckel dampft warme Luft. Eine Frau, Flora (Laure Mattos), schlendert die Straße entlang, sie geht mir ihrem kleinen Hündchen Gassi, hält neben einem Kanaldeckel kurz an. Unbemerkt von ihr wird der Deckel von unten angehoben, und eine Hand packt sie fest am Knöchel. Flora blickt überrascht runter, und Augenblicke später hallen ihre entsetzten Schreie durch die Nacht, während sie samt Hündchen durch die Öffnung nach unten gezogen wird, in die Kanalisation. Der Deckel wird geschlossen, und nur ein einsamer, auf der Straße liegender Damenschuh (der am frühen Morgen von einer Kehrmaschine aufgesammelt und entsorgt wird) ist stummer Zeuge des Dramas, das sich soeben abgespielt hat. Für Flora ist es bestimmt kein Trost, aber sie ist nicht die erste, die unter den Straßen New Yorks ein unschönes Ende erleiden mußte. Denn in der Kanalisation hausen die C.H.U.D.s, die "Cannibalistic Humanoid Underground Dwellers". Und die sind verdammt hungrig!

Douglas Cheeks C.H.U.D. zählt zu den besseren Monsterfilmen der 1980er-Jahre und bietet auch heutzutage, mehr als dreißig Jahre nach Entstehen, noch gute, bisweilen sogar packende Unterhaltung. Vor allem im letzten Drittel, wenn es ans Eingemachte geht und unsere Helden sich allesamt in brenzligen Situationen wiederfinden, weiß der mit über einer Million Dollar ordentlich budgetierte und ziemlich ambitionierte Streifen zu überzeugen. Da erntet er dann die Früchte, die er durch den bedächtigen Handlungsaufbau und die recht ansprechend charakterisierten Figuren gesät hat. Photograph George Cooper (John Heard, The Sopranos) und Suppenküchenbetreiber A.J. (Daniel Stern, Home Alone) etwa irren durch die abgeriegelte Kanalisation, Lauren Daniels (Kim Greist, Brazil), Georges schwangere Freundin, erhält ungebetenen Besuch in ihrer Wohnung, und Captain Bosch (Christopher Curry, Starship Troopers), der ermittelnde Polizist, bekommt es mit dem zwielichtigen Wilson (George Martin, Dead Poets Society) zu tun, der die ganze Chose am liebsten vertuschen und unter den Teppich kehren möchte. Die Figuren sind durchaus ambivalent gezeichnet, was sie ein wenig "echter" erscheinen läßt als ihre Pendants in den vielen ähnlich gelagerten Filmen. Und Lauren wächst als klassische "Damsel in Distress" über sich hinaus.

In manchen Aspekten ähnelt C.H.U.D. den Filmen von Larry Cohen (die It's Alive-Trilogie, Q aka American Monster). Die ungewöhnlich kantigen Protagonisten. Die schroffe Stimmung. Die sozialkritischen Untertöne. Und der böse Humor, der hin und wieder zaghaft aus dem insgesamt recht ernst angelegten Horrorszenario hervorlugt. Bei den C.H.U.D.s handelt es sich übrigens um mutierte Obdachlose, die in den Untergrund abgewandert sind und dort ihr Lager aufgeschlagen haben, nicht ahnend, daß ihre neue Heimstätte durch den dort gelagerten radioaktiven Müll verseucht ist. Und so mutieren sie zu häßlichen Monstrositäten, mit grünem Blut, scharfen Krallen und spitzen Zähnen, die sich ihre Nahrung von "oben" besorgen. Etwas befremdlich (und ungemein cheesy) sind ihre großen, gelb leuchtenden Glubschaugen, die einerseits recht unheimlich, andererseits aber auch ziemlich komisch wirken. Mit den C.H.U.D.s sind den Machern auf alle Fälle richtig coole und denkwürdige Monster gelungen, die von Regisseur Cheek und seinem DoP Peter Stein auch gekonnt ins rechte Licht gerückt werden. Besonders die Nahaufnahmen der Klauen, Zähne und der fiesen Fressen, die vor den Angriffen oft sekundenkurz zu sehen sind, sind höchst effektiv und entschädigen dafür, daß die Attacken selbst meist offscreen stattfinden.

Trotzdem hat der Film auch für Fans der blutigeren Gangart das eine oder andere Schmankerl zu bieten. Vor allem die in der Kanalisation verstreuten Überreste der unglücklichen Opfer (abgetrennte Köpfe, zerfetzte Körper) wurden von den SFX-Künstlern (darunter John Caglione Jr. und Ed French) mit viel Liebe zum Detail kreiert. Und die memorable Duschszene, die mit Suspense punktet und mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielt, ist ebenfalls ein kleines Highlight. Des Weiteren suhlt sich C.H.U.D. fast schon ausgelassen in Schmutz und Dreck (nicht zuletzt, da ein gewichtiger Teil des Filmes in der Kanalisation spielt), was der düsteren Stimmung sehr zugutekommt. Die heruntergekommenen Locations weit abseits der üblichen Postkartenidylle lassen den Big Apple eher als verfaulten Apfel dastehen. In einer kleinen Geh-aufs-Klo-und-du-verpaßt-ihn-Rolle ist John Goodman (The Big Lebowski) zu sehen, und zwei der Hauptdarsteller feiern einige Jahre später Erfolge mit Filmen, in denen ein gewisser Kevin allein zu Hause ist. C.H.U.D. ist Achtziger-Jahre-Monster-Horror mit Ecken und Kanten, ein kleiner, böser New York-Schocker, der nicht nur aufgrund seiner kultigen Kreaturen im Gedächtnis haften bleibt. (*) 1989 folgte mit C.H.U.D. II: Bud the Chud (C.H.U.D. - Das Monster lebt) eine unnötige und leider völlig mißratene Fortsetzung.

(*) Es ist wahrlich kein Zufall, daß die C.H.U.D.s im Laufe der Zeit Eingang in die Popkultur gefunden haben und sowohl in TV-Serien (The Simpsons, South Park, Pushing Daisies) als auch in Filmen (Donnie Darko, Clerks II) zitiert wurden.

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