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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: JACK-O - Steve Latshaw
PostPosted: 03.11.2018 12:42 
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Jack-O
(Jack O'Lantern / Jacko Lantern)
USA 1995 - Directed by Steve Latshaw
Starring: Linnea Quigley, Maddisen K. Krown, Gary Doles, Ryan Latshaw, Catherine Walsh, Rachel Carter, Tom Ferda...


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Wenn in einem Film der 1980er- oder 1990er-Jahre der Name Linnea Quigley im Vorspann auftauchte, dann standen die Chancen gut, daß im Film zwei ganz bestimmte Dinge geschahen. Und auch Jack-O enttäuscht in dieser Hinsicht nicht, denn die am 27. Mai 1958 in Davenport, Iowa, geborene Aktrice, bekannt aus Filmen wie Savage Streets, Silent Night, Deadly Night, The Return of the Living Dead, Creepozoids, Hollywood Chainsaw Hookers, Night of the Demons, Nightmare Sisters, Witchtrap, Guyver und Pumpkinhead II: Blood Wings, tut haargenau das, wofür sie berühmt geworden ist: duschen und schreien. Im Vorspann von Steve Latshaws Halloween-Baddie wird ihr Name sogar als erstes genannt - ein kleiner aber nur allzu verständlicher Schwindel, haben all ihre Co-Stars zusammen - Cameos ausgenommen (*) - doch einen Bekanntheitsgrad um den Gefrierpunkt. Frau Quigley absolviert die Duschszene - die an Selbstzweckhaftigkeit kaum zu überbieten ist - bereits in Minute dreiundzwanzig, wo sie ihren nackten Körper genüßlich unter dem Wasserstrahl räkelt und damit auch gleich für die einzige T&A-Szene des Filmes sorgt.

Quigley spielt die Babysitterin Carolyn Miller, die zu Halloween mit dem kleinen Sean Kelly (Ryan Latshaw, des Regisseurs Sohn) die Nachbarschaft abklappert, nach dem Motto "Gib mir Süßes, sonst geb' ich dir Saures". Seans Eltern David (Gary Doles) und Linda (Maddisen K. Krown) kümmern sich derweil um die "Spuk-Garage", die sie den Kindern als Gruselattraktion stolz präsentieren. Aber die Kleinen sind nicht die einzigen Gestalten, die in dieser Nacht unterwegs sind. Auch Jack-O-Lantern (Patrick Moran) ist zurück, und die unheilige Kreatur mit dem Kürbiskopf und der scharfen Sense dürstet nach Rache. Vor langer Zeit wurde ein Hexer nämlich von einem Vorfahren der Kellys gelyncht, nicht jedoch, ohne zuvor die Familie samt Nachkommen zu verfluchen und einen Dämon auf sie zu hetzen. Steve Latshaws Jack-O (aka Jack O'Lantern) ist ein seltsamer Mischmasch aus Rache-Slasher, Dämonen-Horror und Kinder-Gruselfilm, der leider ziemlich mißglückt ist, aber gerade auch deswegen ungemein fasziniert. Einerseits ist der Streifen furchtbar schlecht und sterbenslangweilig, andererseits aber auch sehr sympathisch und irgendwie unterhaltsam, auf eine verquere So-bad-it's-fun Art und Weise.

Das erste gravierende Problem des Filmes ist das Tempo, das quasi nicht existent ist. Jack-O tuckert so gemächlich dahin, daß es sich anfühlt, als würde die Zeit einen Tick langsamer ablaufen als normal. Er kommt einfach nicht in die Gänge. In vielen Fällen wäre das schon ein K.o.-Kriterium; nicht so bei Jack-O. Hier hat diese träge Langsamkeit eine fast schon hypnotische Wirkung, die es nahezu unmöglich macht, den Blick abzuwenden oder die Hand zur Fernbedienung zu bewegen, um ein Stück weiter zu spulen. Viele Szenen, insbesondere die, in welchen der Kürbiskopf durch Abwesenheit glänzt, sind aufgrund ihres biederen TV-Looks, der statischen Kameraführung und des Fehlens jeglicher Dynamik sehr langweilig. Und doch möchte man selbst diese ereignislosen Sequenzen nicht missen, einzig und allein wegen des "Schauspiels", das einerseits miserabel, andererseits jedoch auch überaus launig ist. Was die Damen und Herren und Kinder hier zelebrieren... alle Achtung, das ist entweder totales Unvermögen oder grenzgeniale Camp-Kunst. Was immer es auch ist (ich tendiere stark Richtung totales Unvermögen), es paßt zu dieser Horrorgurke wie die Faust aufs Auge.

Doch sobald Jack-O-Lantern in Erscheinung tritt, dann, oh Wunder, wähnt man sich - fast - in einem anderen Film. Da qualmt die Nebelmaschine, da bemüht sich der Kameramann um gute Bilder, da kommt hin und wieder sogar ein angenehmes Grusel-Flair auf. Und mittendrin der cool aussehende Dämon mit seiner scharfen Sense, der Kehlen öffnet, Köpfe abtrennt und Leiber durchbohrt. Das bißchen Gore ist billig, leicht zu durchschauen und kaum realistisch, sollte aber zumindest anspruchslose Slasherfans einigermaßen zufrieden stellen. Und auch der drolligen Szene, in der ein unglückliches Opfer gegrillt wird, kann man unmöglich böse sein. Rational betrachtet ist der überwiegend in Florida an Wochenenden gedrehte Jack-O ein lahmes, sinnfreies, inkompetent zusammengestoppeltes Machwerk, das sich zieht wie Kaugummi und das mit dämlichen Momenten, über die man nur den Kopf schütteln kann, nicht gerade geizt. Außerdem müffelt er, obwohl in den Neunzigern entstanden, stark nach 80er-Jahre-Slasher-Käse. Der ist voll Retro, wie man heutzutage zu sagen pflegt. Und das ist Teil seines merkwürdigen aber sympathischen Charmes, der Jack-O für Bad-Movie-Buffs wie mich zum Guilty Pleasure macht.

(*) Abgesehen von Linnea Quigley, deren Szenen übrigens in drei Tagen abgedreht waren, fanden noch ein paar weitere Genrestars den Weg vor die Kamera; zwei davon waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Filmes bereits den Weg alles Irdischen gegangen. John Carradine (House of the Long Shadows; 1906 – 1988) ist als Hexenmeister Walter Machen in Rückblenden zu sehen, während Cameron Mitchell (The Toolbox Murders; 1918 – 1994) als Host der TV-Horror-Show Dr. Cadaver's Monster Movie Madness auftritt. Des Weiteren sind noch Brinke Stevens (The Slumber Party Massacre) als Hexe in einem Film-im-Film sowie Dawn Wildsmith (Surf Nazis Must Die) als Zauberin mit von der lustigen Partie. Sämtliche Auftritte haben jedoch bloßen Cameo-Charakter.

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 Post subject: Re: JACK-O - Steve Latshaw
PostPosted: 03.11.2018 16:14 
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Ein Film, der sich den heutigen stakkatoartigen Dauerschnitten verweigert - und dazu dann noch intensives Duschen mit Linnea Quigley... hört sich für mein Empfinden gut an... habe gerade auf imdb.com geschaut: da bekommt der Film ganze 2,9 Punkte - also ein weiteres "Pro"...

bei solchen Werken aus den 90ern, die gleich in die Videotheken gewandert sind, weiß man vorher ja nie, was das Auge erwarten darf, von daher kann man ja durchaus auf "Gold" stoßen... ging mir neulich so mit "Psycho Cop 2" (1993)... danke für die Vorstellung - werde "Jack-O" einmal im Hinterkopf behalten...


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