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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
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Silver Bullet
(Werwolf von Tarker Mills / Stephen Kings Werwolf von Tarker Mills / Stephen King's Silver Bullet)
USA 1985 - Directed by Daniel Attias
Starring: Corey Haim, Megan Follows, Gary Busey, Terry O'Quinn, Everett McGill, Lawrence Tierney...


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Eine schreckliche Mordserie erschüttert die verschlafene Kleinstadt Tarker's Mills im US-Bundesstaat Maine. Erst wird ein Bahnarbeiter neben den Gleisen enthauptet, dann metzelt der Mörder eine schwangere Frau in ihrer Wohnung nieder (eine erstaunlich wuchtige Szene), und schließlich findet ein Säufer in seinem eigenen Gewächshaus ein grausames Ende. Alle diese abscheulichen Taten trugen sich nachts bei Vollmond zu. Sheriff Joe Haller (Terry O'Quinn) tut zwar sein Bestes, um die Verbrechen aufzuklären, allerdings hat er weder eine Spur noch einen potentiellen Verdächtigen. Und so ist es kein Wunder, daß mit jeder neuen Untat die Unruhe sowie die Wut in der verängstigten Bevölkerung zunehmen und sich einige gut bewaffnete Leute schließlich zusammenrotten, um den brutalen Killer auf eigene Faust zu stellen und zur Strecke zu bringen. Nicht jeder dieser Hitzköpfe kommt von diesem dubiosen Unternehmen wohlbehalten zurück.

In Tarker's Mills lebt auch die Familie Coslaw, bestehend aus Vater Bob (Leon Russom), Mutter Nan (Robin Groves) sowie deren zwei Kindern, der knapp fünfzehnjährigen Jane (Megan Follows) und des dreizehnjährigen Marty (Corey Haim). Letzterer ist von der Hüfte abwärts gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Onkel Red (Gary Busey) schafft es immer wieder, den Jungen aufzuheitern, obwohl er in den Augen seiner Schwester Nan bloß ein verantwortungsloser Tunichtgut ist, der immer wieder zu tief ins Glas schaut. Einmal mehr bringt Red Martys Augen zum Leuchten, als er ihm einen coolen, selbstgebastelten, motorbetriebenen Rollstuhl schenkt, ein richtig heißes Geschoß getauft auf den Namen Silver Bullet. So gern Red seinen Neffen auch mag, Martys Theorie, daß die Morde auf das Konto eines Werwolfs gehen, tut er als Hirngespinst ab. Dummerweise liegt Marty richtig, und mit der Hilfe seiner Schwester findet er sogar heraus, wer der Gestaltwandler ist. Was Marty und Jane prompt in tödliche Gefahr bringt.

Daniel Attias' Silver Bullet ist eine gelungene Verfilmung der knackigen Kalendernovelle Cycle of the Werewolf (Das Jahr des Werwolfs, 1984) von Horrorgroßmeister Stephen King, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Dem ausgesprochen kurzweiligen Film mögen die innovativen Elemente und/oder bahnbrechenden Transformationsszenen eines The Howling (1981), An American Werewolf in London (1981) oder The Company of Wolves (1984) abgehen, dafür weiß er anderweitig zu punkten. So funktioniert der Streifen nicht nur als Horrorfilm, sondern dank seiner jungen Protagonisten auch als flottes Jugendabenteuer, welches bisweilen (leichte) Erinnerungen an 80er-Jahre-Klassiker wie The Goonies oder Stand by Me weckt. Außerdem ist die Charakterisierung des Lykanthropen sehr interessant. Dieser tötet nämlich nicht zwecks Nahrungsaufnahme, sondern, salopp formuliert, just for fun. Darüber hinaus weiß er in menschlicher Form sehr wohl über seine außergewöhnliche Fähigkeit Bescheid, kann diese bewußt steuern und sucht sich sogar seine Opfer gezielt aus. Sein unscheinbares Äußeres ist somit nur tückische Fassade, ist er doch als Mensch eine ebensolche Bestie wie als Werwolf.

Daß der geschätzt sieben Millionen Dollar teure Silver Bullet so gut funktioniert, liegt vor allem an der tollen Besetzung, welche die Figuren zu glaubwürdigem Leben erweckt. Der im März 2010 verstorbene Corey Haim (The Lost Boys) und die damals sechzehnjährige Megan Follows (Königin Catherine in Reign) geben als junge Helden eine gute Figur ab, wobei sie es nicht nur schaffen, nicht zu nerven, sondern auch dem Publikum langsam ans Herz zu wachsen. Leon Russom und Robin Groves (The Nesting) haben als ihre Eltern zwar nicht viel zu tun, erledigen das Wenige aber recht ordentlich. Die in prägnanten Nebenrollen agierenden Charakterköpfe wie Lawrence Tierney (Reservoir Dogs), Terry O'Quinn (The Stepfather) und Everett McGill (Twin Peaks) machen Laune, aber die große Schau ist zweifellos Gary Busey (Lethal Weapon), der in seiner Rolle als Onkel Red regelrecht aufgeht und sie zur memorabelsten Figur des Streifens macht. Busey ist einfach ein großartiger, charismatischer Schauspieler, der mich noch nie enttäuscht hat und der eine Bereicherung jedes Filmes ist.

Regiedebütant Daniel Attias, der nach Don Coscarellis Ausscheiden zum Zug kam, setzt Kings Drehbuch solide, angemessen und relativ unspektakulär um, ohne dem Geschehen einen eigenen, persönlichen Stempel aufdrücken zu können. Es blieb seine einzige Arbeit für die große Leinwand. Danach fand er seine Bestimmung im Fernsehgeschäft und steuerte diverse Folgen zu TV-Serien wie Miami Vice, Beverly Hills, 90210, Buffy the Vampire Slayer, The Sopranos, Alias, Six Feet Under, The Wire, Lost, House, True Blood, True Detective und Homeland bei. Immerhin schafft er es, auch die ruhigeren Momente überzeugend zu gestalten. Die verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen (Marty und Jane, Marty und Red, Red und Nan) werden glaubhaft und mit viel Gefühl geschildert und fühlen sich trotz so manchem Klischee echt an. Nach dem temporeichen Beginn (drei sehr schön aufgebaute Werwolfattacken in fünfundzwanzig Minuten) schaltet Silver Bullet einen Gang zurück und konzentriert sich mehr auf die Coslaws, ohne daß die Action zu kurz kommt.

Die lange, atmosphärische "Jagd"-Sequenz im Wald bei dichtem Bodennebel verdient eine besondere Erwähnung, aber auch die Verfolgungsjagd und der packende Showdown sind keineswegs zu verachten. Weniger gelungen sind hingegen Jay Chattaways (Maniac) musikalische Untermalung, die zwar stimmige aber unnötige Erzählstimme aus dem Off, der etwas gewöhnungsbedürftige Humor (z. B. entwendet das Monster einem auf ihn einprügelnden Mann den Baseballschläger und dreht den Spieß um) und - leider - auch Carlo Rambaldis (Alien) Werwolfkostüm. Dieses wirkt ziemlich bärig, vielleicht auch, weil das Fell aus Bärenhaaren besteht. Angst und Grauen löst der Anblick der Kreatur jedenfalls nicht aus, eher Verblüffung und Gekicher. Passenderweise sind auch die Verwandlungen hübsch drollig geraten (fast meint man, den Gummi quietschen zu hören), was einerseits am Realismus des Gebotenen nagt, andererseits jedoch mordsmäßig Charme verbreitet. Ich gebe solch putzigen Momenten seelenlosen Pixel aus dem Computer jedenfalls klar den Vorzug.

Obwohl Silver Bullet nicht zu den Highlights des Genres zählt und auch im Ranking der besten Stephen King-Verfilmungen nur unter "ferner liefen" zu finden ist, so bietet der grundsympathische Streifen doch sehr kurzweilige anderthalb Stunden, auf die man sich immer mal wieder gerne einläßt.

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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 05.03.2016 13:49 
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Mochte den Film schon seit den seligen 80ern sehr gerne! Gary Busey erinnert mich in seiner Rolle an mich selbst - ich trinke auch zu viel! :kez_15:

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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 05.03.2016 14:54 
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Alaric_de_Marnac wrote:
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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 07.03.2016 12:51 
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Den Film mag ich sehr. Und mir gefällt auch der Soundtrack. Und die Peacemaker-Szene bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Bei der Off-Stimme sehe ich das ähnlich, da schwankt die Erzählperspektive zu stark. Dennoch ein schöner Film für laue Sommerabende.

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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 12.03.2016 13:41 
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MMeXX wrote:
Und die Peacemaker-Szene bringt mich immer wieder zum Schmunzeln.


Schmunzeln muß ich da auch immer, aber dieser eingestreute Humor wirkt auf mich etwas deplatziert, ganz besonders in dieser Szene, weil er den Spannungsbogen abknickt.

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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 12.03.2016 16:14 
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Randolph Carter wrote:
MMeXX wrote:
Und die Peacemaker-Szene bringt mich immer wieder zum Schmunzeln.


Schmunzeln muß ich da auch immer, aber dieser eingestreute Humor wirkt auf mich etwas deplatziert, ganz besonders in dieser Szene, weil er den Spannungsbogen abknickt.

Ich verstehe, was du meinst, eine "Unausgewogenheit" (teils sehr harte Darstellung der Morde, dann [für mich] immer wieder mal eine melancholische Stimmung, dann Humor) kann man dem Film durchaus attestieren. Ob man dies dann positiv oder negativ wertet, muss ja jeder selbst wissen. Ich denke, ich feder das eher ab, weil mir Gary Busey schon eine gewisse Lockerheit vermittelt, ich also irgendwie nicht den Eindruck habe, der FIlm wäre bierernst.

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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 24.06.2017 12:40 
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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 10.06.2019 14:22 
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gestern auf TELE 5 gesehen.

irgendwie leicht vorhersehbar der Film mit Handlung etc.

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 Post subject: Re: WERWOLF VON TARKER MILLS - Daniel Attias
PostPosted: 10.06.2019 14:23 
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Markus wrote:
gestern auf TELE 5 gesehen.

irgendwie leicht vorhersehbar der Film mit Handlung etc.


Aktuell auch noch in der Mediathek aufrufbar.

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