Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 19.07.2019 15:13

All times are UTC + 1 hour [ DST ]




Post new topic Reply to topic  [ 15 posts ] 
AuthorMessage
 Post subject: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 09.10.2015 23:01 
Offline
User avatar

Joined: 01.2012
Posts: 285
Location: Point Dune
Gender: Male
Der Sommer liegt in seinen letzten Zügen, Nebelschwaden wabern des Nachts durch die langsam verblühende Umgebung. Genau die richtige Zeit für ein paar schaurig-schöne Stunden vor dem heimischen Bildschirm. Am besten noch mit einem Gläschen guten Wein - rot, natürlich! ;-) Ich bin nicht mit den Werken von Edgar Allen Poe und H. P. Lovecraft vertraut. Falls ich irgendwo falsch rechergiert haben sollte, möge man mich korrigieren. Nach allem, was ich so nachlesen konnte, hat Roger Corman den Geist dieser Werke wohl sehr gut eingefangen. Insgesamt 8 Filme umfasst der E. A. Poe-Zyklus, wobei einer davon lediglich Auszüge beinhaltet. Der erste Film kam 1960 heraus (-ein wichtiges Filmjahr, das mit einigen wegweisenden und stilbildenden Werken aufwarten kann). Roger Corman ließ es sich nicht nehmen, alle seine Verfilmungen in Scope zu drehen. Der neunte Film "The Terror" ist noch ein Sonderfall, zählt aber für mich trotzdem zur Filmreihe, der ich ein kurzes Special gewidmet habe:




Erben bringt sterben.

Die Verfluchten oder: Der Untergang des Hauses Usher
("House of Usher" USA 1960, Regie: Roger Corman)

Image Image

Philip Winthrop (Mark Damon) liebt Madeline Usher (Myrna Fahey). Doch deren Bruder Sir Roderick (Vincent Price) hält das Geschlecht der Familie Usher für verflucht. Philip hält Sir Roderick für überspannt und schlägt seine Warnungen in den Wind. Doch mehr und mehr scheinen sich die Gruselgeschichten um die Familie Usher zu bestätigen. Das Haus ächzt und bröckelt an allen Ecken und auch Madeline geht langsam aber sicher die Lebenskraft aus. Sir Roderick fasst einen folgenschweren Entschluss - und Philip bleibt nicht mehr viel Zeit, um das Haus zu verlassen, das dem sicheren Untergang geweiht ist... (OFDb, geändert)

Mit diesem Film begann der König des B-Films, des Blow-ups und der Filmverwurstung (-was gar nicht mal negativ gemeint ist-), Roger Corman, eine Reihe von atmosphärischen E. A. Poe-Verfilmungen, wobei die meisten mehr oder weniger in den gleichen Kulissen entstanden, die von Film zu Film variiert wurden. Dennoch hat jeder dieser Filme seine ganz eigene Note. Optisch hat man hier einiges aufgefahren, um die düstere Welt von E. A. Poe zum Leben zu erwecken: Prächtige Matte Paintings, liebevoll gestaltete Sets, tonnenweise (Kunst-)Spinnenweben und etliche Galonen von Kunstnebel sorgen für wohlige Gänsehaut. Dazu die klassischen Gruselfilm-Klänge von Les Baxter, eine tolle Kameraarbeit und ungewöhnliche Bildverzerrungen und Farbfilter, die vor allem in der surrealen Traumsequenz zu beeindrucken wissen. "Die Verfluchten" hat leider etwas mit seinem mMn schwachen Hauptdarsteller zu kämpfen, während Vincent Price mit seinem ausdrucksvollen, bisweilen etwas überzogenen Spiel, richtig gutes Theater der alten Schule zum besten gibt. Dass es noch besser geht, zeigen mMn die nachfolgenden Filme, deshalb fällt meine Wertung für den Erstling etwas moderat aus.

6,5/10 (Tendenz nach oben)





Geh' nicht in den Keller!

Das Pendel des Todes
("The Pit and the Pendulum" USA 1961, Regie: Roger Corman)

Image Image

Nachdem Francis Barnard (John Kerr) überraschend über den Tod seiner geliebten Schwester Elizabeth (Barbara Steele) informiert wurde, begibt er sich in das Schloss seines Schwagers, Don Nicholas Medina (Vincent Price), um Details zu den mysteriösen Umständen ihres Dahinscheidens zu erfahren. Kurz nach dessen Ankunft häufen sich unheimliche Vorfälle, die offenbar von der Folterkammer in den Kellergewölben des alten Anwesens ausgehen. Hier hält sich nicht nur ein altes Familiengeheimnis verborgen, sondern auch die Antwort für Elizabeths plötzliches Ableben. Nach und nach beginnt das Kartenhaus aus Schweigen, Geheimnissen und Intrigen zusammenzubrechen… (OFDb, geändert)

Mit seiner zweiten Verfilmung legt Corman visuell noch eine Schippe drauf. Sehr schön sind auch hier wieder einige bavaesk ausgeleuchtete Einstellungen und die surreale Traumsequenz, die in ihrer Inszenierung tatsächlich einem Traum sehr nahe kommt. Inhaltlich macht "Das Pendel des Todes" auch etwas mehr her, denn die Figur, die Vincent Price hier verkörpert, macht eine noch dramatischere Wandlung durch, als im Vorgängerfilm.
Am Ende entpuppt sich das Ganze als heimtückischer Plan von Elizabeth (-die ihren Tod nur vorgetäuscht hat-) und dem ehrenwerten Doktor.
Wobei der Doktor tatsächlich nicht gerade zu den Koryphäen auf seinem Gebiet zählt: So erklärt er
Don Nicholas
nach einmal kurz Händeauflegen für Tod, obwohl der noch (deutlich sichtbar) mit den Augen blinzelt. Dafür MUSS es (leider) Punktabzug geben. Dafür punktet der Film aber im Finale, wenn
Don Nicholas
dem Wahnsinn verfällt und dem verlogenen Gesindel zeigt, wo das Pendel des Todes hängt.
Denn kurz nachdem ihn sein Doktor für Tod erklärt hat, steht der Don wieder da wie eine Eins
- und dann ist Schluss mit lustig! Die letzte Einstellung des Films hält dann nochmal eine schaurig-schöne Pointe bereit. Les Baxter stimmt diesmal auch experimentelle Klänge an, die ein wenig an den Soundtrack von "Planet der Affen" erinnern, was diesem Film eine spezielle Note verleiht.

Dies war übrigens der erste Film der Reihe, den ich gesehen habe. Ich erinnere mich noch an die ZDF-Ausstrahlung von 1989, spät in der Nacht. Wenige Tage danach bin ich mit meinem Vater zur Funkausstellung nach Berlin gefahren, wobei mir die schaurig-schönen Bilder von "Das Pendel des Todes" einfach nicht aus dem Kopf gingen. Klar, dass ich die anderen Filme auch noch sehen musste. ;-)

7/10





Noch warm und schon Sand drauf.

Lebendig begraben
("The Premature Burial" USA 1961, Regie: Roger Corman)

Image Image

Der eigenwillige Guy Carell (Ray Milland) glaubt, dass er nach der Beerdigung seines Vaters noch Schreie von ihm in der Grabkammer gehört hat. Guy vermutet, dass sein Vater nach dem Herzinfarkt nicht wirklich tot war und somit lebendig begraben wurde. Seit diesem Erlebnis hat er selber panische Angst so zu enden. Seine Angst ist nicht unbegründet, denn nicht wenige seiner Vorfahren litten an Katalepsie. Mysteriöse Ereignisse sorgen dafür, dass seine Angst weiter wächst. Verliert Guy den Verstand, oder ist er gar das Opfer einer heimtückischen Verschwörung? (OFDb, geändert)

Ursprünglich sollte Vincent Price die Hauptrolle spielen, musste aber die Rolle an Ray Milland abgeben, da er vertraglich gerade an einem anderen Film gebunden war. Das ist aber keineswegs ein Nachteil, denn Ray Milland bringt seine Rolle sehr überzeugend und mit der nötigen Ernsthaftigkeit rüber, so dass seine zunehmende Paranoia recht beklemmend wirkt. Auch ist der Film mMn etwas stringenter inszeniert, als die beiden Vorgängerfilme. Begleitet wird Guys Reise in die dunklen Gefilde der menschlichen Psyche von der gepfiffenen Melodie eines Friedhofsarbeiters, die sich auch in der Filmmusik von Ronald Stein und Les Baxter wiederfindet. Einmal sogar im Pfeifen des Windes. In einer ausgedehnten Traumsequenz wird Guys Paranoia richtig schön auf die Spitze getrieben - visuell sehr eindrucksvoll! Einziger Makel ist mMn das Ende, das mich nicht so ganz überzeugt hat:
Dass Guy von seiner eigenen Frau in den Tod getrieben wird. Das passt aber irgendwie nicht zu Hazel Courts Darstellung, finde ich.


Die TV-Ausstrahlung (ZDF, 3sat) zeigt (noch) eine gut erhaltene deutsche Kinokopie (-sogar im korrekten Bildformat). Allerdings gehen durch zahlreiche Filmrisse gut zweieinhalb Minuten verloren. So gibt es z. B. bei Minute 52, 53 und 62 auch Tonsprünge mitten im Dialog. Erfreulicherweise verfügt die DVD von EMS über eine vollständige deutsche Tonspur!

7,5/10





Die drei Gesichter des Todes.

Schwarze Geschichten oder: Der grauenvolle Mr. X
("Tales of Terror" USA 1962, Regie: Roger Corman)

Image Image

Dreiteilige Anthologie, die auf Kurzgeschichten Edgar Allen Poe's beruht:

"Morella": Ein Witwer (Vincent Price), der seit Jahren dem Tod seiner Frau hinterhertrauert, erhält Besuch von seiner Tochter, die bald vom racheschnaubenden Geist ihrer Mutter verfolgt wird. Die schiebt nämlich unendlichen Hass auf ihre eigene Tochter, da sie sie für ihren Tod verantwortlich macht...

"Die schwarze Katze": Der Säufer Montresor (Peter Lorre) kümmert sich nicht um seine junge Frau, ist jedoch äußerst rachsüchtig, was außereheliche Verhältnisse angeht. Als er seine Braut mit dem Weinexperten Galan (Vincent Price) erwischt, beschließt er die beiden zu töten. Doch er hat etwas übersehen...

"Der Fall Valdemar": Ein wohlhabender Bürger (Vincent Price) läßt sich kurz vor seinem Tod hypnotisieren und kann deshalb auch nach seinem Tod keinen Frieden finden. Der Hypnotiseur (Basil Rathbone) will das ausnützen, um mehr über das Jenseits herauszufinden. Doch der (Un-)Tote lässt sich schwerer kontollieren, als erwartet...
(OFDb, geändert)


Die mMn stärkste Episode kommt gleich als erste. In "Morella" brilliert Vincent Price als verbitterter Witwer, der seiner eigenen Tochter die Schuld am Tod seiner Frau Morella gibt. Und das nur, weil Morella die Folgen der Geburt nicht überlebt hat. Nach dieser sehr abgründigen und bitteren Geschichte geht es in Episode 2 etwas heiterer zu. In "Die schwarze Katze" dürfen Vincent Price und Peter Lorre schon mal vorglühen für "Der Rabe" und ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Doch das Böse Erwachen folgt auch hier recht bald. Zwei der großartigsten Schauspieler ihrer Zeit geben sich hier die Ehre und eine schwindelerregend verzerrte Traumsequenz gibt es auch. In der letzten Episode "Der Fall Valdemar" ist dann wieder Gänsehaut pur angesagt. Die interessante Grundidee und eine zombie(!)mäßige Auferstehung können heute noch für wohliges Gruseln sorgen.

Der Stil und die comicartigen Überblendungen nehmen George A. Romeros "Creepshow" schon vorweg, der allerdings auch eine Hommage an die klassischen Horrorfilme der 50er-60er-Jahre darstellt.

Unter dem Titel "Der grauenvolle Mr. X" läuft der Film gelegentlich (in hervorragender Qualität) im TV (ZDF oder 3sat), wobei hier eine eigens erstellte TV-Synchro zu hören ist. Auf DVD wurde die alte Kinosynchro verwendet. Ich finde beide Synchros sehr gelungen, wobei die Kinosynchro mMn etwas die Nase vorn hat.

7,5/10 (Tendenz nach oben)





Ein Zauberstab ist kein Lutschbonbon!

Der Rabe - Duell der Zauberer oder: Der Rabe - Krieg der Magier
("The Raven" USA 1963, Regie: Roger Corman)

Image Image

Der Zauberer Erasmus Craven (Vincent Price) trauert eigentlich nur noch seiner toten Frau Lenore (Hazel Court) nach, als er eines Abends Besuch von dem recht stümperhaften Genossen Bedlo (Peter Lorre) bekommt. Der wurde gerade in einen Raben verwandelt und zwar von Cravens düsterem Kollegen Scarabus (Boris Karloff). Craven läßt sich in seiner Melancholie nicht aufhalten, bis er erfährt, daß Lenore mitnichten tot ist. Im Gegenteil, sie lebt bei Scarabus. Das kann Craven nicht auf sich sitzen lassen. Zusammen mit Bedlo, seiner Tochter Estelle und Bedlos Sohn Rexford (Jack Nicholson) machen sie sich auf den Weg zu ihrem Gegner... (OFDb, leicht geändet)

Horror und Humor geben sich die Hand, wenn Vincent Price, Peter Lorre und Boris Karloff zum großen Zauberer-Duell aufeinander treffen - wobei der Humor eindeutig überwiegt. Auch wenn das Ganze stellenweise etwas zu sehr in Klamauk abgleitet, können die stilvolle Inszenierung und die großartigen Darsteller mit Charme und Einfallsreichtum punkten. Vielleicht hat man sich auch etwas vom zeitgleich entstandenen Disney-Zeichentrick "Die Hexe und der Zauberer" inspirieren lassen, wo es ähnlich lustig-makaber zugeht. Der junge Jack Nicholson darf in einer Szene so richtig nach herzenlust Overacting betreiben. Dem geh'm doch wohl die Pferde durch... :lol: Bei aller Komik hat das Ende aber auch hier wieder etwas melancholisches und bitteres. Das Drehbuch lieferte Richard Matheson ("I Am Legend"), der auch die Drehbücher zu "Die Verfluchten", "Das Pendel des Todes" und "Schwarze Geschichten" schrieb.

Das Ganze erinnert stellenweise sehr an die Märchenfilme aus der Tschechoslowakai und Russland. Da verwundert es nicht, dass Roger Corman kurz darauf russische Sci-Fi-Filme einkaufte und sie etwas ummodelte. So durfte sich z. B. der junge Francis Ford Coppola an "Planet der Stürme" zu schaffen machen und den Film durch neu gedrehte Sequenzen etwas strecken. Auch "Begegnung im All" und "Der Himmel ruft" wurden fürs US-Publikum "angepasst".

7/10





Verflucht sollt ihr sein!

Die Folterkammer des Hexenjägers oder: Das Schloss des Grauens oder: Der Fall des Dexter Ward
("The Haunted Palace" USA 1963, Regie: Roger Corman)

Image Image

Im Jahre 1765 greifen die Bewohner des kleinen Neu-England-Städtchens Arkham zur Selbstjustiz, als erwiesen scheint, daß der geheimnisvolle Mr. Curwen Hexenkräfte anwendet, um junge Mädchen in sein Herrenhaus zu holen. Bevor er jedoch verbrannt wird, verflucht er noch sämtliche Einwohner der Stadt. 110 Jahre später kommt der Nachfahre Curwens, Charles Dexter Ward (Vincent Price), in die Stadt und sieht sich den Folgen des Fluchs ausgesetzt: Sämtliche Einwohner bringen ausschließlich Mißgeburten zur Welt. Und auch Curwens Geist ist noch nicht zur Ruhe gekommen und befällt den ahnungslosen Ward... (OFDb, leicht geändert)

Für mich ist dies der schwächste Beitrag von Cormans klassischer Grusel-Reihe. Diesmal wurden Motive von H. P. Lovecraft und E. A. Poe miteinander vermischt, wobei der Hauptteil aber von Lovecraft stammt. Mit dem Einsatz von Farbfiltern und verzerrter Optik hält sich Corman (im Vergleich zu den vorigen Werken) etwas zurück, aber keine Sorge - auch hier gibt es einige albtraumhafte, surreale Momente. Die Szene, in der Dexter Ward und seine Frau von den mißgebildeten Nachfahren in der Gasse bedrängt werden, hat schon was von "Die Nacht der lebenden Toten", der erst 5 Jahre später entstand. Ansonsten hängt die Geschichte leider etwas durch und bietet mMn zu wenig Spannung. Vincent Price spielt aber wie gewohnt souverän und mit Charme.

Die Tonspur der EMS-DVD ist an zwei Stellen (innerhalb der ersten 45 Min.) merklich asynchron (= ca. 3 EB zu früh). Titel der DVD/BD-Neuauflage (Black Hill): "Schloss des Grauens". Der asynchrone Ton wurde leider nicht korrigiert, außerdem wurden ein paar Extras (-die deutschen Vorspänne-) der EMS-DVD weggelassen. :x

6/10





Die bösen Streiche der Reichen.

Satanas - Schloss der blutigen Bestie oder: Die Maske des roten Todes
("Masque of the Red Death" GB/USA 1964, Regie: Roger Corman)

Image Image

Im dunklen Mittelalter läßt Prinz Prospero (Vincent Price), ein sadistischer und grausamer Despot und Satanist das Land ausbluten und quält die Bevökerung, während er in seinem Palast für seine "Freunde" rauschende Feste gibt. Eines Tages entführt er aus einem nahen Dorf die unschuldige Francesca (Jane Asher), sowie ihren Freund Gino (David Weston) und ihren Vater Ludovico. Prospero zwingt den Dreien ein satanisches Spiel auf: Einer der Männer muss sterben und Francesca soll entscheiden welcher der beiden - ihr eigener Vater, oder ihr Liebhaber. Den Anderen will Prospero wieder in eine trügerische Freiheit entlassen, denn vor den Toren des Schlosses wütet die Pest, der rote Tod. Prosperos Geliebte Juliana (Hazel Court) sieht in Francesca eine Rivalin. Um die Gunst ihres Liebhabers zu gewinnen, schließt sie einen geheimen Pakt mit dem Teufel. Während Prospero sich und seine Freunde vor der Welt und dem Tod versteckt, um einen gewaltigen Maskenball zu veranstalten, wartet vor den Toren ein Mönch in einer blutroten Kutte, der mehr über die Seuche zu wissen scheint... (OFDb, leicht geändert)

Mit diesem Film lieferte Roger Corman wohl den düstersten Film der Reihe ab. Vincent Price läuft in seiner Darstellung des sadistischen Prospero zu Höchstform auf und liefert hier schon mal einen Vorgeschmack auf seine grandiose Vorstellung in "Der Hexenjäger". Man muss diesen Prospero einfach hassen, aber es macht auch verdammt viel Spaß, der Darbietung von Vincent Price zuzuschauen. Die Gewaltdarstellungen sind für die Entstehungszeit relativ herbe ausgefallen. Wobei herbe nicht im Sinne von grafisch zu verstehen ist, sondern im Sinne von perfide.
Z. B. wenn Alfredo (Patrick Magee) brennend am Kronleuchter hängt, während sich alle darüber amüsieren.
Das "Spiel" mit den Messern (von denen eines vergiftet ist) dürfte manchen an die "Saw"-Filme erinnern. Optisch legt Corman noch einmal zu und hat offenbar einiges in neue Kulissen investiert. Außerdem ist in einer Szene sogar strahlend blauer Himmel zu sehen, quasi als Kontrast zur ansonsten besonders düsteren Geschichte. Für die (wie gewohnt) hervorragende Kameraarbeit zeichnet diesmal kein geringerer als Nicolas Roeg ("Wenn die Gondeln Trauer tragen") verantwortlich, der später noch eine eindrucksvolle Laufbahn als Filmemacher einschlug. Wunderbar auch der Soundtrack von David Lee, der besonders im Finale voll zur Geltung kommt. Für mich der stärkste Film der Reihe.

Auf DVD und BD fehlt eine kurze Einstellung (nach 03:41 Min.), die wiederum in der TV-Ausstrahlung (ZDF, 3sat, Premiere) enthalten ist. Mir lag (neben der DVD) noch eine Ausstrahlung von 3sat vor, die in hervorragender Qualität und in Scope ist.


8/10 (Tendenz nach oben)





Der Tod ist erst der Anfang.

Das Grab des Grauens oder: Das Grab der Lygeia
("The Tomb of Ligeia" GB/USA 1964, Regie: Roger Corman)

Image Image

Als er seine Frau Lygeia begraben muß, bleibt Verden Fell (Vincent Price) allein in seinem Anwesen, einer halb zerfallenen Abtei zurück. Seine Frau glaubte nämlich an ein Leben über den Tod hinaus und seit dem Tag des Begräbnisses folgt Verden Fell auf seinem Anwesen eine schwarze Katze. Einige Zeit später stolpert die junge Rowena Trevanion (Elizabeth Shepherd) praktisch wortwörtlich während einer Jagd über Lygeias Grab. Fell, der gerade zugegen ist, nimmt sie mit in sein Anwesen und versorgt ihre Verletzung. Rowena verliebt sich in den Arzt und tatsächlich heiraten die beiden schließlich, doch der Aufenthalt auf Fells Anwesen, das aus rechtlichen Gründen nicht verkauft werden kann, wird zu keinem Vergnügen. Fell verliert sich immer wieder in einer schlafwandelnden Trance, die Katze verhält sich Rowena gegenüber feindselig und es gibt Anzeichen dafür, daß Lygeias Geist Rowena beeinflußt. Aber stimmt das wirklich, denn als Fells Freund Christopher Gough (John Westbrook) mißtrauisch wird und Nachforschungen anstellt, erlebt er einige Überraschungen... (OFDb)

Im Gegensatz zu den vorigen Filmen, drehte Roger Corman (-auf Wunsch von Vincent Price-) diesmal auch in authentischen Locations. Und zwar in England (-u. A. in "Stonehenge"). Dadurch bekommt "Das Grab des Grauens" eine ganz andere optische Note, als seine Vorgänger. Zudem hat der Film mit Verden Fell eine starke und fascettenreiche Figur, die von Vincent Price mit voller Hingabe verkörpert wird. Price liefert hier m. E. die intensivste und beste Darstellung in der ganzen Filmreihe ab. Noch dazu liefert die Geschichte interessante und tiefgründige Denkanstöße über die Liebe und den Tod. Ein sehr gelungener und schöner Abschluss der E. A. Poe-Reihe!

8/10





Strandgut.

The Terror - Schloss des Schreckens oder: Die Dame aus dem Meer
("The Terror" USA 1963/90, Regie: Roger Corman, Francis Ford Coppola, Monte Hellman, Jack Hill, Jack Nicholson)

Image Image

André (Jack Nicholson) ist ein napoleonischer Offizier. Eines Tages verliebt er sich an der baltischen Küste in das schöne Mädchen Ilsa. Kurze Zeit später ist sie spurlos verschwunden. Auf der Suche nach ihr taucht er bald beim Schloss des Baron von Leppes (Boris Karloff) auf. Der erzählt ihm die düstere Geschichte seiner vermeintlich großen Liebe Ilsa, der seit 20 Jahren toten Schloßherrin - oder besser gesagt: Ihr Geist...

Kaum hatte Corman die Dreharbeiten zu "Der Rabe" abgeschlossen, begann er mit der Arbeit an "The Terror", der allerdings mit den E. A. Poe-Verfilmungen nicht wirklich etwas zu tun hat. Vielmehr wurden nur die Kulissen nochmal recycelt. Die Szenen mit Boris Karloff wurden in zwei Tagen abgedreht. Als Regisseure betätigten sich (neben Roger Corman) außerdem noch Francis Ford Coppola, Monte Hellman, Jack Hill und sogar Jack Nicholson, die hier Gelegenheit bekamen, ihre (noch unausgereiften) Fertigkeiten zu erproben. Jack Nicholson spielt hier noch recht hölzern und ausdruckslos, was aber wohl auch an dem verworrenen Script gelegen haben mag. Am Drehbuch wurschtelten gleich drei Autoren: Leo Gordon, Jack Hill und Roger Corman höchstpersönlich. Herausgekommen ist ein unausgegorener Film, der Anfang der 90er noch um zwei völlig überflüssige Szenen mit Dick Miller (-am Anfang und am Ende des Films-) auf 90 Min. gestreckt wurde. Zudem ist die deutsche Synchro (-gerade in den nachgedrehten Szenen-) eher mäßig, wenn auch nicht wirklich schlecht. Peter Bogdanovich verwendete übrigens Material aus "The Terror" als Film im Film in "Bewegliche Ziele" (1968).

Anfang der 90er lief dieser Film mal unter dem Titel "Die Dame aus dem Meer" im TV (-müsste ZDF gewesen sein). Ob es sich um dieselbe Fassung handelte, kann ich nicht mehr sagen. Die nachgedrehten Szenen (mit Dick Miller) sind mir jedenfalls erst auf DVD aufgefallen. :scratch_one-s_head: Das Bildformat der DVD ist Vollbild (1,33:1), wobei die nachgedrehten Szenen anscheinend so gehören. Der Film selbst wurde jedoch erst nachträglich auf 1,33:1 aufgeblasen, was z. T. auch negativ auffällt.

4/10

_________________
Image

PHOBOS (Trailer - deutsch)


THC statt TTIP!


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 12:48 
Offline
User avatar

Joined: 05.2011
Posts: 1188
Location: Arkham
Gender: Male
Sehr schön! :jc_doubleup:

Zwar schon ewig lange nicht mehr gesehen, aber früher mochte ich die sehr gerne. Liefen ja auch oft im Fernsehen, und da saß ich dann vor der Glotze oder habe sie auf Video aufgenommen und später geguckt. Lediglich mit The Terror wurde ich nie warm. Meine Favoriten sind, aus der Erinnerung heraus, Masque of the Red Death und The Haunted Palace.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 14:04 
Offline
User avatar

Joined: 03.2011
Posts: 885
Location: Köln
Gender: Male
Sehr schöne Auflistung.
Auch wenn ich den Benotungen nicht immer zustimmen würde
( durchschnittlich würde ich den jeweiligen Streifen mindestens
0,5 Punkte mehr zusprechen wollen ), hat es Spaß gemacht mal
wieder an diese Klassiker erinnert zu werden :231:


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 16:38 
Offline
User avatar

Joined: 05.2015
Posts: 1004
Gender: None specified
Auch von mir ein Dankeschön für die gelungene Vorstellung der Reihe.

Die Filme sollte man meiner Meinung nach getrennt - mit zumindest mehrwöchigen Pausen - ansehen. Gewisse Schwächen fallen dann nicht so sehr auf - z. B. die Verwendung von identischen Einstellungen. Aus meiner Erinnerung heraus gab es in diversen dieser Filme eine nächtliche, von Blitz und Donner umgebene Schloßsilhouette oder eine Brandung wurde hineingeschnitten. Unabhängig davon war eine Stärke dieser Streifen die sehr gute Arbeit von Kameramännern u. a. vom Schlage eines Nicolas Roeg.
Einige dieser Filme habe ich im Kino gesehen - dort gefielen sie mir noch besser.

Neben dem Erstlingswerk, welches objektiv gesehen nicht zu den stärksten der Reihe zählt, gefällt mir TOMB OF LYGEIA (8/10) am besten. THE TERROR ist der einzige schwache Film (4/10) in der Reihe.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 17:42 
Offline
User avatar

Joined: 11.2010
Posts: 2158
Gender: Male
Wirklich eine sehr schöne Beschreibung,Guilala
Die Streifen passen ausgezeichnet zum beginnenden Herbst und man bekommt richtig Lust,sich den ein oder anderen wieder mal anzuschauen ;)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 17:57 
Offline

Joined: 11.2010
Posts: 789
Location: Im schönen Frankenland / Bayern
Gender: Male
In die selbe Kerbe von der Machart der Filme schlägt z.B. auch noch die " RUHE SANFT GmbH "
Gucke mir die Filme schon immer einmal im Jahr an und bin immer noch riesig begeistert davon.

( "Terror" natürlich ausgeschlossen..... mieses Machwerk )

Mein Favorit übrigens " LEBENDIG BEGRABEN " wenn auch leider ohne Vincent.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 19:31 
Offline
User avatar

Joined: 03.2011
Posts: 885
Location: Köln
Gender: Male
Wobei Milland, den ich eigentlich nicht sonderlich mag, in "Lebendig...." schon einen verdammt guten Job macht.
Ich glaube das Price, der ja hier und da doch etwas zum
(genialen) overacting neigte, mit eben selbigem doch dem
Streifen eher geschadet hätte.
Die zurückhaltende Art und Weise wie Milland seine Rolle hier
interpretiert ist für mich gerade das beängstigende an der
ganzen Sache


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 20:12 
Offline
User avatar

Joined: 05.2015
Posts: 1004
Gender: None specified
trainspotting wrote:
Wobei Milland, den ich eigentlich nicht sonderlich mag, in "Lebendig...." schon einen verdammt guten Job macht.
Ich glaube das Price, der ja hier und da doch etwas zum
(genialen) overacting neigte, mit eben selbigem doch dem
Streifen eher geschadet hätte.
Die zurückhaltende Art und Weise wie Milland seine Rolle hier
interpretiert ist für mich gerade das beängstigende an der
ganzen Sache


Und wem die 9 Filme nicht ausreichen:

Die Jacques-Tourneur-Werke "Stadt im Meer"und der bereits erwähnte "Ruhe Sanft GmbH", beide mit Vincent Price, erinnern an die Corman-Streifen und "Lebendig begraben" paßt gut zu Cormans/Millands "Der Mann mit den Röntgenaugen".

Stimmt, Vincent neigte hier des öfteren zum Overacting und ist dennoch der entscheidende Grund, die Filme immer wieder einmal ansehen zu wollen.

Ray Miland hat ansonsten nicht nur bei Hitchcock, Wilder, Lang etc. einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 11.10.2015 20:49 
Offline
Moderator
User avatar

Joined: 06.2010
Posts: 10588
Location: Was Sie vorhin Hölle nannten, nennt er sein zu Hause.“
Gender: Male
Eine schöne Auflistung die mich auf die schönste Zeit des Jahres einstimmt. Schluss mit der endlosen Helligkeit. Der gelbe Ballon verpisst sich und Vinnie Price bittet zum düster, gruseligen Abendevent.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 12.10.2015 03:11 
Offline
User avatar

Joined: 05.2011
Posts: 1208
Gender: Male
Guilala wrote:
Ich bin nicht mit den Werken von Edgar Allen Poe und H. P. Lovecraft vertraut. Falls ich irgendwo falsch rechergiert haben sollte, möge man mich korrigieren. Nach allem, was ich so nachlesen konnte, hat Roger Corman den Geist dieser Werke wohl sehr gut eingefangen.


Ich schätze die Gruselfilme Cormans zwar sehr, aber mit den zugrundeliegenden Texten haben sie nur wenig zu tun. Es wurden oft nur ein paar eindrückliche Motive wie z. B. Grube und Pendel genommen, und dann häufig eine ganz andere Handlung drumrum gestrickt. Ich kann mich an "The Haunted Palace" zwar kaum erinnern, aber ich schätze mal, dass es sich hier ähnlich verhält, da Lovecraft mit seinen ungreifbaren Bedrohungen noch schwerer zu verfilmen ist.

_________________
Image
Higurashi no Naku Koro ni


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 12.10.2015 13:37 
Offline
User avatar

Joined: 01.2012
Posts: 285
Location: Point Dune
Gender: Male
Schön, dass diese Filme auf so viel positive Resonanz stoßen. :)

Es hat mir sehr viel Spaß bereitet, diese Filme mal chronologisch hintereinander zu schauen. Bisher habe ich immer nur einzelne davon in unregelmäßigen Abständen gesehen. "Das Grab der Lygeia" musste ich mir kurzfristig nachbestellen, der fehlte mir nämlich noch in der Sammlung. Das ist mir aber erst aufgefallen, als ich schon angefangen hatte, die Filmreihe zu schauen. :o

Die "Ruhe sanft GmbH" habe ich soeben nachgereicht. ;)

_________________
Image

PHOBOS (Trailer - deutsch)


THC statt TTIP!


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 12.10.2015 20:27 
Offline

Joined: 11.2010
Posts: 789
Location: Im schönen Frankenland / Bayern
Gender: Male
trainspotting wrote:
Wobei Milland, den ich eigentlich nicht sonderlich mag, in "Lebendig...." schon einen verdammt guten Job macht.
Ich glaube das Price, der ja hier und da doch etwas zum
(genialen) overacting neigte, mit eben selbigem doch dem
Streifen eher geschadet hätte.
Die zurückhaltende Art und Weise wie Milland seine Rolle hier
interpretiert ist für mich gerade das beängstigende an der
ganzen Sache


Bin da ganz deiner Meinung. Wäre trotzdem schön zu sehen wie er die Rolle gemeistert hätte.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 14.10.2015 14:55 
Offline

Joined: 03.2014
Posts: 397
Gender: None specified
Adalmar wrote:
Ich schätze die Gruselfilme Cormans zwar sehr, aber mit den zugrundeliegenden Texten haben sie nur wenig zu tun. Es wurden oft nur ein paar eindrückliche Motive wie z. B. Grube und Pendel genommen, und dann häufig eine ganz andere Handlung drumrum gestrickt.


Rein auf die Handlung bezogen ist das natürlich richtig, geht ja auch nicht anders, weil man aus den immer nur wenige Seiten gehenden Kurzgeschichten Poes (die manchmal auch gar keine Handlung im eigentlichen Sinne haben) keinen abenfüllenden Film machen kann. Auf die Essenz von Poes Texten bezogen, gehören die meisten Filme der Reihe trotzdem zu den besten "Bildwerdungen" von Poes Werk. Die Drehbuchautoren gingen da ja auch sehr geschickt vor, indem die Filmhandlung eigentlich immer mit für Poe typischen Motiven konstruiert wurde. Sogar auf den "Raben" trifft das zu, aber hier halt im parodistischen Sinne (was ja übrigens auch eine - zwar wenig bekannte - literarische Vorliebe von Poe selbst war).

Einige Filme sind aber sogar rein inhaltlich recht eng an der Vorlage: Die Verfluchten (hier wurde im prinzip nur die Romanze ergänzt), Schwarze Gesichten (enthält die Erzählungen/Episoden 1. "Morella"; 2. "Die schwarze Katze" - inhaltlich mit einer zweiten Erzählung verbunden: "Das Fass Amontillado"; 3. "Die Tatsachen im Fall Valdemar") und "Die Maske des roten Todes" (auch hier wurde die Handlung durch eine zweite Poe-Erzählung ergänzt: "Hop Frog"). "Das Grab der Lygeia" ist dagegen fast so eine Art "Best of" vieler wichtiger Poe-Motive.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 15.10.2015 21:06 
Offline
User avatar

Joined: 05.2015
Posts: 1004
Gender: None specified
Zwischen den ganzen hier erwähnten Streifen hat Roger Corman noch einen weiteren Horrorfilm mit Vincent Price inszeniert:
TOWER OF LONDON (Der Massenmörder von London, 1962).
Das Werk wurde in s/w gefilmt und beruft sich nicht auf E. A. Poe.
Diverse Szenen scheinen in den Kulissen der Farbfilme gedreht worden zu sein. Auch ein mitwirkender Rabe kam mir irgendwie bekannt vor.
Vincent Price foltert und mordet hier mit einer Hingabe, als wüsste er schon um den Erfolg seines späteren Hexenjägers.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Special: Die E. A. Poe-Verfilmungen von Roger Corman
PostPosted: 04.06.2019 07:05 
Offline
User avatar

Joined: 02.2016
Posts: 57
Gender: None specified
Wirklich eine sehr schöne Vorstellung von Guilala, auch wenn ich mit einigen Benotungen nicht ganz gleicher Meinung bin. So finde ich z.B. dass "The Haunted Palace" ein ausserordentlich gut gelungener Beitrag ist. Ich hatte vor ein paar Jahren auch mal eine Kritik geschrieben, zu der ich bis heute stehe und die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Die Folterkammer des Hexenjägers

Arkham, Massachusetts, 1756; der Hexenmeister Joseph Curwen (Vincent Price) ist im Besitz des Buches „Necronomicon“, welches geheime Formeln enthält um etwas Neues, Schreckliches zu erschaffen. Curwen ist besessen von dieser Idee und entführt immer wieder Dorfmädchen in seinen Palast, um sie mit künstlichem Samen zu befruchten und so eine neue Rasse zu schaffen. Die Dorfbewohner wollen diesem Treiben nicht mehr tatenlos zusehen, zerren ihn eines Nachts aus seinem Haus und verbrennen ihn. Doch bevor er stirbt verflucht er das Dorf auf alle Ewigkeit. Er schwört zurückzukehren und Rache an den Kindern und Kindeskindern der Bewohner zu nehmen……..110 Jahre später: Charles Dexter Ward (Vincent Price) kommt mit seiner Frau Ann (Debra Paget) nach Arkham. Er ist ein Ururenkel von Jospeh Curwen und hat dessen Besitz geerbt. Der Empfang der Dorfbewohner ist alles andere als freundlich, zumal Charles dem grausamen Curwen, dessen Fluch die Leute seit seinem Tode fürchten, täuschend ähnlich sieht. Trotzdem ziehen die Wards in den Palast ein. Schon bald beginnt sich Ward zu verändern. Er gerät immer mehr in den Bann des Geistes von Joseph Curwen, der nur auf diese Chance gewartet hat, endlich zurückkehren und grausame Rache üben zu können……

Was Hammer Films für Grossbritannien war, war A.I.P. für Amerika: ein Garant für stimmungsvolle, gut gemachte Horrorfilme. Sie machten sich in den 60er-Jahren vor allem einen Namen durch ihre Edgar Allan Poe-Adaptionen, die unter der Regie von Roger Corman entstanden. Auch das vorliegende Werk ist von Roger Corman, nur ist es dieses Mal eine Geschichte von H.P. Lovecraft, welcher dieser Film zugrunde liegt. A.I.P. wollte aber unbedingt den Namen Poe als Zugpferd haben, also nannte man den Film kurzerhand „The Haunted Palace“, nach einem Gedicht des grossen Meisters des Schreckens. Was wir zu sehen bekommen ist Gruselkino vom Feinsten. Dabei hält sich der Härtegrad in sehr engen Grenzen und beschränkt sich auf zwei Rache-Morde von Curwen. Doch die Kulissen des trostlosen Kaffs, des nebelverhangenen Friedhofs und des dunklen Palast-Gemäuers sind herrlich schaurig-kitschig. Die bedrohliche Atmosphäre ist allgegenwärtig. Dazu tragen neben der äusserst gelungenen Musik von Ronald Stein auch die Szenen bei, welche die missgestalteten Freaks des Dorfes zeigen. Sie sind die Erben des Fluchs, sie sind die Frucht des teuflischen Samens, welchen Joseph Curwen vor über 100 Jahren gesät hatte. Auch die Verwandlung vom liebevollen Charles Ward in den diabolischen Joseph Curwen ist sehr beindruckend anzuschauen.

Dies ist natürlich vor allem der Verdienst des grandiosen Vincent Price, welcher an seiner Doppelrolle sichtlich Spass gehabt hat. Hier konnte er zwei verschiedene Persönlichkeiten, alleine durch seine unvergleichliche Mimik, zum Leben erwecken. Auch Debra Paget macht einen hervorragenden Job. Sie ist die liebende Ehefrau, die zu ihrem Ehemann steht, auch wenn er sich immer abweisender verhält und zum unberechenbaren Wüstling wird. In einer kleineren Rolle als Hausverwalter Simon ist Lon Chaney Jr. zu sehen. Dieser hatte seinen grössten Erfolg im Jahre 1941 als Lawrence Stuart Talbot im Horror-Klassiker „Der Wolfsmensch“ gefeiert. Hier war er bereits von seiner Alkoholsucht gezeichnet.

Fazit: Grosses 60er-Jahre Schauerkino und absolutes Pflichtprogramm für Liebhaber des klassischen Gruselfilms. 8/10


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 15 posts ] 

All times are UTC + 1 hour [ DST ]


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker