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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 06.08.2011 12:39 
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Produktionsland: USA
Produktion: Richard Rubinstein
Erscheinungsjahr: 1977
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Michael Gornick
Schnitt: George A. Romero
Spezialeffekte: Tom Savini
Musik: Donald Rubinstein
Länge: ca. 95 Min
Freigabe: FSK 16
Darsteller: John Amplas, Lincoln Maazel, Christine Forrest, Elayne Nadeau, Tom Savini, Sarah Venable, Francine Middleton, Roger Caine, George A. Romero, James Roy, J. Clifford Forrest Jr., Robert Ogden


Martin zieht in das Haus seines Cousins Cuda ein. Cuda nimmt Martin nicht aus Nächstenliebe auf, sondern weil auf der Familie ein Fluch lastet, welcher ihn verpflichtet Martin zu beherbergen. Martins Neigung für Menschenblut, kann er auch in seinem neuen Heim nicht unterdrücken.

Man kann Romeros Film durchaus als schwieriges und intelligentes Kino bezeichnen. Hierbei spielt die Interpretation der Hauptfigur: Martin, eine ganz entscheidende Rolle. Der Zuschauer bekommt nach und nach Informationen zu Martins Herkunft, kann diese allerdings schwierig zuordnen, da der Charakter Martin alles andere, als einfach durchschaubar ist. Auf der einen Seite bietet man die Lösung, Martin sei bereits 84 Jahre alt (sieht aus wie Anfang 20) und ein Dämon. Auf der anderen Seite sieht man Martin als labil und psychisch krank, einer inneren Stimme folgend, seine Taten durchführen. Genaues kann man auch nach Ansicht des Films nicht sagen, da die gestellten Fragen auch weiterhin offen bleiben.

Der Film arbeitet mit einigen geschickt in Szene gesetzten Rückblenden, die auf Martins Vergangenheit hinweisen oder auch auf seine Phantasie. Dieses zu entscheiden obliegt dem Zuschauer. Diese in Schwarz/ Weiß dargestellten Szenarien, laufen parallel zu einer Situation in der Martin einem Drang nachgeht oder von seinem Cousin traktiert wird. Dieses wird recht stimmungsvoll umgesetzt und lässt ein gewisses, bedrückendes Gefühl auftreten. Daraus resultiert allerdings auch wieder die Frage, will Martin die Vergangenheit so sehen oder ist er durch Cuda zu diesen Visionen gezwungen worden?

Romero hat mit Night, Dawn und Day wirklich Großes geschaffen und Martin ist der Film, der den genannten in seiner Güteklasse folgt. Martin ist ein intelligenter, für Mainstreamkonsumenten ungeeigneter und zugleich paradoxer Film, der ein, für Experimente offenes Publikum, durchaus begeistern kann.


8,5/10

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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 18.08.2011 19:32 
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Ich würde mich als offen für jeden scheiss bezeichnen :D Aber der Film hier war ja nur gähnend Langweilig. Wollte bei mir nicht Funktionieren, konnte zu keiner Sekunde in den Film eintauchen..
War mal ein Geburtstagsgeschenk der Film 8-)

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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 18.08.2011 20:02 
NIGHT, DAWN, DAY, CRAZIES und MARTIN sind die Romero Filme schlechthin.

MARTIN bekommt von mir eine 9/10


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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 28.03.2012 15:08 
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Martin


Martin ist ein nicht ganz alltäglicher Heranwachsender. Er hat nämlich ein äußerst seltsames Hobby. Er überfällt Frauen, betäubt sie und hat mit ihnen Sex, während sie im Narkoseschlaf liegen. Allerdings ist das nicht der Hauptgrund für seine Taten. Er möchte nämlich ihr Blut trinken, ohne ihnen dabei Schmerzen zu verursachen. Eigentlich ist er also ein ganz lieber Junge. Ein wenig schüchtern, aber auf irgendeine Art und Weise auch gutherzig.
Nur dieses eine Laster ist eben nicht unbedingt unterstützenswert. Das meint auch sein Onkel, bei dem er wohnt. Er ist davon überzeugt das es sich bei ihm um einen alten Familienfluch handelt und Martin ein waschechter Vampir ist. Dies lässt der strenggläubige alte Herr ihn auch jederzeit spüren.

George A. Romero dreht einen Vampirfilm? Die Blutfraktion hatte sich schon gierig die Hände gerieben und wurde komplett enttäuscht. Das was sich hier auch in meiner Beschreibung ziemlich reißerisch anhört, ist nämlich eher ein unglaublich geniales Außenseiterdrama. Natürlich gibt es auch die ein oder andere Bluteinlage, aber die sind niemals Selbstzweckhaft oder gar auf Splatter und Gore getrimmt. Sie sind eher normal in Martin`s Leben und eben auch in dieser Art inszeniert. Dabei stellt Romero aber auch wieder viele Fragen. Ist Martin wirklich ein Vampir oder ein dazu gemachtes Produkt seiner Umwelt?
Er selbst sagt das er 84 Jahre alt ist und in schwarz/weiß Bildern werden immer wieder Erinnerungen an längst vergangene Zeiten eingestreut. Sind es aber vielleicht gar keine Erinnerungen?

Dabei nimmt Romero die klassischen Merkmale eines Vampirs gehörig aufs Korn und weist sie in die Fabelwelt zurück. Tricks mit Kruzifixen oder Knoblauch funktionieren nämlich nicht. Ein Spiegelbild hat Martin auch.
Deshalb fragt der Regisseur auch weiter und räumt Gedankenspiele ein, ob die Möglichkeit besteht aus einem normalen Menschen ein Monster zu erschaffen.

"Martin" hatte mich schon bei der Erstsichtung absolut fasziniert. Man merkt dem Film natürlich an, das es eine kleine Independent Produktion ist, aber genau hierin liegt auch der große Vorteil.
Stilistisch wäre jede andere Herangehensweise wohl schief gegangen. Die kargen Bilder, einer sich auf dem absteigenden Ast befindlichen Kleinstadt in der Nähe von Pittsburgh, geben den perfekten Hintergrund für die eher traurige Stimmung im Film ab. Die Filmcrew selbst bestand nur aus 15 Leuten und gedreht wurde in der Wohnung eines befreundeten Paares. Das Catering übernahm die Dame des Hauses, was Romero als das beste Essen am Set bezeichnete. Die komplette Crew war untereinander auch eher befreundet, was man dem Film auch anmerkt. Er ist sehr homogen und in sich geschlossen. Romero selbst bezeichnet ihn sogar als seinen Lieblingsfilm, der für ihn am persönlichsten ist.

Zudem war es auch die erste Zusammenarbeit mit Tom Savini, der eigentlich eher als Darsteller angeheuert wurde, aber irgendwann dann auch die Special Effects am Film beisteuerte. Ein Gebiet auf dem er letztendlich seine Bestimmung gefunden hat. Einen großen Fang hat man auch mit Hauptdarsteller John Amplas gemacht. Er verkörpert Martin unglaublich perfekt und man nimmt ihm die Rolle zu jeder Zeit ab. Einen Besseren hätte Romero da absolut nicht finden können. Auch musikalisch ist der Film unglaublich gut vertont. Seien es die kleineren Melodien die das Geschehen untermalen oder die seltsamen Töne die Martin begleiten. Noch dazu die ständigen "Martin" Rufe die mit Hall unterlegt wurden. Hier sei noch die kleine Abschweifung zur britischen Band Soft Cell gestattet, die "Martin" kongenial vertonten. Sie nahmen einiges aus dem Score, bauten es in ihren Song ein, während der Text sich mit dem Film befasst. Unter anderem auch die bereits erwähnten "Martin" Rufe, die fast zu einer Anfeuerung (Martin Kill!) mutieren.

Der Film ist aber trotz meiner Lobeshymnen nur einem kleinen Kreis von Zuschauern zu empfehlen. Man sollte in jedem Fall ein wenig aufgeschlossen für "das Andere" sein, da er mit normalen Filmkonventionen oder gar dem Mainstream nichts gemeinsam hat. Popcorn und Actionfans sollten ihn deshalb auch weiterhin im Regal stehen lassen.


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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 28.03.2012 17:25 
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Sollte ich mir auch nochmal reintun.

Hab den tatsächlich das erste mal im Free-TV erwischt, damals ohne Werbung auf Pro7 spät nachts und fand ihn überraschenderweise richtig gut.

Der etwas andere Vampirfilm - würd ich sagen. In der Tat nicht jedermanns Tasse Tee...

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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 28.03.2012 18:50 
Klasse Film! Mal was ganz anderes.


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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 28.03.2012 19:59 
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Mein erster Kontakt mit dem Film war eine 16er Lichttonkopie Ende der 80er Jahre während einer illegalen Party in einem ausrangierten Lokschuppen auf einem Bahngelände. Zur Einstimmung wurde mit einem verhältnismäßig lichtschwachen, alten Bell & Howell nach Anbruch der Dunkelheit der Film projeziert. Die Stimmung war irgendwie ganz außergewöhnlich: Während zwar weit und breit kein menschenbewohntes Gebäude zu verzeichnen war, so versammelte sich die Zuschauergruppe (~ 50), die schon eher aufgetaucht war, um sich den Film anzusehen in der Mitte der Halle vor vier zusammengenähten, provisorisch aufgehängten Bettlaken, um Romeros faszinierende Geschichtenerzählung einer scheiternden Randgruppenexistenz gewahr zu werden. Was für ein Erlebnis! Ich bekam den Film tagelang nicht mehr aus dem Gedächtnis. Die ausgeblichenen Farben der Filmkopie unterstrichen die Tristesse einer oberflächlich funktionellen Gesellschaft, in der Martin triebhaft, schüchtern, gleichsam jedoch - beinahe möchte man sagen unschuldig - seine Opfer sucht. Das tragische Scheitern seiner Existenz stimmt mich heute noch immer wieder erneut traurig, wenn ich den Film anschaue.
Ein minimalistisch höchst anziehendes, immer noch schwer zeitgemäßes Sinnbild auf unsere bis zum Exzess durchstrukturierte, in pervertierten Rationaliäten banaliserende Gegenwart.

Gruß, G.


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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 29.03.2012 13:20 
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Ich bin doch verwundert wie viele Fans der Film anscheinend doch besitzt. Wenn ich früher jemandem begegnet bin, der ihn gesehen hat, fand er ihn meistens ziemlich schlecht.


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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 29.03.2012 13:46 
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deadlyfriend wrote:
Ich bin doch verwundert wie viele Fans der Film anscheinend doch besitzt. Wenn ich früher jemandem begegnet bin, der ihn gesehen hat, fand er ihn meistens ziemlich schlecht.


Lag an den Erwartungen. Romero war früher für die Leute: Night, Dawn, Day. Daran haben sie gemessen, sowas haben sie immer erwartet.

Martin ist ein hervorragender Film, aber auch ein etwas anderer Film. Ein Film der für Viele nicht zugänglich ist.

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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 29.03.2012 13:53 
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Fand ihn auch ziemlich gut. Nach dem ersten Sichtung dachte ich, ich würde ihn schnell wieder vergessen, aber irgendwie haben sich Atmo, Ästhetik und "Psychologie" des Films doch so eingebrannt, dass ich häufig bei anderen Filme spontan an "Martin" denken muss (zuletzt etwa bei "Clean, Shaven" an einigen Stellen)... gutes Zeichen das ist!

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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 31.03.2012 21:34 
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Ich halte "Martin" schon fast für den besten Romero!

Ein Horror-Drama, das mehr Drama ist als Horror findet man selten.


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 Post subject: Re: MARTIN - George A. Romero
PostPosted: 02.04.2012 12:03 
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Mr. Vai wrote:
Ich halte "Martin" schon fast für den besten Romero!


Als absoluter "Dawn" Fan würde ich das jetzt persönlich nicht unterschreiben, aber ich finde auch das die Filme schwer untereinander vergleichbar sind. In jedem Fall mag ich "Martin" unheimlich gerne. Ich konnte allerdings auch dem oft gescholtenen "Bruiser" eine Menge abgewinnen.


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