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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: SCHOCK - Alfred Werker
PostPosted: 19.05.2019 09:07 
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"Schock!" (Shock) (USA 1946)
mit: Vincent Price, Lynn Bari, Frank Latimore, Anabel Shaw, Michael Dunne, Renee Carson, Reed Hadley, Charles Trowbridge, Robert Adler, Harry Carter, Selmer Jackson, Margaret Brayton, John Davidson, Claire Richards, Pierre Watkin u.a. | Drehbuch: Eugene Ling nach einer Geschichte von Albert de Mond | Regie: Alfred Werker

Belmont Arms, San Francisco: Die junge Janet Stewart mietet sich in dem Hotel ein, um dort auf die Ankunft ihres Ehemanns Paul zu warten. Leutnant Stewart hat seine Frau durch seinen Kriegseinsatz lange nicht gesehen. Da sich sein Flugzeug um zwölf Stunden verspätet, wird die Geduld seiner Frau erneut strapaziert. Als sie in der Nacht auf die Veranda ihres Zimmers tritt, beobachtet sie einen Streit im Haus gegenüber. Ein Mann erschlägt seine Frau mit einem Kerzenleuchter. Janet erleidet einen schweren Schock und wird von ihrem Mann bei dessen Rückkehr in die Obhut des Psychiaters Richard Cross übergeben. Was er nicht weiß: Dr. Cross ist der Mörder und findet bald heraus, dass Janet Zeugin seines Verbrechens wurde....

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"Als Schock bezeichnet man die heftige seelische Reaktion (z.B. Erstarrung, Erregung) auf ein plötzliches, überwältigendes Ereignis." (Brockhaus) - Die Themen Isolation und Einsamkeit werden in diesem düsteren Thriller durch die subtile Zeichnung der Figuren explizit betont. Im Mittelpunkt dieser Situation, welche die Personen angreifbar macht, steht Janet Stewart (Anabel Shaw), deren Verzweiflung aus der Ungewissheit über den Verbleib ihres Mannes resultiert. Dadurch ist sie von Beginn an geschwächt und empfänglich für negative Ereignisse, da sie diese unbewusst vorwegnimmt. Ihre Alpträume ebnen den Weg für die Hilflosigkeit, mit der sie auf den Mord im Haus gegenüber reagiert. Die Konfrontation mit der realen Gewalt, die sie als Zuschauerin erlebt, betont die Sensibilität dieser Frau, deren Existenz von ihrer Liebe zu Paul dominiert wird. Ihre indirekte Gegenspielerin ist Schwester Jordan (Lynn Bari), deren Willenskraft bereits zur Beseitigung ihrer Rivalin Mrs. Cross geführt hat. Ihr Einfluss auf Richard Cross ist beachtlich und hat aus dem kompetenten Arzt einen Zerrissenen gemacht, dessen Überlegungen zwischen der skrupellosen Selbstsucht seiner Geliebten und seinem (auch durch den hippokratischen Eid bedingten) Gewissen hin- und herpendeln. Ein beliebtes Sujet des Psychothrillers ist die Annahme, dass einem Arzt besonders viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen, einen unliebsamen Gegner zu beseitigen. Durch seinen Zugang zu lebenserhaltenden, aber auch lebensvernichtenden Mitteln, erhebt er sich zum Herr über Leben und Tod und stellt somit für seine Patienten Rettung oder Gefahr dar. Ein Sanatorium als Gefängnis für Widersacher und Brutstätte von Verbrechen gehört auch bei prominenten Kollegen wie Dr. Mabuse zum guten Ton. Vincent Price, dessen maliziöser Charme sich in den Vierziger Jahren noch in distinguierten Bahnen bewegt, überzeugt als Dr. Richard Cross, der mit sich selbst um die Sinnhaftigkeit seines Tuns ringt. Statt ihn als kaltblütigen Mörder darzustellen, verleiht er seiner Figur Nachdenklichkeit, Gewissenskonflikte und Selbstreflexion. Sein Mienenspiel verrät die Zweifel ob der Richtigkeit seiner Handlungen, die durch seine Geliebte angefeuert wurden. Statt als dämonischer Schrecken zu agieren, hält sich der charismatische Schauspieler in seinen frühen Filmen mit Aktivismus zurück und bedient die feinen Töne. Die Unberechenbarkeit seines Geistes resultiert nicht aus dem in späteren Produktionen gern beschworenen Wahn, sondern aus der Introvertiertheit einer kultivierten Unnahbarkeit.

Fazit: Mit rund 70 Minuten präsentiert sich "Schock" als kurzweilige Lektion in psychologischem Nervenkitzel, der die Bedrohung der Heldin freilich gern intensiver gestalten hätte können. Um das Publikum zufriedenzustellen, bedient sich der Film auch aus der Requisite des klassischen Horrorfilms (Stichwort: Frankenstein-Verschnitt), bleibt jedoch größtenteils auf dem Terrain eines Kriminalfilms solider Machart.


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