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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE GNADENLOSEN VIER - Herbert Coleman
PostPosted: 01.07.2018 14:56 
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DIE GNADENLOSEN VIER
Originaltitel: POSSE FROM HELL
USA 1960/61
Regie: Herbert Coleman
Darsteller:
Audie Murphy,
John Saxon,
Zohra Lampert,
Vic Morrow,
Lee Van Cleef

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In der kleinen Stadt Paradise rauben vier entflohene Verbrecher die Bank aus, außerdem wird eine weibliche Geisel mit auf die Flucht genommen; denn verfolgt wird die Bande vom Einzelgänger Banner Cole (Murphy – der Regisseur heißt Cole[man]), der zusammen mit weiteren Bürgern eine Posse zusammenstellt, um die Verfolgung aufzunehmen…

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Der deutsche Verleihtitel DIE GNADENLOSEN VIER trifft die Werkintention leider nur sehr unzureichend. Bereits während der Titeleinblendung brennt im Hintergrund ein infernales Feuer, welches auf Schuld und Sühne verweist und damit dem Originaltitel POSSE FROM HELL eine adäquate Folie bietet. Insofern ist „Paradise“, der Ort, an dem das Geschehen beginnt, natürlich auch ein sprechender Name, der auf das heilsgeschichtliche Paradies referiert (dahingehend, nach dieser Logik, könnten die vier in die Stadt reitenden Gnadenlosen die vier apokalyptischen Reiter sein). In diesem vermeintlich friedlichen Ort tritt mit der Ankunft der vier Gnadenlosen sodann der Sündenfall ein. Denn diese richten dort ein blutrünstiges Massaker an – mehr aus Sadismus heraus, als aus pragmatischem Bemühen, um schnell an das Geld zu kommen. Im Augenblick des realen Schreckens bekommen die Bewohner ihre Binde der Ignoranz von den Augen heruntergerissen (filmisch schön als Metapher durch den Binde-tragenden Jungen am Anfang dargestellt) und müssen sich nun der Wahrheit stellen. Diese Wahrheit, die auf der biblisch moralischen Symbolebene des Films, einem Schmecken vom Baum der Erkenntnis gleichkommt, führt dazu, dass sie sich ihre eigene Feigheit, ihren falschen Schein, der ein anderes Sein verdeckt, eingestehen müssen. Dies fängt schon damit an, dass Cole kaum Leute für die Verfolgung zusammenbekommt. Aber auch der Einzelgänger Cole ist überhaupt nur in die Situation des Verfolgers gebracht worden, weil er eine alte Schuld, die im Film nicht weiter diskutiert wird, gegenüber dem getöteten Sheriff zu begleichen hat. Die wenigen Leute, die dennoch mit Cole reiten, scheinen dies aus den falschen Gründen zu tun. Weniger geht es darum, die entführte junge Frau zu befreien und das Geld wieder an sich zu bringen, als dass egoistische Gründe im Vordergrund stehen. So will der Bruder eines Getöteten den Schein auf Rache wahren; ein alter Soldat will sich noch einmal sein militärisches Können beweisen; wobei ein junger Dandy-artiger Bankangestellter (Saxon) seinem Chef seine Furchtlosigkeit zu demonstrieren gedenkt. Diese Diskrepanz zwischen vorgeschobenen Motiven und den wahren generiert dann auch eine Konfliktkette, die während der Verfolgungsjagd im Film hervorgekehrt wird…

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Aufgrund seines Schuld-beladenen Themas ist POSSE FROM HELL recht düster inszeniert; tiefe Brauntöne dominieren die Farbtextur des Films und evozieren bereits unterschwellig das Schuldmotiv. Hierbei wäre die Herausstellung der entführten jungen Frau interessant, die sich nach ihrer Vergewaltigung durch die Bande schuldig fühlt, was Cole so kommentiert, dass sie für ihn weiterhin unschuldig sei; die Szene, in der die Entführte ihre Schuld durch ein Bad – vor den Augen Coles – abwaschen will, ist denn auch eine sehr eindrucksvolle. POSSE FROM HELL bietet insofern also mehr als nur die gängigen Standardsituationen des Genres; seine Figuren nimmt der Film durchaus ernst und verleiht ihnen Tiefe. Der Schluss, bei dem dann auch der Junge seine Binde verloren hat, ist für meinen Geschmack dann doch etwas zu pathetisch in seiner moralischen Betrachtung ausgefallen, vor allem: was den inneren Monolog Coles angeht. Trotzdem möchte ich POSSE FROM HELL ausdrücklich als einen kleinen B-Western empfehlen, der sich nicht nur auf wilde Schießereien konzentriert, sondern durchaus komplexe Handlungsmotivationen darzustellen vermag…

(Bildquelle: imdb.com)

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 Post subject: Re: DIE GNADENLOSEN VIER - Herbert Coleman
PostPosted: 01.07.2018 19:14 
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Ich kenne keinen Western-Fan, der nicht von diesem Film schwärmt.
Auch ich selbst finde, dass er genau das bietet, was diese unterschätzten B-Western ausmacht.
Eine durchgängige Spannung, gut gezeichnete Charaktere, frische Schauspieler (in diesem Fall z.B. John Saxon, dessen Figur auch sehr humorvoll ist oder Rudy Acosta, der hier für einmal eine größere Rolle bei den Guten spielt).
Die Eingangssequenz mit Vic Morrow als eine Art Marlon Brando ist auch sehr beeindruckend.

Bei den Bildern, die Howard Vernon hier eingestellt hat, fällt auf, wie sehr die Werbung auf das Team Murphy/Saxon zählt. John Saxon hatte aber dann nicht die Karriere, obwohl man ihn weiterhin oft und gern - auch in Western ("Sinola" oder "The Appaloosa" mit dem richtigen Brando) - gesehen hat.


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 Post subject: Re: DIE GNADENLOSEN VIER - Herbert Coleman
PostPosted: 01.07.2018 20:55 
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Pacer Burton wrote:
Ich kenne keinen Western-Fan, der nicht von diesem Film schwärmt.
Auch ich selbst finde, dass er genau das bietet, was diese unterschätzten B-Western ausmacht.
Eine durchgängige Spannung, gut gezeichnete Charaktere, frische Schauspieler (in diesem Fall z.B. John Saxon, dessen Figur auch sehr humorvoll ist [...]).



Der Film war bei mir - bedingt durch die neue Blu Ray - eine Erstsichtung und mir hat er wirklich durchgängig sehr gut gefallen; trotz der zumeist eher "dunklen" Stimmung gibt es aber doch eine sehr humorvolle Szene: als nämlich die Figur Saxons von Murphys Charakter den Podex mit Whiskey (!) eingerieben bekommt, da dieser völlig durchgeritten (Subtext?) war...


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 Post subject: Re: DIE GNADENLOSEN VIER - Herbert Coleman
PostPosted: 01.07.2018 21:17 
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Pacer Burton wrote:

Bei den Bildern [...] fällt auf, wie sehr die Werbung auf das Team Murphy/Saxon zählt. John Saxon hatte aber dann nicht die Karriere, obwohl man ihn weiterhin oft und gern - auch in Western ("Sinola" oder "The Appaloosa" mit dem richtigen Brando) - gesehen hat.


Beim obigen Kinoplakat scheint Saxon dann sogar die bessere Position zu besitzen; einmal positioniert sich Saxon fast auf der Mittelsenkrechten, und darüber hinaus ist er räumlich vor Murphy gerückt, der dahinter auf dem Boden kniet...


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 Post subject: Re: DIE GNADENLOSEN VIER - Herbert Coleman
PostPosted: 27.02.2019 00:57 
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Leider macht Wiedersehen nicht immer Freude.
Ich hatte diesen Film ganz positiv in Erinnerung, trotz des wie so oft fehlbesetzten Murphy und der eher mittelmäßigen Regie, aber leider hat Posse From Hell noch wesentlich mehr Probleme. Die Charaktere sind fast durchweg schwach gezeichnet, und die moralisierenden und steifen Dialoge, die ziemlich oft nach einem Lebenshilferatgeber klingen, sind genau das was ein IW normalerweise nicht machen würde. Lediglich die knackige Action und die recht atmosphärische Photographie stechen da noch positiv hervor. Die Baddies sind anfangs noch sehr stark, aber später läßt der Film sie etwas zu leichtfertig im Stich.
5/10 trotzdem noch, wahrscheinlich nur weil ich früher mal Spaß dran hatte.

Die spannende Frage warum Murphy in seinen Western stets die blödesten Kostüme tragen muß, die wird leider auch hier nicht beantwortet ...

Ich denke das ist genau die Art von Western die Leone und co gerne als Basis nahmen: die Gewalt behalten und ausbauen und den sentimentalen Stuß wegschmeißen, schwupps ist der IW fertig.


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 Post subject: Re: DIE GNADENLOSEN VIER - Herbert Coleman
PostPosted: 26.07.2019 21:25 
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Für mich eine der stärksten Murphy Spätwerke.
Ungewohnt düstere Atmosphäre, teilweise mit unangenehmen
Tiefgang ( für die Entstehungszeit schon ziemlich ungewöhnlich )
und Murphys Rolle mal völlig gegen das übliche Image angelegt.
Starker B-Western und überaus empfehlenswert.


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