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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 09.05.2011 23:47 
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Cover des Schubers


Das Geheimnis des gelben Grabes (Italien, Deutschland, Jugoslawien 1972, Originaltitel: L'etrusco uccide ancora)

Blutrote Schuhe

Der amerikanische Archäologe Jason Porter (Alex Cord) erforscht in Italien antike Grabstätten der Etrusker. Noch immer hängt er der gescheiterten Beziehung zu Myra Shelton (Samantha Eggar) nach, die inzwischen mit dem alternden Dirigenten Nikos Samarakis (John Marley) Tisch und Bett teilt. Porter lebt während seines Forschungsaufenthalts in Samarakis Anwesen, die Atmosphäre ist verständlicherweise aufgeladen. Eine besonders aufwendig verzierte Grabkammer fasziniert den Forscher, doch bald sollen grausige Ereignisse das Szenario überschatten. Auf dem Gelände der Ausgrabungen findet man ein getötetes Liebespaar vor, die jungen Leute wurden von ihrem Mörder äusserst grausam zugerichtet. Der leitende Ermittler Inspektor Giuranna (Enzo Tarascio) steht vor einem Rätsel. Zunächst scheint der Choreograph Stephen (Horst Frank) verdächtig, doch nach einer Vernehmung wird er wieder auf freien Fuß gesetzt. Die schreckliche Bluttat soll jedoch erst der Anfang einer bizarren Mordserie sein. Wenig später entgeht Igor Samarakis (Carlo De Mejo), der Sohn von Nikos Samarakis, nur knapp dem Tod, während seine Freundin die erneute Attacke des Killers nicht überlebt. Stets lässt der Mörder ein Paar rote Damenschuhe zurück, was die Lösung des Rätsels nicht unbedingt vereinfacht. Inspektor Giuranna fühlt Jason Porter auf den Zahn, denn der Archäologe ist nicht nur stark alkoholabhängig, er scheint auch ab und an die Kontrolle über sich zu verlieren...

Dieser schöne und unterhaltsame Giallo wurde von Armando Crispino inszeniert, in Deutschland wurde der Film unter dem Banner "Bryan Edgar Wallace" vermarktet. Ganz passend erscheint diese Maßnahme nicht, denn der Streifen ist durch und durch ein Kind des italienischen Genrekinos. Da der deutsche Produzent Artur Brauner jedoch seine Finger im Spiel hatte, ist die hierzulande vorgenommene Einordnung in das "Wallace-Universum" durchaus nachvollziehbar. Mit weiteren Gialli wurde ähnlich verfahren, als Beispiel bietet sich der Klassiker "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" (L'uccello dalle piume di cristallo, 1969) von Dario Argento an. Selbst der Platzhirsch Rialto Film setze während der späten Wallace-Phase auf die Italiener. So gelang mit dem grandiosen "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" (Cosa avete fatto a Solange?, 1972), welcher unter der Regie von Massimo Dallamano entstand, gar mein Liebling aller Wallace-Filme.

"Das Geheimnis des gelben Grabes" ist stark besetzt, stilvoll inszeniert und vor allem wunderschön fotographiert. Die Kamera wurde von Erico Menczer bedient, der bei "Die neunschwänzige Katze" (Il gatto a nove code, 1971) mit Dario Argento zusammenarbeitete, ergo verwundert das herrliche Ergebnis nicht. Die prächtige Landschaft, dazu faszinierende Kulissen wie die etruskische Nekropole, zusätzlich das malerische Spoleto, perfekt von einem echten Könner mit untrügbarem Gespür eingefangen. Nicht zu vergessen der sehr stimmungsvolle Score von Riz Ortolani, der zu jeder Zeit den perfekten Ton trifft. Armando Crispino setzt auf ein angenehm gemäßigtes Erzähltempo. Zwar haut man dem Zuschauer recht flott den ersten Doppelmord um die Ohren, doch im weiteren Verlauf legt der Film Wert auf die Beziehung der zentralen Figuren zueinander. Dabei steht weniger eine besonders tiefschürfende Zeichung der Charaktere im Vordergrund, sondern vielmehr das ständig aufgeladene Wechselspiel der Figuren. Zerstörte Liebe, verletzte Eitelkeiten, Verlangen und Begehren. Anfangs wird eine Prise Grusel eingestreut, denn in der Grabkammer wird die Darstellung eines etruskischen Dämon gefunden. Haben hier etwa finstere Mächte ihre untoten Knochenfinger im Spiel? Naja, diese Finte lässt sich leicht entlarven, oder hegen antike Unholde neuerdings eine Vorliebe für rote Damenschuhe? Vermutlich nicht, daher wendet der Zuschauer sich den geschickt gestreuten Verdachtsmomenten zu, die in der realen Welt beheimatet sind. Steckt vielleicht tatsächlich Jason Porter hinter den Morden? Hat ihn die Alkoholsucht in den Wahnsinn getrieben? Welche Rolle spielt der tuntige Stephen, dem man nicht so recht über den Weg trauen mag? Vielleicht treibt ein widerwärtiger Wächter sein Unwesen, der gern Insekten verbrennt und sich als Erpresser versucht? Im packenden Finale fällt die Maske, doch ich schweige wie ein Grab (Ach was...).

Alex Cord gefällt mir als aufbrausender Archäologe sehr gut, besser hätte man die Rolle kaum besetzen können. Mir ist sein Jason Porter durchaus sympathisch, vielleicht gerade wegen der offenkundigen Schwächen, vor allem wegen seiner brennenden Leidenschaft, die nicht nur seinem Beruf und dem Suff gilt. John Marley stellt gewissermaßen den Gegenspieler der Hauptfigur dar, beide buhlen um die Zuneigung einer schönen Frau. Marley spielt den verschrobenen Künstler -der seine besten Jahre längst hinter sich hat- ganz großartig. Wie Alex Cord steht er ständig unter Strom, zwei Vulkane am Rande der totalen Explosion, immer wieder kommt es kleinen und mittelschweren Ausbrüchen. Dazwischen die damals sehr attraktive Samantha Eggar, die grösste Mühe hat nicht im Mahlstrom der Gefühle aufgerieben zu werden. Nicht minder phantastisch Horst Frank, der als homosexuelles Tanzmäuschen für manchen Schmunzler sorgt, dabei aber nicht zur debilen Knallschote verkommt. Enzo Tarascio steht als beharrlicher Ermittler auf dem Plan, seine Rolle ist etwas unscheinbarer angelegt, doch er kann sich in diesem Fegefeuer der Begierden recht souverän behaupten. Carlo De Mejo wirkt im Gegensatz zu seinem Filmvater eher unscheinbar, Nadja Tiller glänzt in einer Nebenrolle, auf die ich wegen akuter Spoilergefahr nicht näher eingehen kann. Damit sind die wichtigsten Rollen kurz angerissen, die weiteren Nebendarsteller fügen sich ansprechend in das Gesamtbild ein.

Wer von einem Giallo immer nur schwarze Handschuhe, Rasiermesser und blanke Brüste erwartet, Killer die sich durch stylische Großstadtwohnungen metzeln, der wird sich mit "Das Geheimnis des gelben Grabes" vermutlich nicht auf Anhieb anfreunden können. Doch es lohnt sich wirklich ganz genau hinzusehen, denn man wird mit einem sehr schönen und ansprechend inszenierten Genrebeitrag belohnt!

Dank der DVD-Box von Universum Film, kann man sich den Ausflug nach Spoleto zum fairen Preis ins Haus holen. Das Set enthält ferner folgende Titel:

• Der Todesrächer von Soho
• Das Geheimniss der schwarzen Handschuhe


Von mir erhält die Box eine klare Empfehlung, doch ich will die (leider) vorhandenen Schwachpunkte nicht unterschlagen. "Das Geheimis der schwarzen Handschuhe" liegt nur in der gekürzten Fassung vor, wer die deutsche Synchronisation nicht benötigt, sollte sich zusätzlich die Blu-ray von Blue Underground beschaffen. "Das Geheimnis des gelben Grabes" erfreut mit einer ordentlichen Bildqualität, zusätzlich liegt der Film in der deutschen Kinofassung und der italienischen Langfassung vor. Beide Versionen sind gut und sehenswert, allerdings hat man bei der Langversion die damals nicht synchronisierten Szenen nicht untertitelt. Ein ärgerlicher Schnitzer, doch letztlich kann man gut mit der DVD leben.

Für Giallo-Fans sowieso Pflicht, jedoch auch für aufgeschlossene Einsteiger eine klare Empfehlung!

7,5/10 (Gut bis sehr gut)

Lieblingszitat:

"Es ist wirklich nicht meine Spezialität, mich in die Lage eines Mörders zu versetzen."

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 11.05.2011 11:24 
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Ach, der Blap hat viel Zeit!

Viel Zeit, Filme zu schauen.

Und noch mehr Zeit, die netten Filmbesprechungen zu schreiben :)

Der Filme hatte mir bei der ersten Sichtung vor Jahren, als die Box rauskam, gar nicht gefallen. Vielleicht lag's an der Rolle vom guten Horst, vielleicht auch an der gekürzten deutschen Fassung, ich weiß es nicht.

Jedenfalls hab' ich jetzt dank deines Kommentares nochmal richtig Lust auf den Film bekommen ...
... und spare obendrein noch Geld, weil ich mir nicht eine neue DVD zum Glotzen anschaffen muss :D


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 11.05.2011 12:10 
Der Film ist nicht schlecht aber auch nicht besonders toll. Eher so Mittendrin.

Nadja Tiller finde ich übrigens immer echt übel. Horrorfrau.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 12.05.2011 13:32 
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italostrikesback wrote:
Der Film ist nicht schlecht aber auch nicht besonders toll. Eher so Mittendrin.

Nadja Tiller finde ich übrigens immer echt übel. Horrorfrau.


Auf den ersten Blick mag das gelbe Grab ein wenig unscheinbar anmuten. Doch wenn man sich auf den Film einlassen kann/mag, verwöhnt er die Sinne mit wunderschönen Bildern, toller Musik und guten Darstellern. Selbst der Kriminalfall ist gelungen erdacht, was längst nicht bei jedem Giallo angesagt ist.

Hm, ich bin zwar kein Fan, aber die Leistung von Nadja Tiller fand ich sehr ansprechend. Aber so ist das eben, mein persönliches Grauen heisst Mimsy Farmer. ;)


Sergio Paydes wrote:
Vielleicht lag's an der Rolle vom guten Horst, vielleicht auch an der gekürzten deutschen Fassung, ich weiß es nicht.


Horst Frank hat doch eine DER Rollen erwischt, herrlich! Die Kürzungen der deutschen Fassung sind IMHO unerheblich, der Film läuft in beiden Versionen rund.

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 17.12.2012 01:53 
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Mein heutiges Wiedersehen mit diesem kleinen, feinen Giallo verlief sehr erfreulich. Obwohl der Film nicht gerade vor Spannung birst, weiß er angenehm zu unterhalten.

Eine stimmungsvolle Atmosphäre, tolle Bildgestaltung, gute Schauspieler - allen voran die schnuckelige Samantha Eggar.
Apropos, Eggar: Ist eigentlich schonmal jemandem aufgefallen, dass sie zu der Zeit aussah wie die große Schwester von Nicoletta Elmi? Erstaunlich...

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 17.12.2012 11:57 
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Alternativer Titel: The Dead Are Alive, The Etruscan Kills Again
Produktionsland: Deutschland, Italien, Jugoslawien
Produktion: Artur Brauner
Erscheinungsjahr: 1972
Regie: Armando Crispino
Drehbuch: Armando Crispino, Lucio Battistrada
Kamera: Erico Menczer
Schnitt: Alberto Gallitti
Musik: Riz Ortolani
Länge: ca. 105 Min.
Freigabe: FSK 16
Darsteller: Alex Cord, Samantha Eggar, John Marley, Nadja Tiller, Horst Frank und Enzo Tarascio


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Bei den Ausgrabungen einer etruskischen Grabkammer findet man Wandmalereien die den Dämon des Todes zeigen. Diese Malereien werden kurze Zeit später in die Tat umgesetzt und es kommt zu Morden. Der Verdacht fällt auf den Archäologen Jason, doch es steckt wesentlich mehr dahinter.

Wenn ich den Namen Armando Crispino lese und dieser für den Part der Regie verantwortlich ist, ahne ich Schlimmes. Dieses hat den Grund, dass ich durch seinen 3 Jahre später entstandenen Film „Autopsie - Hospital der lebenden Leichen“ vorbelastet bin. „Autopsie - Hospital der lebenden Leichen“ ist ein Film der wirklich gar nicht in die Gänge kam und auf ein desasterähnliches Gesamtresultat steuerte. Ganz so schlimm ist „Das Geheimnis des gelben Grabes“ nicht, aber als gut kann ich dieses Werk auch nicht bezeichnen.

Crispino lässt in diesem Film zwar einiges an Ereignissen sprechen, diese sind allerdings vereinzelnd wirr angeordnet. Streckenweise hat man den Eindruck an irgendeiner Stelle nicht richtig aufgepasst oder die Dialoge nicht richtig verfolgt zu haben. Es entfaltet sich ein gewisses wirres Etwas das von Unlogik begleitet wird. In den letzten 15 Minuten steigert sich der Film allerdings und präsentiert offen seine Lösung, die aber vom geschulten Giallo-Liebhaber eh vorgeahnt wurde.

Armando Crispino hat keinen rein schlechten Film gedreht, aber sein Konzept ist vereinzelnd zu undurchdacht. Der objektive und Giallo-Unkundige Zuschauer wird so schnell zum Abwenden vom Crispinos Film gebracht. Zweifelsohne bietet der Film ein interessantes Finale mit schöner Beleuchtung und netten Räumlichkeiten, aber um als guter Giallo zu gelten muss man wesentlich mehr zu bieten haben.

Die Musik und die Einspielungen von Verdis Requiem sind äußerst gelungen und als positiv zu sehen.

Gut gemeinte 5,5/10

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 17.12.2012 21:13 
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Ich finde den Film (ebenso wie "Autopsie") sträflich unterbewertet , mich hat das gelbe Grab jedenfalls immer gut unterhalten !


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 18.12.2012 00:57 
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Mich auch ....... !!!!!!! Bianchi gerade letztens wieder gesehen .... weiss nicht was ihr wollt der rockt doch

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Blu Ray und DVD Holzkistenverpackungen sind Sondermüll....
und echte Filmfans brauchen sowas nicht !!!


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 24.03.2014 14:01 
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Packe es mal hier rein - der Soundtrack von Riz Ortolani erscheint am 31.03.2014:

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:super2:

Update:

Kann hier bereits geordert werden ... *** The link is only visible for members, go to login. ***


Last edited by il gatto on 26.03.2014 15:44, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 24.03.2014 14:07 
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Oh, das ist wirklich eine wunderbare Nachricht! Den Soundtrack fand ich schon immer klasse und sehr eingängig.
Da bleibt ja die stille Hoffnung, dass die Musik zu "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" auch eines Tages aus irgend einer Schublade heraus gekramt wird! :lol:
Danke für den Tipp!!!


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 24.03.2014 16:40 
Prisma wrote:
Oh, das ist wirklich eine wunderbare Nachricht! Den Soundtrack fand ich schon immer klasse und sehr eingängig.
Da bleibt ja die stille Hoffnung, dass die Musik zu "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" auch eines Tages aus irgend einer Schublade heraus gekramt wird! :lol:
Danke für den Tipp!!!



HALBMOND wäre echt toll!
Ein Großteil des Halbmond Soundtracks kann man auf der CD zum Giallo COSI DOLCE...COSI PERVERSA finden.
Leider ist die CD fast nicht zu kriegen. Allerdings kann man auf youtube die einzelnen Stücke anhören, wenn ich mich richtig erinnere.

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 29.06.2014 16:17 
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"Das Geheimnis des gelben Grabes" ist ein unterhaltsamer Giallo für einen verregneten Sonntag-Nachmittag nach dem berühmten und bewährten "Scooby-Doo-Prinzip".
Die Charaktere, besonders der jähzornige Archäologe und der ebenso jähzornige Komponist sind charismatisch genug, um einen trotz der etwas wirren Story bei Laune zu halten.
Es gibt schöne Landschaften zu sehen, eine lustige Verfolgungsjagd durch das bezaubernde Spoleto (wo auch "Il medaglione insanguinato" gedreht wurde und wo ich vor nicht allzu langer Zeit selbst mal in den engen Gassen herumgehüpft bin) und den sportlichsten, fittesten und gutaussehendsten Schwerst-Alkoholiker, der mir je in einem Film untergekommen ist.
Hab mich bis zum Ende gewundert, welcher von denen jetzt Carlo de Mejo sein soll (den ich bislang nur als Psychiater aus "Ein Zombie hing am Glockenseil" kannte - gerade nachgeschaut. Ich hätte ihn nicht erkannt.)
Alles in allem ein lustiges Filmchen.

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 21.01.2015 23:49 
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Das Geheimnis des gelben Grabes (D)
Die Etrusker (D - Arbeitstitel)
L'etrusco uccide ancora (IT)
El Dios de la muerte asesina otra vez (ES)
The Dead Are Alive (USA)
The Etruscan Kills Again (Int.)


D / IT / Y 1972

R: Armando Crispino
D: Alex Cord, Samantha Eggar, Nadja Tiller, Horst Frank, John Marley, Enzo Tarascio, Carlo De Mejo u.a.


dt. Kinostart: 31.12.1972

dt. Synchronsprecher

Schnittbericht: dt. Kinofassung vs. it. Langfassung

Score: Riz Ortolani

OFDb



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Während Ausgrabungsarbeiten auf einer etruskischen Grabstätte unter der Leitung des Archäologen Jason Porter (Alex Cord) entdeckt das Forschungsteam eine über 2000 Jahre alte Grabkammer, deren Wände mit Zeichnungen des Dämons Tuchulcha verziert sind. Jason gelingt es noch vor Einbruch eines Unwetters eins der Wandgemälde mit einer hochtechnologisierten Sonde abzufotografieren, bevor er die Arbeit niederlegt und die Ausgrabungsstätte im Rahmen seines wohl verdienten Feierabends verlässt.

Am nächsten Morgen ist plötzlich neben der am Vortag sicher verwahrten Sonde auch ein Tonbandgerät verschwunden und es werden die Leichen zweier junger Menschen tot aufgefunden. Nach den ersten Untersuchungsergebnissen der Polizei unter der Leitung von Inspektor Giuranna (Enzo Tarascio) hatte sich das junge Pärchen am Vortag zum Liebesspiel in der Grabkammer eingefunden und wurden dabei durch das jähe Eingreifen eines unbekannten Mörders erheblich gestört, denn dieser malträtierte das junge Liebespaar mit einer Eisenstange auf grausamste Weise zu Tode.
Da Jason weder ein wasserdichtes Alibi vorweisen, noch eine nachvollziehbare Erklärung für die verschwundenen Gegenstände geben kann, gerät er als Verdächtiger ins Visier des Ermittlers. Aber der Archäologe hat auch noch zwei weitere Probleme die ihn schwer belasten:
Zum einen hat er ein massives Alkoholproblem, durch das in der Vergangenheit seine einst glückliche Beziehung zu seiner Geliebten Myra Shelton (Samantha Eggar) in Verbindung mit Gewaltübergriffen (im Rausch) in die Brüche ging und damit wären wir auch schon bei seinem zweiten Problem angelangt:
Während seines Aufenthaltes im Rahmen der Ausgrabungen lebt Jason auf dem Anwesen des selbstherrlichen und cholerischen Star-Dirigenten Nikos Samarakis (John Marley), seines Zeichens der neue Liebhaber von Myra.
Da er über den Bruch der Beziehung immer noch nicht hinweg gekommen ist und Myra weiterhin abgöttisch liebt, versucht er diese im alkoholisierten Zustand erneut auf gewaltsame Weise wieder für sich zu gewinnen, was dann aber dementsprechend auch mächtig in die Hose geht.

Aber Jason muss sich (gezwungenermaßen) zunächst einmal seinem momentanen Hauptproblem stellen, der Verdächtigung durch die Polizei.
Da er selbst den Mord eigentlich nicht begangen haben kann, muss einer der damals am (späteren) Tatort Anwesenden dafür verantwortlich sein. Zu seinen Hauptverdächtigen zählen u.a. sein Rivale Nikos Samarakis, der extrovertierte Choreograph Stephen (Horst Frank), die kopfproblem-belastete Ex-Frau des Dirigenten Leni Samarakis (Nadja Tiller) und deren Sohn Igor Samarakis (Carlo De Mejo). Hinzu kommt die Tatsache, dass der aktuelle Tathergang fast 1:1 den über 2000 Jahren alten Zeichnungen auf den Wandgemälden entspricht. Doch dann geht das Morden plötzlich weiter....
Kann Jason den wahren Täter überführen oder handelt es sich vielleicht sogar um einen Ritualmord durch die Hand des Dämons Tuchulcha? Oder muss Jason aufgrund alkoholindizierter Filmrisse an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln und ist eventuell doch selbst für die grausamen Taten verantwortlich? Und was hat es eigentlich mit Verdis Requiem auf sich, welches jedes mal erklingt sobald ein nächstes Opfer über die Klinge springt?


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Eine weitere recht außergewöhnliche, aber auch sehr feine Giallo-Perle aus der Blütezeit des Genres. Austragungsort der blutigen Spiele sind dieses mal archäologische Ausgrabungsgebiete, etruskische Grabkammern oder Prunk-Villen inmitten der Toskana.
Dieses Exemplar gehört jetzt wahrlich nicht gerade zu den spannendsten Vertretern seiner Gattung, kann aber nichts desto trotz aufgrund der guten schauspielerischen Leistung und der traumhaft abfotografierten Bilder vollends überzeugen und (zumindest mich persönlich) jedes mal aufs Neue mitreißen. (bin von der Gewalt, der Detailverliebtheit und der sehr interessanten Farbgebung der gesehenen Bildern immer noch verzückt)

Der Score von Riz Ortoloni sitzt dann auch noch passgenau und verleiht dem Film seinen letzten Schliff.

Etwas Schade fand ich die fehlende dt. Untertitelung bei den fehlenden Szenen der it. Langfassung, aber zum Glück ist in den fehlenden 7 min. ein recht geringer Dialoganteil enthalten (habe ich zumindest mal so wahrgenommen, denn die Dialoge auf it. gingen doch zusammen keine 7 min.? :unknown: ) Aber getrübt wurde der Filmgenuß dadurch in keinster Weise.....


Ein bildgewaltiges Farbspektakel mit leichtem Mysterie-Einschlag. Sehr fein :good:


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it. Trailer:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com


engl. Trailer:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com


Score:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com



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Last edited by Richie Pistilli on 23.01.2015 07:04, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 22.01.2015 23:14 
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Vollste Zustimmung. Ich sehe den Film auch immer wieder gerne, er schlägt innerhalb klassischer Rahmenbedingungen doch recht eigene Wege ein. Hervorragend finde ich Alex Cord, umwerfend Samantha Eggar und Nadja Tiller wirkt hier auf mich nicht nur erträglich, sondern ausnahmsweise sogar einmal beeindruckend. Die Crew ist wirklich erstklassig!

Ich weiß noch, dass ich mir "Das Geheimnis des gelben Grabes" damals auf Toppic-VHS zugelegt hatte, das war in Köln. Dabei erinnere ich mich noch gut daran, dass mich das Tuchulcha-Cover so fasziniert, und nach Erstansicht dann irritiert hatte, da ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte und so gut wie keinen der Schauspieler kannte. Liebe auf den ersten Blick war es also gar nicht, doch der Film ist bei jeder Sichtung gewachsen, und das tut er sogar heute noch.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 23.01.2015 06:47 
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Prisma wrote:
Liebe auf den ersten Blick war es also gar nicht, doch der Film ist bei jeder Sichtung gewachsen, und das tut er sogar heute noch.


Dito, so ähnlich ging es mir bei meiner Filmpremiere auch, da ich zunächst einen ziemlich stereo-typischen Giallo erwartet hatte. Aber schon bei der zweiten Betrachtung kam es dann zu einem sehr hohen Anstieg in meiner Gunst..... :)


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 23.01.2015 12:36 
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Zu der Zeit wusste ich noch gar nicht, was ein Giallo ist. :lol:
Habe mich da eher an Wallace-look-likes orientiert. Neben diesem hier hatte ich mir noch "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" zugelegt und ich erinnere mich noch sehr genau daran, dass ich lange am überlegen war ob ich sie mitnehme, da ich beide damals für schwach besetzt hielt.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 23.01.2015 18:41 
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Prisma wrote:
Zu der Zeit wusste ich noch gar nicht, was ein Giallo ist. :lol:


Das wusste ich vor 6 Jahren noch nicht einmal :oops:
Bin erst zu diesem Zeitpunkt auf dieses wunderbare Genre gestoßen und war dann aber auch gleich von diesen Filmen total angefixt ;)


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 23.01.2015 19:36 
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Richie Pistilli wrote:
Prisma wrote:
Zu der Zeit wusste ich noch gar nicht, was ein Giallo ist. :lol:


Das wusste ich vor 6 Jahren noch nicht einmal :oops:
Bin erst zu diesem Zeitpunkt auf dieses wunderbare Genre gestoßen und war dann aber auch gleich von diesen Filmen total angefixt ;)


Geht mir auch so, aber bei mir sind es 4-5 Jahre.

Der darf gerne mal auf Blu erscheinen und nicht als Teil irgendeiner Box. ;)


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 28.09.2015 16:43 
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L'ETRUSCO UCCIDE ANCORA / DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES (I|D|JUG|1972)
mit Enzo Tarascio, Horst Frank, Calo de Mejo, Enzo Cerusico, Christina von Blanc, Vladan Holec sowie Daniela Surina und Nadja Tiller
eine Gemeinschaftsproduktion der CCC Filmkunst | Inex Film | Mondial Televisione Film | im Verleih der Cinerama
ein Film von Armando Crispino


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»Lieber schlafe ich mit einem Tier!«


Jason Porter (Alex Cord), Professor der Archäologie, erforscht in der Toskana Grabstätten und stößt dabei auf sehr gut erhaltene Wandmalereien, die den etruskischen Dämon Tuchulcha zeigen, als er gerade ein Liebespaar tötet. Kurz darauf wird in einer umliegenden Grabhöhle ein junges Paar ermordet aufgefunden und es scheint, dass die Szenen dieser Wandmalerei kopiert wurden. Die Opfer wurden schrecklich zugerichtet, allerdings finden sich einige Details, die komplett aus dem Zusammenhang fallen. Die junge Frau bekam von dem Mörder rote Ballettschuhe angezogen und es lief ein Tonband mit einer Verdi-Oper. Die Polizei tappt im Dunkeln und sucht verzweifelt nach einem Verdächtigen, den sie in Professor Porter gefunden zu haben scheint, zumal die Opfer mit einer von dessen Forschungssonden erschlagen wurden, jedoch finden sich im Umfeld von Jason noch einige andere Personen, die ein Tatmotiv haben könnten, wie beispielsweise der Dirigent Nikos Samarakis (John Marley). Die nächsten brutalen Morde lassen nicht auf sich warten und es scheint, als habe Tuchulcha wieder zugeschlagen...

Die Besonderheit bei Armando Crispinos "Das Geheimnis des gelben Grabes" lässt sich definitiv in den Bereichen Strategie und Struktur finden. Entstanden zu einer Zeit, in denen nahezu jeder Giallo versuchte noch gelber zu wirken, als viele der zahlreichen Konkurrenten, bewegt sich dieser Spielfilm eher in konventionellen Gefilden, was sicherlich wieder einmal der Tatsache geschuldet ist, dass man den Film in der Bundesrepublik unter dem Banner Bryan Edgar Wallace an den Start schickte. Dieses Gütesiegel wird immer wieder gerne zum Anlass für Kritik genommen, da auch dieser Beitrag als zu progressiver Fremdkörper in der langjährigen Reihe angesehen wird, doch auf der anderen Seite mutet er vielen Zuschauern paradoxerweise auch zu konventionell an. Betrachtet man den Film genau, so entfalten sich die besonderen Möglichkeiten dieses Schicht-Giallo, bei dem etliche Elemente präzise übereinander gelegt, und weitgehend einfallsreich miteinander verstrickt wirken. Der deutsche Arbeitstitel "Die Etrusker töten wieder" stellt sich letztlich als wesentlich prägnanter und vielversprechender als der tatsächliche Verleihtitel heraus, jedoch wurde so die Norm der Wallace-Filmtitel fortgeführt und publikumsfreundlich eingehalten. Neben der Intention, die Charaktere so präzise wie möglich erscheinen zu lassen, setzt Armando Crispino auch auf wohldosierte Schockmomente und eine minutiös geplante, und grausam wirkende Exposition, die in Verbindung mit dem regelrechten Aufbahren der Leichen, der dazu laufenden Musik und den Ballettschuhen für das jeweils weibliche Opfer frühe Rätsel aufgibt, aber einen interessanten Verlauf suggeriert. Hervorzuheben ist der malerische Ort des Geschehens, der in vollkommenen Kontrast zur wieder einmal unbehaglichen Prosa steht. Schönheit und Zerstörung bilden auch hier wie so oft eine denkwürdige Mischung, die dem Zuschauer langsam aber sicher an den Nerven zerren soll.



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Archäologie, Kunst und gemeinsame eine Vergangenheit bringen die beteiligten Personen zusammen, es wird schnell ersichtlich, dass der Ort des Geschehens, also die Gegenwart, einem brodelnden Vulkan gleicht. Aggressionen und hohe Widerstände bestimmen den Umgang, folglich auch die Szenerie, so dass man sich auf ein ungewöhnlich dichtes und interessantes Roulette charakterlicher Kapriolen gefasst machen kann. Doch wie könnte ein derartig brutaler und offensichtlich wahnsinniger Mörder wohl aussehen und von welchem Motiv ist er getrieben? Die Darsteller liefern hierfür sehr markante Gesichter und es bietet sich ein erfreulich breiter Kreis an Verdächtigen an, in dem selbst die Protagonisten nicht immer über jeden Verdacht erhaben zu sein scheinen. Die Hauptrollen liegen hierbei absolut stilsicher in internationaler Hand. Der Amerikaner Alex Cord und die schöne Britin Samantha Eggar stellen sich als ganz großer Besetzungscoup dieser Produktion heraus, man bekommt wesentlich mehr Intensität, Temperament und Glaubwürdigkeit geboten, als es in vergleichbaren Produktionen der Fall ist. Dabei steht die hauptsächlich impulsiv handelnde und weitgehend ambivalent wirkende Figur des Professor Porter im Mittelpunkt dieses Geschehens, das sich aus Vergangenheit und Gegenwart zusammensetzt, dabei vielleicht sogar einen entscheidenden Blick in die Zukunft werfen wird. Alex Cord füllt seinen Part beeindruckend aus, man nimmt ihn gerne als Protagonisten an, gerade weil er gegensätzliche Empfindungen hervorruft. So bekommt man als Zuschauer angenehmerweise keinen zur Schablone zurecht geschnittenen Helden serviert, da Alex Cord hier ausgiebig an einem markanten Profil feilen darf, wenn sich das Karussell der Emotionen dreht. Außerdem passiert es wie so häufig, dass er auf eigene Faust Ermittlungen anstellen muss, um sich von einem Verdacht zu befreien, der abwechselnd manchmal begründet, meistens aber völlig absurd wirkt.

Samantha Eggar als Myra stellt in dieser Geschichte buchstäblich das Licht dar, um das die Motten herumschwirren. Zunächst ist ihre enorme Wandlungsfähigkeit anzumerken, die sich vor allem im optischen Bereich zeigt, ungewöhnlicherweise nimmt man trotz ihrer beherrschten Leistung eine sehr starke Intensität wahr, die sich auf alle Beteiligten überträgt, sogar auf den Zuschauer. So begleitet man Myra beim eigentlich ziellosen Begehen eines neuen Lebensabschnitts, der ihr nicht viel zu geben scheint, aber dennoch das, wonach sie gesucht hat, nämlich Sicherheit. Ihre Beziehung mit Jason liegt zwar schon einige Zeit zurück, doch sie wirkt so aktuell und präsent wie nie. Dem Zuschauer und allen Personen aus dem direkten Umfeld ist klar, dass Myra und Jay zusammen gehören, die Frage ist nur, ob widrige Umstände beseitigt werden können, zu denen auch Mord und Gewalt gehören. Die Britin überzeugt jedenfalls mit einer unterschwellig leidenschaftlichen Darbietung, die mit zum Besten gehört, was man im zeitgenössischen Film finden kann. Bleibt man wahlweise bei den Damen des Szenarios, so sollte die Italienerin Daniela Surina erwähnt sein, die die Selbstaufgabe und krankhafte Loyalität ihrer Person präzise auf den Punkt bringt, auch Christina von Blanc sorgt für aufregende bis spektakuläre Momente. Egal wie man zu Stargast Nadja Tiller stehen mag, das Warten auf ihr Erscheinen sorgt hier für eine gewisse Spannung. Die ehemalige Frau von Myras jetzigem Mann Nikos darf in ihren wenigen Sequenzen ihre beeindruckenden Register ziehen, nachdem sie sich dem Zuschauer und Jason als lebendes Meisterwerk vorgestellt hat. Nadja Tiller nutzt ihre üblichen Kapazitäten der Selbstinszenierung hier effizient, weil untergeordnet aus, ihre Schlüsselfigur bleibt in bestechender Erinnerung. Weitere wichtige, und ebenso überzeugende Charaktere offerieren vor allem John Marley, Horst Frank und Enzo Tarascio.



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Wie so häufig in gleich gearteten Filmen ist die Arbeit der Polizei nicht gerade von bahnbrechendem Erfolg gekrönt, allerdings scheint es in diesem Szenario sogar so zu sein, dass es unter voller Absicht geschehen ist, da Inspektor Giuranna, alias Enzo Tarascio, seine Irrtümer und Holzwege gleich selbst einräumt. Dass die Hüter des Gesetzes eben auch nur Menschen sind, würzt den Verlauf sehr nachvollziehbar, besonders turbulent wird es, wenn Giuranna die Daumenschrauben anlegt, und sich dabei als giftiger Rhetoriker erweist, der zumindest einmal seine Schularbeiten gemacht hat. Gut, es mag an der überaus kruden Truppe liegen, die gleichzeitig auch den Kreis der Verdächtigen bildet, dass einfach kein Licht ins Dunkel zu bringen ist. Viele Personen rücken sich durch aggressive oder überspitzte Selbstinszenierungen in den Fokus, so zum Beispiel Horst Frank, vor allem aber ist es John Marley als Nikos Samarakis, der den Tanz auf dem Vulkan ganz offensichtlich inszeniert. Seine Star-Allüren sind berüchtigt, seine Wutausbrüche gefürchtet und die Präsenz, beziehungsweise die Kreation des Darstellers ist beeindruckend. Seine Untergebenen scheucht er herum und demütigt sie, falls sich die Möglichkeit bietet, es zeigt sich eine äußerst niedrige Hemmschwelle und der Weg zum Ausrasten ist geebnet, wahlweise wegen Kleinigkeiten und Belanglosigkeiten. Man hält also nach der ausgiebigen Selbstvorstellung einiger Personen so gut wie alles für möglich und im Bereich der Charakterzeichnungen ist der Verlauf unter Crispinos Führung sehr gelungen. Die Verbindungen untereinander werden sehr langsam, aber vollkommen deutlich geklärt, verschiedene Allianzen und Interessengemeinschaften aufgedeckt, und selbst Nebenfiguren wie Carlo de Mejo als verwöhnter Sohn des Majestro, oder Vladan Holec als kleiner Sadist bekommen die Chance ihre kleinen Rollen denkwürdig auszufüllen. Eine rundum überzeugende Besetzung!

Begleitet von Riz Ortolanis betörenden Klängen, ist es interessant mit anzusehen, wie ein Mosaik zusammengefügt wird, bei dem etliche Abgründe zur Schau gestellt werden. Hilfreich hierbei sind die immer wieder kurz integrierten Rückblenden, die beim Zuschauer und auch den Beteiligten des Szenarios für wichtiges Verständnis sorgen. Die hauptsächlich straffe Montage begünstigt den Erzählfluss und es sollte jeder selbst entscheiden, ob es im Verlauf Längen aufzuspüren gibt. "Das Geheimnis des gelben Grabes" bietet insgesamt eine interessante Geschichte, wieder einmal aus den dunklen Schluchten der menschlichen Psyche an, bei der die Integration eines womöglich übernatürlichen Elements für spannende Phasen sorgt, die teilweise sogar beängstigende Züge annehmen. Dass der Wahnsinn, oder wahlweise der Dämon Tuchulcha, hier hinter jedem Stein lauern könnte, wird ziemlich schnell klar, doch wie diese Grundvoraussetzungen geordnet werden, macht einen gelungenen Eindruck, zumal konventionelle und neuartige Elemente eine willkommene Allianz eingehen. Der eingeschlagene Weg wird durch die doch sehr unterschiedlichen Charaktere definiert und sie liefern stets genügend Zündstoff für Überraschungen, Kehrtwendungen, experimentelle Ansätze oder eben einfach nur reaktionäres Spektakel. Die eingearbeitete Brutalität stellt sich dabei tapfer gegen aufkommende Anflüge von längeren erklärenden Phasen, die hin und wieder zu sehr ausgereizt sind, allerdings bleibt der Weg zum Ziel unterm Strich sehr beeindruckend. Garniert mit einem spektakulären Finale tauchen hoch wirkungsvolle Bilder auf, die in Verbindung mit Nahaufnahmen, Slomo und absoluter Stille für großartige Giallo-Momente sorgen werden. Armando Crispino hat schlussendlich einen Film geschaffen, der gut an unterschiedliche Märkten angepasst war und sich trotzdem den Luxus erlaubt, ganz gezielt eigene Wege einzuschlagen.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 29.09.2015 08:46 
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Das der Film in den italienischsprachigen Szenen nicht untertitelt ist, ist natürlich... :roll:

Ansonsten für jemanden wie mich der den Film noch nicht kennt, fehlen in der dt. Fassung auch Gewalt oder "nur" Dialoge?
Kann man auch ohne diese Szenen leben?
Schade wäre auch wenn schön gefilmte Szenen, Kamerafahrten oder ähnliches fehlen würden.


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 29.09.2015 09:20 
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Seltsam, dass der Film hier fuer keine Begeisterungsstuerme sorgt. Fuer mich ist das einer der Besten Filme der 70er, und daher natuerlich auch ein Giallo der Extraklasse. Ergo kriegt er von mir auch locker ne 10/10. :geek:

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 29.09.2015 10:21 
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Es darf sich gerne ein Label erbarmen und den ungekürzt auf Blu bringen. :D


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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 29.09.2015 10:33 
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Das waere natuerlich GROSSARTIG. :mrgreen:

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 29.09.2015 12:16 
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.... Ich schließe mich den Vö Wünschen natürlich an. Vielleicht können ja Koch oder Camera Obscura mal etwas bzgl Machbarkeit und Interesse sagen :)

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 Post subject: Re: DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES - Armando Crispino
PostPosted: 29.09.2015 19:14 
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Dr. Zombi wrote:
Seltsam, dass der Film hier fuer keine Begeisterungsstuerme sorgt. Fuer mich ist das einer der Besten Filme der 70er, und daher natuerlich auch ein Giallo der Extraklasse.

Volle Zustimmung. Und es müssen ja noch nicht einmal Begeisterungsströme sein, aber im Allgemeinen wird der Film meistens leider ziemlich schwach bewertet und seine Qualitäten werden ihm gerne abgesprochen. Das war für mich noch nie so richtig nachvollziehbar. Ich finde Crispinos Beitrag immer wieder hervorragend, vielleicht wirklich einer der besten aus den 70ern, zumindest aus persönlicher Sicht.


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