Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 11.12.2018 05:25

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 8 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 17.11.2018 12:09 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 3367
Geschlecht: männlich


ORSON WELLES ERZÄHLT


www.youtube.com Video From : www.youtube.com


● ORSON WELLES' GREAT MYSTERIES / ORSON WELLES ERZÄHLT / DIE GROẞEN GEHEIMNISSE DES ORSON WELLES (GB|1973)
mit Orson Welles als Gastgeber
eine Serie von | Alan Gibson | Peter Sasdy | Peter Sykes | Mark Cullingham | u.a.
eine Anglia Television Produktion für ITV



Orson Welles präsentiert eine Reihe mysteriöser, skurriler, denkwürdiger und geheimnisvoller Geschichten, bei denen er jeweils die Erzählfunktion übernimmt. Nicht nur, dass der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler seinen guten Namen für diese Anthologie hergibt, er bereichert die sehr unterschiedlich gefärbten, durchaus gut besetzten und mit etwa halbstündiger Laufzeit versehenen Geschichten mit seiner weltbekannten, vereinnahmenden Präsenz. Dabei versucht er geschickt Zweifel zu schüren, um den interessierten Zuschauer an der Nase herumzuführen, falls es die dramaturgische Stärke der Episoden zulässt. Aufgrund der sehr unterschiedlichen und darüber hinaus kurzweiligen Geschichten entsteht eine überaus angenehme Atmosphäre, deren Inhalte ganz im Stil der 70er Jahre überzeugen und mit einigen Twists für Überraschungen sorgen können. Gedreht wurden 26 Episoden, in denen Gastgeber Orson Welles jeweils zu Beginn und am Ende auftritt. In der deutschen Synchronisation wird der gebürtige US-Amerikaner von Routinier Martin Hirthe gesprochen. Hervorzuheben ist die bemerkenswerte Musik von John Barry, die ebenfalls zu einem der besonderen Aushängeschilder dieser TV-Produktionen geworden ist und definitiv im Ohr bleibt. Fans der gepflegten, außerdem starbesetzten Krimi-Unterhaltung können hier sicherlich auf ihre Kosten kommen.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 17.11.2018 15:15 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2017
Beiträge: 895
Geschlecht: nicht angegeben
Danke für die Vorstellung, Prisma, den Trailer finde ich schon einmal klasse (wirklich ein großartiger Soundtrack)...

Prisma hat geschrieben:
Dabei versucht er [Welles] geschickt Zweifel zu schüren, um den interessierten Zuschauer an der Nase herumzuführen, falls es die dramaturgische Stärke der Episoden zulässt.


1973 hatte Welles ja auch seinen "F wie Fälschung" gedreht, wo der Zuschauer ja ebenso auf "Schein" und "Sein" trifft; ich weiß jetzt nicht, ob der Kinofilm oder die TV-Serie eher entstanden ist - doch Welles hatte zu diesem Zeitpunkt das Thema "Zuschauertäuschung" wohl sehr interessiert... "The Other Side of the Wind" kenne ich leider noch nicht, aber hier wird diese täuschende Macht des Mediums "Film" sicherlich schon angelegt sein...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 18.11.2018 18:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 3367
Geschlecht: männlich
Die Serie ist ganz interessant geworden und erinnert stark an britische Kriminalserien dieser Zeit. Diese Marschrichtung sollte man schon mögen, sonst wird man hier vielleicht ein wenig enttäuscht zurückbleiben, falls man einen fulminanten Welles-Kracher erwartet hat. Eigentlich bin ich im Vorfeld von wesentlich mehr Mystery ausgegangen, aber es geht dann meistens doch ein bisschen konventioneller zu. Schein und Sein sind aber gute Begriffe, denn damit wird geschickt gespielt und Welles versucht in diesem Zusammenhang selbst Öl ins Feuer zu gießen - rhetorisch sozusagen. Die Episoden sind überwiegend ganz gelungen und vergehen wie im Flug. Mein Geschmack wird da genau getroffen. Bei "The Other Side of the Wind" bäumt sich das Trügerische des Films auch auf, aber wesentlich global denkender und interessiert am kleinsten Detail. In "Orson Welles erzählt" reduziert sich das Ganze zwar nicht komplett auf die dramaturgische Ebene, aber das Hauptaugenmerk liegt schon vorwiegend auf einer klassischen Erzählstruktur.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 18.11.2018 19:26 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2017
Beiträge: 895
Geschlecht: nicht angegeben
Prisma hat geschrieben:
In "Orson Welles erzählt" reduziert sich das Ganze zwar nicht komplett auf die dramaturgische Ebene, aber das Hauptaugenmerk liegt schon vorwiegend auf einer klassischen Erzählstruktur.


Ich nehme an, dass sich über Welles die Serie vermarkten sollte und Welles das Angebot dann hauptsächlich wegen dem Finanziellen angenommen hatte; sicherlich hat er sich dann bei der Interpretation seiner Rolle die nötigen Freiheiten genommen (das vermute ich), um aus der Figur einen "Welles-Charakter" zu formen (ich nehme an, dass sich der Erzähler den nötigen "Erzähl-Raum" nimmt und somit dominant im Hinterkopf des Zuschauers bleibt); ach, Prisma, wie ist denn die Bildqualität der DVDs? - und stimmt es, dass nur die deutsche Sprachfassung enthalten ist (womit ich dann doch Schwierigkeiten hätte - die Stimme von Welles hätte ich doch schon gerne)?...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 18.11.2018 19:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 3367
Geschlecht: männlich
Howard Vernon hat geschrieben:
Ich nehme an, dass sich über Welles die Serie vermarkten sollte und Welles das Angebot dann hauptsächlich wegen dem Finanziellen angenommen hatte

Das hatte ich auch schon irgendwo gelesen, dass Welles solche Projekte gemacht hat, um seine eigenen zu finanzieren.
Außerdem soll seine eigene Produktionsfirma ja damals in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein.


Howard Vernon hat geschrieben:
sicherlich hat er sich dann bei der Interpretation seiner Rolle die nötigen Freiheiten genommen

Da er ja sich selbst verkörpert, trifft das natürlich zu. Er inszeniert sich geheimnisvoll, erscheint mit schwarzem Mantel und Hut. Beim Erzählen darf selbstverständlich die Zigarre nicht fehlen und das Ganze scheint für ihn keine große Anforderung gewesen zu sein. Natürlich ist die Entfaltungsmöglichkeit begrenzt, da er nur einleitende und abschließende Worte beisteuert, aber nicht ohne süffisante Kommentare und ironische Untertöne abzugeben. Während der Episoden verliert sich seine Relevanz sogar hin und wieder, was aber auch daran liegen mag, dass man sich auf die Geschichten konzentrieren will.



Howard Vernon hat geschrieben:
wie ist denn die Bildqualität der DVDs? - und stimmt es, dass nur die deutsche Sprachfassung enthalten ist

Die Serie besitzt durch und durch TV-Optik und es kommt zu zahlreichen Ungereimtheiten beim Ausgangsmaterial.
Da war wohl nichts anderes mehr aufzutreiben.
Enthalten ist zudem nur die deutsche Sprachfassung, die aber zu ihrer Verteidigung über sehr prominente Sprecher verfügt:

➥ DEUTSCHE SYNCHRONDATEI


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 18.11.2018 19:52 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2017
Beiträge: 895
Geschlecht: nicht angegeben
Danke Dir, Prisma,

klar die Sprecher sind natürlich klasse, aber auf die originalen Stimmen lege ich vor allem bei Leuten wie V. Price oder eben auch Welles großen Wert - aber da mir schon das Musik-Thema so gut gefällt, werde ich wohl doch zugreifen...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 18.11.2018 20:00 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 3367
Geschlecht: männlich
Ich denke, dass Du mit der Serie Freude haben könntest.
Die Tage wollte ich mal die erste Episode besprechen, da kommen ein paar Bilder dazu, um einen Eindruck von der Qualität zu bekommen.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: ORSON WELLES ERZÄHLT
BeitragVerfasst: 19.11.2018 16:22 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 3367
Geschlecht: männlich


BildBildBild

● ORSON WELLES ERZÄHLT | FOLGE 05 | DINNER BEI McGILL (GB|1973)
mit Orson Welles als Erzähler
Joan Collins, Anton Rodgers, Maxine Audley, Ruth Dunning, Jean Harvey, Peter Cellier, Geoffrey Chater, Anthony Sharp
eine Anglia Television Produktion für ITV
Regie: John Robins



»Verheiratet sein... Es ist nicht einmal so furchtbar lange her, da waren nicht nur die Eheleute miteinander verheiratet, sondern zur Ehe gehörten die beiderseitigen Großfamilien, mit denen man quasi auch verheiratet war. Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Heute sind die Eheleute mehr mit der Firma verheiratet, bei der sie angestellt sind, die ihnen Arbeit und Brot gibt. Ja, und damit sind auf die Ehefrauen neue Ängste zugekommen, denn sie wird gesellschaftlich eingestuft von der Firmenleitung, die sich die Frage stellt, ob sie ebenso wie ihr angestellter Gatte akzeptabel ist...«

Mit seinen einleitenden Worten kann Gastgeber Orson Welles gleich zu Beginn neugierig auf diese Geschichte machen, die entgegen der allgemeinen Erwartung, dass es sich im Rahmen des nebulös klingenden Serientitels um möglicherweise übernatürliche Inhalte handeln könnte, recht weltlicher, beziehungsweise kriminalistischer Natur sein wird. Seinen Monolog hält der beliebte Schauspieler und Regisseur in einer beeindruckenden Aufmachung und Manier. Eine versnobte Gesellschaft erwartet den Mann zu einem Dinner, den sie sich in einer bekannten Firma für eine Beförderung auserkoren haben. Er muss sich samt seiner Ehefrau in die Manege wagen und einem Kreuzverhör stellen, von dem die berufliche Zukunft abhängen wird. Die Jury besteht aus Hyänen der kultivierteren Sorte, unter denen es insbesondere die Damen sein werden, die über Sein oder Nichtsein entscheiden dürften. Die Szenerie ist geebnet mit zahlreichen Patzern und ein Fauxpas stellt sich nach dem nächsten ein. Eine peinlich berührende Atmosphäre überkommt den Raum und der Zuschauer schlägt sich schnell auf die Seite der armen Joan Collins, der dabei zuzusehen ist, wie sie in der Rolle einer maskierten Dame scheitert. Hin und wieder wirkt die Ehefrau der designierten Beförderung so ordinär, dass es den anwesenden Damen gehobeneren Alters die Verlegenheit in die Gesichter treibt, aber auch eine Angriffslust weckt, die mehrere diskrete Harpunenschüsse nach sich zieht. Fragen über die Herkunft werden mit schmerzlicher Offenheit quittiert und bieten die Veranlassung für sechsfaches Kopfschütteln. Nur die Angeklagte scheint keinen blassen Schimmer zu haben, dass sie ihrem Mann den anvisierten und wesentlich besseren Posten unumgänglich verbaut, wenn sie den Gastgebern und den befreundeten Gleichgesinnten des Abends fließbandartig vor den Kopf stößt und sie brüskiert.

Kleinere Verstöße gegen die Etikette bei Tisch und auch sonst, wie beispielsweise das Herumfischen im Drink nach der eigenen Kontaktlinse, der gesteigerte Alkoholkonsum im Allgemeinen, oder die schrecklich direkten Antworten unverblümter Natur, besiegeln den Eindruck des Zuschauers, dass dieser Farce doch schnell ein Ende gesetzt werden sollte. Es kam und kommt selten genug vor, dass man mit Episoden-Hauptrolle Joan Collins Mitleid empfinden konnte, weil sie dem Anschein nach so gnadenlos ins offene Messer läuft und dabei vorgeführt wird. Ihre Naivität kennt hier dem Empfinden nach keine Grenzen und wenn der Vorhang endlich gefallen ist, wird sie von den Mitgliedern der besseren britischen Gesellschaft in der Luft zerrissen. Dabei diskutiert man ganz offen, was jeder einzelne Zuschauer selbst bereits wissen will: die Beförderung ist beendet, bevor sie überhaupt angefangen hat. Interessant bei Collins' Darbietung ist die Tatsache, dass sie in einer Rolle zu sehen ist, die entsprechend ihres Images beinahe kurios aussehen will, aber dennoch die typischen Charakteristika wie Angriffslust oder Schlagfertigkeit offeriert. In der Runde entsteht eine herrliche und vor allem unberechenbare Eigendynamik, die geprägt sein wird von Wortwitz und derben Fettnäpfchen; die vollmundige Indiskretion wird dabei mit überspitzter Höflichkeit überspielt, und umgekehrt. Doch wo, fragt man sich, ist mit dieser Geschichte der Kern der Serie eigentlich getroffen worden? Ein überraschender, wenn auch nur kleiner Twist gegen Ende wird Aufschluss darüber geben, dass im Endeffekt nichts so zu sein scheint, wie im Vorfeld vermutet. Insgesamt gesehen handelt es sich bei "Dinner bei McGill" um eine sehr amüsante und gut choreografierte Folge dieser Serie, die durch Leistungen bekannter Stars zu einem mit Ironie und Situationskomik angereichertem Tanz auf dem Vulkan ausartet, der sich sehen lassen kann.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 8 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker