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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
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DAS KRIMINALMUSEUM - DIE SERIE VON 1963 - 1970


Regie: Helmuth Ashley | Wolfgang Becker | Jürgen Goslar | Theodor Grädler | Joachim Hess | Otto Meyer |
Gedeon Kovacs | Dieter Lemmel | Erich Neureuther | Georg Tressler | Dietrich Haugk | Rudolf Jugert
eine ZDF Produktion der Intertel


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Der sterile Flur eines öffentlichen Gebäudes. Die Kamera fährt langsam, aber gezielt auf ein Schild zu. Es enthält die Aufschrift "Kriminalmuseum". So beginnt jede Folge dieser Erfolgsreihe. Eine Sprechstime sagt: »Nicht jeder darf, so wie wir das jetzt tun, eines der Kriminalmuseen betreten, die sich im Polizeipräsidium einiger deutscher Großstädte befinden...« Beweisstücke stehen dort zur Schau, die von skurrilen und grausigen Vergehen zeugen: »Die hier ausgestellten Einbruchswerkzeuge, Gangsterrequisiten, Waffen und Mordinstrumente standen einmal im Mittelpunkt eines Verbrechens«, erklärt die Stimme. "Das Kriminalmuseum" ist eine der erfolgreichsten deutschen Krimiserien. Als ZDF-Pendant zur "Stahlnetz"-Reihe dienten auch hier echte Fälle der Kriminalpolizei als Vorlage, die von entsprechenden Kommissaren gelöst wurden. Jede Folge führt uns die Kamera hinter die Türen des Kriminalmuseums und erzählt die Geschichten hinter den stummen Beweisstücken vergangener Verbrechen. Die Erfolgszutaten waren erstklassige Drehbücher und herausragende Darsteller. Alles, was damals an Film- und Fernsehprominenz vorhanden war, trat im Kriminalmuseum auf. [Zitat: "Das Kriminalmuseum", erschienen bei Studio Hamburg]


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 Post subject: Re: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
PostPosted: 23.08.2014 21:36 
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Danke das du das Thema erstellt hast. Ich bin an den drei Boxen innerhalb der Straßenfeger Collection schon lange interessiert. Mittlerweile werden diese auch für einen humanen Preis angeboten.

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 Post subject: Re: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
PostPosted: 24.08.2014 00:48 
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Stimmt, da kann man schon mal zuschlagen, zumal die Serie auch wirklich ziemlich interessante Fälle zu bieten hat. Als die Boxen damals heraus kamen, hatte ich die Folgen alle nur einmal gesehen und bin gerade mit der Zweitsichtung beschäftigt. Ganz klassische, gut aufgebaute Krimikost, bekannte Darsteller und gleich zu Beginn überwiegend starke Folgen. "Das Kriminalmuseum" vermittelt einen ziemlich hohen Nostalgiefaktor und wirkt teilweise sogar auch recht betulich, aber wenn man ohnehin gerne im Kriminal-Bereich unterwegs ist, würde ich sagen, ist das genau das richtige.


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 Post subject: Re: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
PostPosted: 24.08.2014 11:31 
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● Folge 1: FÜNF FOTOS (1963)
mit Horst Niendorf und Reinhard Glemnitz
sowie Horst Naumann, Katrin Schaake, Herbert Tiede, Ellen Umlauf, Heinz Spitzner, Hubert von Meyerinck, Alexander Allerson, u.a.
eine Produktion der Intertel | im Auftrag des ZDF
Regie: Helmuth Ashley




Ein seltsamer Hinweis geht bei der Kriminalpolizei ein. Der Besitzer einer Drogerie legt eine Reihe von Fotos vor, die er in seinem Labor entwickelt hat, die jedoch vom Kunden nicht mehr abgeholt wurden. Dem Anschein nach ist auf diesen fünf Bildern ein Ermordeter zu erkennen, der Blut überströmt und mit einer Schusswunde am Kopf in einem Waldstück liegt. Handelt es sich hierbei tatsächlich um einen Mord, und wenn ja, warum hat der Mörder sein Opfer ausgiebig fotografiert? Die Polizei steht vor einem Rätsel und sieht sich nun mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, ein Mosaik zusammenzufügen...

Die Pilot-Folge von "Das Kriminalmuseum" überrascht gleich zu Beginn mit einem eigenartigen Fall, den man bestimmt nicht alltäglich nennen darf. Ein Verbrechen und ein Toter, der obendrein von seinem eigenen Mörder noch fotografiert wird, um diese Beweisfotos offensichtlich der Polizei in die Hände zu spielen? Ganz originell. Zunächst ist zu erwähnen, dass dem Zuschauer gleich ein eindeutiges Konzept der Reihe offeriert wird. Die Folge wird geprägt sein von klassischer Ermittlungsarbeit, fließbandartigen Verhören und einem Duo, das sachlich, routiniert und dem Anschein nach über die Maßen korrekt vorgehen wird. Dabei wird die Arbeit jedoch nicht gerade als leichteste Sache der Welt dargestellt, sondern sie wirkt äußerst mühsam und teils Nerven aufreibend. Nicht jeder zeigt sich wie üblich zu Kompromissen bereit, aber die Ermittlungen laufen dennoch in, den Nebel auflösende Bahnen. Was bei dieser Folge irgendwie verblüfft, ist dass das Zufallsprinzip eine tragende Rolle bekommen wird, und dieses, bei erfolgreichem Abschluss auch blendend funktioniert. Jedoch hätte der raffinierte, und für meinen Geschmack äußerst komplizierte Plan eines Verbrechers auch genau so gut nach hinten losgehen können, nämlich falls der Besitzer der Drogerie, der ja lediglich auf das Drängen seiner Angestellten zur Kripo gegangen ist, die Fotos einfach hätte unter den Tisch fallen lassen. Somit nimmt der Zuschauer den Hinweis, dass Verbrechen nicht nur unter bestimmten Voraussetzungen geschehen, sondern auch nur unter gewissen Umständen aufgelöst werden, bejahend zur Kenntnis.

Die sympathischen Darsteller erleichtern es dem Zuschauer erheblich, die Aufmerksamkeit im Dickicht der komplizierten Überlegungen eines Verbrechers beizubehalten. Das ermittelnde Duo bekommt durch Horst Niendorf und Reinhard Glemnitz kompetente Beamten und überzeugende Gesichter verliehen, die manchmal sogar wie Hund und Katze wirken. Ihr Umgang miteinander lockert das Geschehen sehr gut auf und sorgt für präzisen Humor und stillen Sarkasmus. Auch die übrigen Gast-Darsteller können sich durchaus sehen lassen und funktionieren sehr patent in dieser nicht gerade alltäglichen Assoziationskette. Was sich bereits in der ersten Folge also andeutet ist, dass man darstellerisch gesehen durchaus sagen kann, dass Wiedersehen tatsächlich noch Freude machen wird. Die winterlichen Schauplätze sorgen gleich schon einmal für ein angenehmes Flair, und glücklicherweise bekommt man es immer wieder mit sehr ansprechenden Ortswechseln zu tun, so dass die Handlung nicht isoliert wirkt, und zum TV-Verhängnis wird. Das Erzähl-Tempo ist verlangsamt, doch zum Finale hin kommt eine angenehme Spannung auf und es wird vorsichtig rasant. "Fünf Fotos" ist im Endeffekt glasklar, wenn auch zu kompliziert aufgebaut, und es könnte durchaus geschehen, dass man sich während des Verlaufes sicher das ein oder andere Mal etwas desorientiert gefühlt hat. Jedoch leistet das schlüssige Finale eine gute Aufklärung und hinterlässt sogar einen sehr bitteren Beigeschmack, vor allem für denjenigen, der auf hochtouren einen genialen Plan ausgeheckt hatte. Überraschende Wendungen, gute darstellerische Kompetenzen und eine letztlich klare Linie machen diese erste Folge sehenswert, wenn auch die Frage nach der Wahrscheinlichkeit nicht vollends wegdiskutiert werden konnte.


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 Post subject: Re: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
PostPosted: 29.08.2014 19:15 
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● Folge 2: DIE FRAU IM NERZ (1963)
mit Hans Ernst Jäger und Hans Elwenspoeck
sowie Gustav Fröhlich, Marlis Schoenau, Anne Book, Peter Garden, Herta Konrad, u.a.
eine Produktion der Intertel | im Auftrag des ZDF
Regie: Wolfgang Becker



Eine junge Frau im teuren Nerzmantel wurde von einem Zug überfahren. Ein junger Mann, der sie in letzter Sekunde noch retten wollte und dabei verletzt wurde, ist der Ansicht, es sei ein Unfall gewesen. Mithilfe des Etiketts, welches sich am Mantel der Toten befindet, kann die Kriminalpolizei feststellen, wo dieser gekauft wurde und dort erfährt man auch ihre Identität, denn sie hatte keinerlei Papiere bei sich. Schnell führt die Spur in ein Antiquitäten-Geschäft und zu der besten Freundin der Frau im Nerz. Die Ermittlungen ergeben, dass es sich möglicherweise doch um keinen Unfall handelt, sondern Mord...

Die Erfahrung zeigt, dass der Tatort Bahnhof immer wieder gerne genommen wurde, denn der Tod durch einen Zug wirkt auf den Zuschauer doch immer wieder eine Spur erschreckender als beispielsweise ein profaner Mord durch eine Pistole. Ich musste sofort an Billy Wilders Film "Fedora" von 1978 denken, beziehungsweise an die These der Gräfin Sobriansky, alias Hildegard Knef, die lauthals erklärte, dass eine Frau die Suizid begehen möchte, sich unter gar keinen Umständen vor einen Zug werfen würde, da ihr letzter Gedanke in Richtung ihres Aussehens ginge. Als dann der rasende Reporter am Bahnsteig auftaucht und dies ebenfalls mit seiner Aussage, dass eine Frau die einen 35000 DM teuren Nerz trägt, sich nicht auf die Gleise stürzen würde belegt, muss ich schon sagen, dass es sich durchaus um eine spannende Theorie handelt, über die nachzudenken ist. Mit Nerz oder ohne, die Frau ohne vorläufige Identität fand jedenfalls ihr schreckliches Ende, was ziemlich gut im Bilde festgehalten wurde. Ob es schließlich am Bahngleis von Verdächtigen nur so gewimmelt hat, wird die Kriminalpolizei in harter Arbeit für den Zuschauer aufdecken. Dabei wird erneut der klare Aufbau der Geschichte deutlich und die Ermittlungen laufen sehr transparent ab. Schnell führt die Spur in die vermeintlich besseren Kreise, in die sich einige bürgerliche Fremdkörper eingeschlichen haben. Was mich bei dieser Serie von Anfang an doch überrascht hat ist, dass plötzlich noch jeweils ein Toter auftaucht, was in anderen Formaten eher die Ausnahme darstellte.

Ein neues Ermittler-Duo bringt eine völlig andere Note in das Geschehen, das insbesondere von Hans Ernst Jäger geprägt wird, der sich wie es scheint perfekt in jede noch so unterschiedliche Rolle hineinversetzen konnte. Es macht Spaß ihm dabei zuzusehen, wie er sich manchmal von Anderen, oder gewissen Umständen aufziehen lässt, und dann etwas mürrisch und fluchend reagiert. Man glaubt ebenfalls herauszuhören, dass er, möglicherweise aus seiner Erfahrung heraus, auf Kriegsfuß mit dem sogenannten Geldadel steht, und man hört des Öfteren spitze Bemerkungen wie zum Beispiel: »Eine Dame kauft sich keinen Nerz, sie lässt ihn sich schenken!«. Um seine miese Laune aus dem Tief herauszubekommen, stichelt er jedoch ebenfalls gerne, Humor und Prisen von Sarkasmus sind hier garantiert. Hans Elwenspoeck stellt das Kontrastprogramm zu ihm dar, er wirkt stets gemütlich und von Zeit zu Zeit etwas langsam, was den Inspektor zusätzlich Nerven kostet. Auch hier stellt die erweiterte Besetzung eine angenehme und glaubhafte Truppe dar, von Oberflächlichkeit bis Tiefsinnigkeit versuchte man alles möglichst gut abzudecken. Der Fall an sich erfordert erneut eine wache Aufmerksamkeit und weniger eine gute Kombinationsgabe, denn die Geschehnisse wirken doch etwas diktiert, weil sie zu plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Für den beinahe restlos zufriedenstellenden Gesamteindruck von "Die Frau im Nerz" sorgt das überraschungsgeladene Finale mit einigen Twists, die nicht unbedingt zu erwarten waren und Folge zwei präsentiert sich abschließend als sehr gelungener und schließlich runder Beitrag. Wer aber hätte auch daran gezweifelt, dass diese Ermittler-Granaten den Mord an Bahnsteig 18 nicht aufklären würden?


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 Post subject: Re: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
PostPosted: 02.08.2016 19:52 
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● FOLGE 5 | DIE NADEL (D|1963)
mit Gerd Brüdern und Horst Naumann
sowie Adelheid Seeck, Olga von Togni, Karel Stepanek, Walter Wilz, Narziss Sokatscheff,
Eva Christian, Hans Zesch-Ballot, Heidi Treutler, Rolf von Nauckhoff, Karl Schaidler, u.a.
eine Produktion der Intertel | im Auftrag des ZDF
Regie: Helmuth Ashley



In einem Krankenhaus verstirbt die wohlhabende, und seit längerer Zeit an einem Myokardschaden leidende Louise Großmann, Besitzerin eines bekannten pharmazeutischen Betriebes. Alles sieht nach einer vollkommen natürlichen Todesursache aus, doch per Zufall findet der behandelnde Arzt eine abgebrochene Injektionsnadel im Herzen der Verstorbenen. Ihr wurde eine tödliche Dosis Strophantin verabreicht. Kriminalkommissar Althoff und sein Assistent Gebhardt übernehmen die Ermittlungen und alle Spuren führen in das familiäre Umfeld der Ermordeten, die dem Vernehmen nach alles andere als beliebt gewesen sein muss. Doch das strikt eingegrenzte Feld an potentiellen Tätern glänzt eher durch Missgunst und Hass als Kooperationsbereitschaft...

Innerhalb der 41-teiligen Serie handelt es sich bei "Die Nadel" sicherlich um eine der interessantesten, wenn nicht sogar besten Folgen. Der eher unscheinbar klingende Titel wirkt spätestens nach der Feststellung, dass es sich um einen perfiden Mord handelt, genau so steril wie die komplette Szenerie und viele ihrer Charaktere. Nach wenigen Minuten stellt die Polizei und somit auch der Zuschauer fest, dass es sich bei der Toten weniger um eine bedauernswerte kranke Frau mit schwerem Schicksal gehandelt hat, sondern um eine zynische Sadistin, die alle in ihrem Umfeld mit ihrem Kapital im Würgegriff hielt. Die Erleichterung ist somit groß, als die eigentlich unerwartete Todesnachricht kommt. Langsam aber sicher werden die einzelnen Personen und deren Verhältnisse zueinander und vor allem zur Toten durchleuchtet und man findet einfach keine wirklichen Lichtblicke. Da wäre ihr Mann, der nur einer ihrer besseren Angestellten ist und gerne frei wäre für seine wesentlich jüngere Geliebte, ihre eigene Schwester, die offen von Hass spricht, oder die Hausdame, deren vorgespielter Respekt langsam aber sicher unglaubwürdig wird. Wie so häufig ist es der Zündstoff innerhalb von Familien, der für so manchen spektakulären Mordfall sorgte. In diesem Zusammenhang legt Regisseur Helmuth Ashley bei seiner Inszenierung großen Wert auf die beteiligten Charaktere und einen klaren Aufbau, der innerhalb der Ermittlungsarbeit präzise, aber ebenso unkonventionelle Momente bietet. In diesem Haus scheint es also von Verdächtigen zu wimmeln, das Motiv eines Jeden liegt auf der Hand, und falls nicht, bietet sich ein barmherziges Familienmitglied freundlicherweise an, die möglichen Beweggründe auf einem Silbertablett zu servieren. Doch das Ermittler-Duo greift hierbei nicht leichtfertig zu, was viele der Befragten nur noch nervöser, beziehungsweise aggressiver werden lässt.

Interessant bei dieser Serie ist eine Art garantierte Abwechslung bei den Ermittlern, da man in jeder Episode andere Personen und unterschiedliche Auffassungen präsentiert bekommt. Kriminalkommissar Althoff wird durch den leider bereits 1968 verstorbenen Gerd Brüdern dargestellt und er bietet dem Zuschauer eine ansprechende Variation an. Sachlich, aber auch fordernd und mit einer guten Kombinationsgabe ausgestattet, kann er wie aus dem Nichts zupacken, am liebsten sogar dann, wenn es keiner erwartet. Um gesellschaftliche Konventionen und die Ressentiment der besseren Gesellschaft scheint er sich wenig zu scheren, dementsprechend stößt er in dieser feinen Runde auch auf diverse Widerstände. Musterbeispiel für diesen Gegenwind stellt die wie immer so großartig aufspielende Adelheid Seeck dar, bei der man als Schwester der Toten noch nicht einmal von mangelnder Kooperationsbereitschaft sprechen kann, weil sie bereitwillig, wenn auch vollkommen gereizt, von sich aus Auskünfte gibt, das Verhör an sich reißt und den Polizisten vorweg greift, indem sie selbst Befragungen durchführt, beispielsweise mit ihrem eingeschüchterten Sohn. Ist es dieser Frau mit dem eiskalten Verstand eigentlich klar, dass sie die Motive am laufenden Band ans Tageslicht fördert, oder doch nicht? Lediglich ihren jüngeren Freund verschont sie, indem sie ihn mit aller Gewalt aus der Schusslinie zu bringen versucht. Diesbezüglich kommt man schließlich in den Genuss hochkarätiger Leistungen von Karel Stepanek, Narziss Sokatscheff, Walter Wilz und Olga von Togni, als mysteriöse Hausdame. Jeder könnte es gewesen sein, vermutlich haben alle diesem Mord auch schon einmal in Gedanken begangen und das Puzzle wird klassisch zusammengefügt und behält sich noch einige Überraschungen vor und mündet beim bitteren Ende in ein hervorragendes Finlale. Helmuth Ashleys Beitrag darf aufgrund der straffen Inszenierung und des unterhaltsamen Falls bestimmt als Klassiker der Reihe bezeichnet werden.


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 Post subject: Re: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
PostPosted: 05.08.2016 14:36 
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● FOLGE 12 | DER SCHLÜSSEL (D|1964)
mit René Deltgen und Wolf Rathjen
sowie Peter Pasetti, Gisela Uhlen, Grit Böttcher, Günther Schramm,
Eva Pflug, Karl John, Olga von Togni, Hans Cossy, Fritz Schmiedel
eine Produktion der Intertel | im Auftrag des ZDF
Regie: Helmuth Ashley



Auf einem privaten Empfang bei Werner Vilessen, dem Generaldirektor eines Pharmakonzerns, kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall, da der Prokurist der Firma, Herr Mansfeld, aus dem Fenster von Vielessens Arbeitszimmer stürzt. Zuvor gab es mit anderen Mitgliedern des Vorstandes eine hitzige Diskussion, da herauskam, dass Mansfeld 420000 DM unterschlagen hat. Als Mansfeld eine runde Million verlangt, weil er ansonsten einen Betrug im großen Stil aufdecken würde, was gepanschte Präparate für Afrika angeht, kommt es anschließend zu dem tödlichen Zwischenfall. Kriminalinspektor Bracht hat nun zu klären, ob es sich wie behauptet um einen Unglücksfall handelt, oder doch um Mord...

Wie in jeder anderen Kriminalserie auch, lassen sich natürlich stärkere und schwächere Fälle ausfindig machen und Folge 12 gehört sicherlich zu der ersten Gattung. Helmuth Ashleys Inszenierung beginnt in einem gehobenen Ambiente, böse Zungen würden vielleicht behaupten, dass die Hautevolee zum Tanz auf dem Vulkan geladen hat. Während die Männer, ein Rudel aus rücksichtslosen und eiskalt kalkulierenden Geschäftsmännern, es nicht schaffen, das Geschäft an einem solchen Abend auch einmal Geschäft sein zu lassen, sitzen die übrig gebliebenen Frauen beieinander und versuchen gegen die gepflegte Langeweile anzukämpfen. Wahlweise tun das die Damen, indem sie sich hinterhältig aber kultiviert gegenseitig in der Luft zerreißen und man nimmt gepfefferte Wortspitzen wahr, bei denen insbesondere Grit Böttcher glänzen wird. Im Arbeitszimmer des Gastgebers brennt die Luft ebenfalls aufgrund einer Krisensitzung und wenig später bekommt der Zuschauer auch schon einen Toten serviert. Die Tatsache, dass es als Selbstmord deklariert wird hilft nicht über den Eindruck hinweg, dass man bei diesem Sturz aus einem der obersten Stockwerke des Gebäudes nachgeholfen hat, und auch die übersichtliche Anzahl an mutmaßlichen Tätern tut dem Thema Spannung und Brisanz von "Der Schlüssel" keinem Abbruch. Der tödliche Zwischenfall ruft schnell die ermittelnde Figur auf die Karte, die von René Deltgen hartnäckige und durchaus bissige Züge bekommt, allerdings besitzt er auch die Fähigkeiten sich situationsbedingt gut anzupassen, beispielsweise wenn er eher behutsam mit der Witwe Mansfeld spricht. Polizei und Zuschauer haben eigentlich keinerlei Zweifel daran, dass es sich um ein Verbrechen handelt, doch die Schwierigkeit besteht darin, es einer derartig eingeschworenen Gemeinschaft nachzuweisen.

Im Spektrum von Geld, Macht, Hass und Rücksichtslosigkeit sind in diesem Genre schon unzählige Verbrechen aufgezählt und aufgeklärt worden, Kriminalinspektor Bracht muss zunächst einmal alle Ansatzpunkte, sowie die unterschiedlichen Personen ordnen, um in diesem Fall weiter zu kommen. René Deltgen bestückt seinen Ermittler mit Routine und Erfahrungswerten, seine Spürnase bringt ihn intuitiv in die passende Richtung, sodass er auch am Widerstand der Personen, der sich hauptsächlich aus gesellschaftlich-konventionellen Gründen aufbaut, nicht scheitert. Peter Pasetti, erneut in weltmännischer Manier, stattet Generaldirektor Vilessen mit harten und unaufgeregten Zügen aus, seine Steigbügelhalter sind seine engsten Vertrauten in Form von gut aufspielenden Interpreten wie Günther Schramm und Hans Cossy. Besondere Momente bieten Gisela Uhlen als Frau Generaldirektor und Olga von Togni, die angepassten Ladies der High-Society, vor allem aber Grit Böttcher überrascht mit einem Ausbruch aus ihren üblichen Spielgewohnheiten. Permanent fällt die auch optisch vollkommen gewandelte Interpretin mit ihren angriffslustigen Kommentaren auf, die nur einen Zweck haben, nämlich unter die Gürtellinie zu treffen. Eine legitime Möglichkeit, um die Langeweile zu vertreiben. Eva Pflug und Karl John runden das aufgeladene Geschehen sachdienlich ab und man kann beruhigt der Arbeit der Polizei folgen, außerdem macht die Beschau der noblen Herrschaften großen Spaß, da sich die meisten winden und an Schadensbegrenzung interessiert sind. Bis es schließlich zur Auflösung in Rückblendenform kommen kann, werden zuerst noch etliche Personen entlarvt und demaskiert, falls nicht im kriminalistischen Sinne dann aber wenigstens im moralischen. "Der Schlüssel" ist ein sehr sehenswerter der 13 Beiträge des Wiener Regisseurs Ashley für "Das Kriminalmuseum" geworden, der innerhalb der Konkurrenz hervorsticht.


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 Post subject: Re: DAS KRIMINALMUSEUM - Helmuth Ashley, Wolfgang Becker, u.a.
PostPosted: 05.08.2016 15:25 
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effetess wrote:
Ja, sehenswert. Nur die Aufnahmen in der Villa sind leider so dunkel auf der DVD, dass es fast keinen Spaß mehr macht. Das Filmmaterial war wohl schlecht gelagert, schade. Die Außenaufnahmen sind gut erhalten.

Ich verfrachte es vom Filmtagebuch mal hier herein. Es stimmt, da gibt es schon ziemlich viele qualitative Schwankungen bei der Serie.
Ist bei Folge 12 auch besonders auffällig gewesen, das habe ich anhand der Screenshots gemerkt, die fast alle nicht zu gebrauchen waren.
Man muss sich eben an die tollen Dialoge halten, die in der Dunkelheit zu hören sind. :D
Aber was solls. Die Serie macht auch so eine Menge Spaß, finde ich jedenfalls.


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