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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE TOTE VON AMELUNG - Hajo Gies
PostPosted: 25.01.2016 14:35 
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● DIE TOTE VON AMELUNG (D|1995) [TV]
mit Paul Herwig, Heinz Meier, Brigitte Janner, Dieter Montag, Julia Bremermann, Horst-Günter Marx, Eva Blum,
Borys Ponew, Michael Gwisdek, Tilly Lauenstein, Dieter Laser, Inge Wolffberg, Udo Schenk sowie Irm Hermann
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Dreiteiler von Hajo Gies




Auf der Nordseeinsel "Amelung" ereignet sich in einer stürmischen Nacht ein heimtückischer Mord. Maria Albrecht (Andrea Heuer), die Witwe des Inselpastors, wird Opfer dieses Verbrechens. Sie wurde erstickt, indem der Täter sie mit heißem Kerzenwachs überschüttet hatte. Auf der Insel gibt es lediglich sechsunddreißig Bewohner, die plötzlich fast alle zu Tatverdächtigen werden. Als die Polizei vom Festland her auftaucht und in diesem Fall Ermittlungen anstellt, ist die eingeschworene Inselgemeinschaft dementsprechend nervös und aufgeschreckt, da Alibis gefordert werden. Der erfahrene Kriminalbeamte Sigurd Flotow (Heinz Meier) und sein junger Assistent Jan Mendel (Paul Herwig), sehen sich mit vielen Widerständen und großem Misstrauen konfrontiert und daher lässt sich für lange Zeit kaum Licht ins Dunkel bringen. Fernab des Verbrechens fördert das Durchleuchten der Personen schließlich zahlreiche andere Abgründe zutage, doch ein stichhaltiges Motiv lässt sich auch nach mehreren Tagen noch nicht finden...

Ab Mitte der 90er-Jahre kam es zwischen dem Privatsender RTL und der Berliner Produktionsfirma Rialto Film zu einigen Kollaborationen im TV-Sektor, wie beispielsweise die fürs Fernsehen in zwei Staffeln produzierten Edgar-Wallace-Beiträge. Auch "Die Tote von Amelung" fällt in dieses Zeitfenster und wurde seinerzeit als großes TV-Happening angekündigt. Aus der Erinnerung heraus bleibt das Empfinden eines regelrechten Wettrüstens im Bereich von Mini-Serien und Mehrteilern, insbesondere zwischen Sat.1 und RTL, was allerdings auch der Tatsache geschuldet sein kann, dass von mir einfach mehr aktuelles Fernsehen zur damaligen Zeit konsumiert wurde, und daher ein solcher Eindruck geblieben ist. Dennoch darf ruhig gesagt werden dass derartige Formate, für die ausgiebig die Werbetrommel gerührt wurde, ziemlich en vogue waren und sich einer großen Beliebtheit erfreuen konnten. Die Erinnerung bei Filmen und Serien mit kriminalistischen Inhalten lässt mich persönlich nie im Stich, beinahe möchte ich daher von einem Elefantengedächtnis sprechen, doch rund um "Die Tote von Amelung" ist eigenartigerweise nicht viel übrig geblieben. Wie üblich konnte ich mich zwanzig Jahre lang an den unkonventionellen Mord und das Set erinnern, sogar die begleitende Musik und die der Titelsequenz war wie eingebrannt, außerdem erschienen die beteiligten, zum Teil äußerst kruden Inselbewohner noch ganz greifbar zu sein. Allerdings war die Auflösung mit dem vorgebrachten Motiv wie ausgelöscht, was für mich wie gesagt sehr ungewöhnlich ist und daher quasi den Status einer Erstsichtung mit sich brachte. Einerseits ist es natürlich schön, einen eigentlich bekannten Mehrteiler nochmals neu entdecken zu können, aber andererseits machte sich dadurch der ungute Gedanke breit, dass ein absolut beeindruckendes Finale vielleicht nicht so einfach aus dem Gedächtnis gestrichen worden wäre. Nichtsdestotrotz bleibt die Vorfreude auf hoffentlich überzeugende Krimistunden³ mit gut aufgebautem, oder viel lieber noch spektakulären Verlauf. Offen dabei bleibt, welche Erinnerungen von damals bestätigt, oder wie viele sich einfach in Wohlgefallen auflösen werden.


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 Post subject: Re: DIE TOTE VON AMELUNG - Hajo Gies
PostPosted: 15.09.2020 21:53 
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DIE TOTE VON AMELUNG

● Teil I - DIE TOTE VON AMELUNG / DIE GLOCKE VON AMELUNG (D|1995) [TV]
mit Paul Herwig, Heinz Meier, Brigitte Janner, Dieter Montag, Julia Bremermann, Horst-Günter Marx, Eva Blum, Boris Ponev,
Tilly Lauenstein, Irm Hermann, Udo Schenk, Michael Gwisdek, Dieter Laser, Inge Wolffberg, Romy Kuehnert und Andrea Heuer
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Hajo Gies


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»Amelung wird nichts sein als ein Rauschen in der See!«

Die abgeschiedene und sonst eher verschlafen wirkende Insel Amelung gerät in Aufruhr, da die Pastorenwitwe Maria Albrecht (Andrea Heuer) vor der Nacht zum traditionell stattfindenden Kartoffelfeuer tot aufgefunden wird. Dass sie mit heißem Kerzenwachs übergossen wurde, und daran erstickte, spricht eindeutig für Mord. Bereits am nächsten Tag rückt ein Team der Mordkommission an, um diesen rätselhaften Fall aufzuklären, doch die Kriminalbeamten Jan Mendel (Paul Herwig) und Sigurd Flotow (Heinz Meier) stoßen auf äußerst misstrauische Insulaner, die dem Anschein nach kaum daran interessiert sind, dass der Fall aufgeklärt wird...

In einer Zeit, in welcher nicht selten aufwändig produzierte Mehrteiler einschlägig bekannter Privatsender Mode waren, entstand auch Hajo Gies' "Die Tote von Amelung", die seinerzeit massiv beworben wurde. Egal, wie man zu dem Endprodukt stehen mag, eines kann diesem Insel-Krimi sicherlich attestiert werden: er verfügt über eine der einprägsamsten Ermordungsszenen der jüngeren TV-Geschichte. Gies startet seinen Dreiteiler mit sehr einprägsamen Bildern und einer in Teilen blitzartigen Einführung bestimmter Charaktere, nachdem sich die Verwirrung über den im Vorspann angekündigten Titel "Die Glocke von Amelung" gelegt hat. Vermutlich wurde der endgültig vermarktete Titel der Publikumswirksamkeit wegen erst anschließend platziert. Szenen mit der ausgelassen wirkenden und zu Veronika Fischers Schlager "Sag dem Wind" tanzenden Titelfigur lassen trügerische Momente aufkommen, die sich wenige Augenblicke später entladen. Die fiktive und mit kruden Zeichnungen versehene Insel Amelung wird mit einem bestialischen Mord konfrontiert, der Externe dazu veranlassen wird, die eingeschworene Gemeinschaft zu stören. Die Isolation Amelungs wird durch ihre Bewohner charakterisiert, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, doch irgendwie auch untrennbar miteinander verbunden sind. Die ersten Szenen werden dem Publikum ohne Zusammenhänge präsentiert, nicht aber ohne für die Gewissheit zu sorgen, dass man es mit einem strapaziösen Puzzlespiel zu tun bekommen wird, welches womöglich nur von erfahrenen Kriminal-Experten zusammengefügt werden könnte. Als die Polizei jedoch überfährt, macht sich zunächst ungläubige Ernüchterung breit, da beide Herren wie potentielle Steigbügelhalter des Mörders wirken, was im Klartext bedeutet, dass man ihnen jegliche Kompetenz absprechen möchte. Der Unerfahrene von beiden soll erst drei schmale Tage bei der Mordkommission im Dienst sein und wirkt nicht sehr gefestigt und unsicher, der Erfahrene von ihnen wird immer wieder von seinem offenkundigen Alkoholproblem eingeholt.

Die Vorstellungen oder Selbstinszenierungen der Insulaner bringen kaum Licht in diese nebulöse Angelegenheit, auch die Arbeit der Ermittler schießt entweder weit über das Ziel hinaus, oder vermag lediglich die Peripherie zu touchieren. Hajo Gies macht sich das Vakuum der Insel geschickt dienstbar, um so viele gebündelte Eindrücke und Rätsel zu präsentieren, wie irgend möglich. Als Zuschauer verspürt man eine permanente Verwirrung, dies nicht zuletzt, weil das Verbrechen eigentlich jedem zuzutrauen wäre. Das Mordopfer bekommt sukzessive neue Charakterisierungen und Facetten, nur die Konstellationen untereinander erschließen sich schleppend, da die Regie dagegen arbeitet, bis die eigene Kombinationsgabe auf eine harte Probe gestellt wird. War es ein Verbrechen aus Leidenschaft, Habgier oder Hass? Mit möglichen Motiven fischt man in Episode I permanent im Trüben, sodass der weitere Verlauf für zusätzliche Aufklärung sorgen muss. Die schauspielerischen Leistungen wirken hier in den meisten Fällen überaus interessant, wenn auch teilweise gnadenlos überzeichnet, was jedoch zu einem fast unbeschreiblichen Flair beitragen kann. Durch die Verwendung von immer wieder einschießenden Rückblenden und düsteren Berichterstattungen, die teilweise wie waschechte Prophezeiungen wirken, kommt hin und wieder fast schon eine gruselige Atmosphäre auf, die durch unzähmbare Naturgewalten angefeuert wird. Immer wieder schemenhaft begleitet durch ein Lied, das die Ermordete dem Vernehmen nach im Film einst selbst gesungen haben soll, kommt es einem so vor, als bestehe ein immens hoher Widerstand gegen ein natürliches Schließen des Kreises. "Die Tote von Amelung" profitiert in besonderer Art und Weise vom Schauplatz des Verbrechens, welcher teils wunderbare Aufnahmen in herbe Kontraste zu erschreckenden Bildern lenkt, aber auch die Erzählstruktur, die ungeordnet, nervös und manchmal sogar chaotisch wirkt, weiß zu überzeugen. Ein kleiner Cliffhanger beendet diesen ersten Teil, der nachhaltig Spannung fabrizieren und Verwirrung stiften kann, sodass die Neugier auf weitere Enthüllungen groß ausfällt.


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