Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 18.06.2019 04:41

All times are UTC + 1 hour [ DST ]




Post new topic Reply to topic  [ 1 post ] 
AuthorMessage
 Post subject: HAUNTING IN LONDON - Richard Loncraine
PostPosted: 11.04.2019 13:56 
Offline

Joined: 11.2017
Posts: 165
Gender: Female
"Haunting in London" ('Full Circle') (Großbritannien / Kanada 1976)
mit: Mia Farrow, Keir Dullea, Tom Conti, Jill Bennett, Robin Gammell, Cathleen Nesbitt, Edward Hardwicke, Anna Wing, Mary Morris, Pauline Jameson, Peter Sellis, Arthur Howard, Sophie Ward, Nigel Havers, Ann Mitchell, Julian Fellowes u.a. | Drehbuch: Dave Humphries basierend auf einer Adaption von Harry Bromley Davenport nach dem Roman "Julia" von Peter Straub | Regie: Richard Loncraine

Julia und Magnus Loftings Tochter Katty erstickt beim Frühstück an einem Apfel. Julia wird mit dem Verlust nicht fertig und beschließt, sich von ihrem Mann zu trennen und ein neues Leben zu beginnen. Sie kauft sich ein Haus in Kensington, wo sie immer wieder mit der Erinnerung an ihre tote Tochter konfrontiert wird. Mrs. Fludd, die mit ihren Freunden eine Séance abhält, berichtet von der Anwesenheit des Bösen und rät Julia dringend, das Haus zu verlassen. Diese findet heraus, dass ein Mädchen namens Olivia einst hier lebte und auf eine ähnliche Weise starb wie ihre Tochter Katty....

Image Image Image


Mia Farrow scheint prädestiniert für Rollen dieser Art; ihre bekannteste Gruselrolle hatte sie wohl in Polanskis Kultfilm "Rosemary's Baby" (1969). Die Tochter des Regisseurs John Farrow und der Schauspielerin Maureen O'Sullivan wirkt verletzlich und durchsichtig, als käme sie selbst direkt aus der Welt der Geister. Ihr Wunsch, sich zu behaupten, um das durchzusetzen, was ihr als wichtig erscheint, verleiht ihr Energie. Das sanfte Licht des Londoner Herbstes, die cremigen Farben ihres neuen Zuhauses und die Erdtöne ihrer Kleidung, die im Laufe der Handlung mit ihrer ätherischen Ausstrahlung verschmelzen, verleihen der Geschichte eine fragile Note. Der Zuschauer lebt mit dem Gefühl, als könnte sich alles jederzeit in Luft auflösen wie ein ästhetischer Traum. In weiten Teilen des Films ist Julia allein in dem großen Haus, streift durch seine Räume und scheint auf etwas zu warten, das sie zugleich fürchtet und herbeisehnt. Es ist die Erfahrung des Todes, die sie sensibel für das Leid anderer gemacht hat und sie zur hartnäckigen Detektivin werden lässt. Klassische Elemente des Spukhaus-Films, wie das grausame Verbrechen in der Vergangenheit, das nach Aufklärung dürstet, dominieren die Handlung ebenso wie eine Atmosphäre des Seelenfriedens, den Julia trotz aller Anzeichen einer übernatürlichen Präsenz in ihrer neuen Umgebung zu finden scheint.

So läuft alles sehr dezent ab; ein Licht, ein überhitzter Heizkörper, ein blondes Mädchen im Park oder sanfte Schritte auf der Treppe. Dies begründet sich in der Bereitschaft Julias, sich auf den Gast aus der Vergangenheit einzulassen, der nach und nach eine gefährliche Symbiose mit ihr eingeht, ohne dass es ihr bewusst wird. Der Wunsch nach Rache wird von anderen Personen an sie herangetragen, gleichzeitig warnen sie gute Freunde, die Finger von der Sache zu lassen. Julias Festhalten am einmal Beschlossenen mag naiv wirken, schließt aber den titelgebenden Kreis. Der italienische Filmtitel lautet übrigens "Demonio dalla faccia d'angelo" (Der Dämon mit dem Engelsgesicht) und weist auf das Böse hin, das hinter der Fassade von Unschuld schlummert. Freilich ist diese Kombination weitaus faszinierender als ein auf den ersten Blick abstoßend aussehender gewöhnlicher Verbrecher, der sich der üblichen Methoden bedient. Die Subtilität, mit der die Tötungen ablaufen, zeigt die Zerbrechlichkeit des Gefüges, das wir Leben nennen und dessen Grenzen im Geisterfilm fließend sind. Julia und Olivia als Gegner oder Verbündete? Die helfende Hand, die Zerstörung und Tod verursacht? Die feinsinnige Poesie der britisch-kanadischen Co-Produktion erweist sich als überaus wirksam und hängt wie ein Echo lange nach dem Abspann in der Luft. Dazu tragen freilich neben den überzeugenden Darstellerleistungen auch die Musik und die Schauplätze bei, die neben einer diskreten Eleganz ein authentisches Flair verbreiten.

Fazit: Mia Farrow trägt den Film im Alleingang, obwohl sie tatkräftige Unterstützung von Licht und Schatten, sowie einem einlullenden Drehbuch erhält, das sich auf die wesentlichen Elemente der Geschichte konzentriert. Kunstvoll gefilmt und musikalisch auf angenehmste Weise untermalt.


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 1 post ] 

All times are UTC + 1 hour [ DST ]


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker