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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: TÖDLICHE BEUTE - David A. Prior
PostPosted: 19.05.2019 12:22 
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Deadly Prey
(Tödliche Beute)
USA 1987 - Written & Directed by David A. Prior
Starring: Ted Prior, David Campbell, Cameron Mitchell, Suzanne Tara, William Zipp, Fritz Matthews, Dawn Abraham, Troy Donahue...


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Colonel Hogan (David Campbell, Scarecrows) glaubt nicht an Kriegsspiele. Aus diesem Grund wird im Söldnercamp, das er in einem ländlichen Teil Kaliforniens leitet, auch nicht mit Platzpatronen aufeinander geschossen. Nein, hier trainieren die Söldner-Azubis mit scharfer Munition, und sie töten Menschen, unfreiwillig rekrutierte Teilnehmer, die von den Straßen von Los Angeles geholt und im Wald halbnackt ausgesetzt werden, wo sie im Anschluß von der Meute gejagt und erlegt werden. So weit, so schlecht. Dann unterläuft ihnen jedoch ein gravierender Fauxpas, denn Hogans Leute krallen sich ausgerechnet Morgenmuffel Mike beim Müllraustragen, und dieser Mann heißt mit vollem Namen Michael Danton, ist ein von Hogan ausgebildeter Kriegsveteran und wird gespielt von niemand Geringerem als Ted Prior, dem Bruder des Regisseurs. Mike ist mit der ihm zugedachten Opferrolle nicht wirklich einverstanden. Er schlägt zurück, mit den härtesten Bandagen. Da bleibt selbst Sybil (Dawn Abraham), der einzigen Frau im Camp, die Spucke weg: "He went through our men like they just were toy soldiers."

Tja, dumm gelaufen. Bei jedem anderen hätte es am Ende des Tages vermutlich bloß einen Toten gegeben, maximal vielleicht zwei Tote (für Versager gibt es hier kein Pardon; die werden auf der Stelle erschossen). Aber dank Michael Danton ist die Bilanz dieses Mal eine andere, und wenn der Drops endlich gelutscht ist, liegen so um die fünfundsechzig Leichen im Wald verstreut herum, und das stolze Söldnercamp ist Geschichte. Da würde selbst die Legende John Rambo anerkennend nicken. Mit Deadly Prey schuf B-Filmemacher David A. Prior (1955 – 2015) einen der ganz großen Kultklassiker des alternativen Actionfilms. Alternativ insofern, weil der Streifen, nüchtern betrachtet, ein lachhafter Haufen Grütze ist, und deshalb langt es auch nur zum großen Kultklassiker im alternativen Kosmos, dem bunt-schillernden Bad-Movie-Universum. Aber so schlecht der Film auch ist, auf seine eigene, verquere Weise funktioniert er ganz prächtig. Als Zuschauer fiebert man mit Mike nicht nur voll mit, man feiert auch jedes einzelne Mal ab, wenn er wieder einen der so dummen wie brutalen Schurken zur Strecke bringt.

Und wie oben schon angedeutet, gibt es in dieser Hinsicht viel zu feiern. Einen nach dem anderen schickt unser Antiheld unsanft über den Jordan, mit Unterstützung von Pistolen, Gewehren, Granaten, Bazookas und fiesen Booby-Traps, aber auch mit seinen bloßen, kräftigen Händen. Leider hat das Budget für ausgefeilte Spezial- und Make-Up-Effekte nicht gereicht, aber das tut dem Spaß kaum Abbruch, was nicht zuletzt auf Ted Prior (Killer Workout) in der Hauptrolle zurückzuführen ist. Seine darstellerischen Defizite - der Mann ist vieles, aber ein begnadeter Schauspieler ist er nicht - macht er anderweitig wieder wett. Zum Beispiel punktet er mit seiner durchaus eindrucksvollen Physis. Und mit seinem lustigen Laufstil, seinen irren Grimassen, seiner geilen Haarmähne. Und, last but not least, mit seinem Einsatz. Ted legt sich ordentlich ins Zeug, gibt alles, was er zu geben hat. In einer Szene verputzt er gar einen stattlichen, frisch aus dem Boden gepuhlten Wurm, nicht jedoch, ohne ihn zuvor mit seiner Spucke zu reinigen. Ob er die Ratte, die er über dem Lagerfeuer grillt, ebenfalls verspeist hat, ist hingegen nicht überliefert.

Hauptschauplatz des unerhört launigen Machwerks ist ein im San Fernando Valley gelegenes Waldstück, und folgerichtig gibt es jede Menge Wald-Action zu sehen. Da wird munter durch den Wald gelaufen, geschlichen, getrampelt, gepirscht und gestolpert, und wenn ein Lebenslicht ausgeblasen wird, dann wird natürlich auch gefallen bzw. - im Anlaßfall - gehechtet (Stichwort: Granatenexplosion). So kostengünstig der temporeiche Streifen auch produziert wurde, ein paar Schauwerte gibt es dennoch zu bestaunen. Die platzenden Blutbeutel bei Kugeleinschlägen sind nett, der Pflock-durch-den-Hals-Gag ist toll, das Skalp sieht hübsch eklig aus, und bei der Sequenz, in der Michael einem Typen mit seiner Machete den Arm amputiert und diesem danach mit dem abgetrennten Teil die Fresse poliert, möchte man am liebsten aufspringen und applaudieren. Neben dem kleinen Waffenarsenal hat Prior auch einen Panzer und einen Hubschrauber organisiert. Letzterer wird sogar vom Himmel geschossen. Nun ja, man sieht den Helikopter, man sieht den Schützen, etwas explodiert. Was genau, das läßt sich nicht mal erahnen.

Wohl mit dem Hintergedanken, seinen potentiellen Direct-to-Video-Kracher damit besser vermarkten zu können, hat Prior zwei (ehemalige) Stars mit an Bord geholt. Als Vater von Jaimy (Suzanne Tara), Mikes Frau, ist Cameron Mitchell (The Toolbox Murders) zu sehen, und den reichen Geschäftsmann, der die fertigen Söldner irgendwo einzusetzen gedenkt, gibt Troy Donahue (Monster on the Campus). An der Qualität ändert das nichts; das ist kein Film, den man ernst nehmen kann, trotz des einen oder anderen garstigen Einfalls. Am besten funktioniert Deadly Prey als realgewordener Cartoon, nicht zuletzt, weil Prior auf eine Charakterisierung der Figuren völlig verzichtet. Die sind entweder gut oder böse. Außerdem ist das Dargebotene über weite Strecken derart dilettantisch, unbeholfen und schlichtweg lächerlich in Szene gesetzt, daß sich der Glaubwürdigkeitsfaktor im niederen einstelligen Prozentbereich einpendelt. Da man aber die Leidenschaft und die Begeisterung, welche die Macher in ihren Graf-Zaroff-trifft-Rambo-Verschnitt investierten, jederzeit spürt, spielt das alles keine Rolle. Es sei denn, man ist eine notorische Spaßbremse.

PS: Mike Danton gibt es auch als Actionfigur! Yeah, baby, yeah!

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