Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 19.11.2018 13:01

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: DIE UNBESIEGTEN - Cecil B. DeMille
BeitragVerfasst: 03.06.2018 16:22 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2017
Beiträge: 864
Geschlecht: nicht angegeben
„Die Unbesiegten“
Originaltitel: „Unconquered“
USA 1947
Regie: Cecil B. DeMille
Darsteller:
Gary Cooper,
Paulette Goddard,
Boris Karloff,
Ward Bond,
Mike Mazurki

Bild

England, 1763: Die Angeklagte Abby Hale (Paulette Goddard) entgeht ihrem Todesurteil, indem sie als Sklavin in die amerikanischen Kolonien geschickt wird. Während ihrer Deportation lernt sie Kapitän Christopher Holden (Gary Cooper) kennen, der sie von ihrem Sklavenhändler freikauft. Dies missfällt dem Waffenschmuggler Garth – denn auch dieser ist an Abby (nicht nur platonisch) interessiert und er schafft es schließlich, sie in seine Gewalt zu bringen. Unterdessen stattet Garth den Häuptling der Senecas (Boris Karloff) mit Waffen aus, damit der Stamm gegen die angekommenen Siedler gewaltsam vorgeht. Die blutigen Auseinandersetzungen gipfeln im Kampf um ein Fort, das zur letzten Bastion der Siedler wird…

Bild

Der kolonialistische Plot der „Unbesiegten“ positioniert sich eindeutig auf der Seite der Siedler, wohingegen die Indianer – alleine schon in ihrer stets aufflammenden Grausamkeit – als die wilden Barbaren dargestellt sind. Insofern kann man DeMilles Film zum Genre der „frontier“-Western reihen, die den Mythos von der US-amerikanischen Landbesiedlung erzählen, wobei dieser nationale Mythos sicherlich ebenso eine kulturelle Eroberung bezeichnet. Der ungebrochene Eroberungswille der Siedler wird dabei mit deren Freiheitsdrang (!) legitimiert. Gleichwie im Film aber auch eine ethnische Binarität – wie oben angesprochen – zwischen den freiheitsliebenden Siedlern (also: den ins fremde Land Eindringenden) und den als primitiv skizzierten Indianern (also: den ursprünglich dort Lebenden) gesetzt wird. Das für mich Großartige an „Die Unbesiegten“ wäre jedoch, dass sich für diese (ideologische) Mythenbildung DeMille eigentlich nur sehr oberflächlich interessiert. Wer sein Werk nur ein wenig kennt – und besonders seine Filme aus der Zeit noch vor dem Production Code (leider kenne ich hier auch nur eine Hand voll davon) –, der weiß, dass die (bis heute eindrucksvolle) Qualität des Regisseurs vor allem im opulenten Inszenieren liegt, im Hervorbringen von kinospezifischen Schaueffekten. Sein Film „Madam Satan“ etwa, 1930 gedreht, weist geradezu ein unglaubliches Finale mit einer Zeppelinkatastrophe auf; oder wird können hier an die antiken Studiobauten in DeMilles „The Sign of the Cross“ (1932) und in dessen „Cleopatra“ (1934) denken; auch kommt dem Zuschauer hierbei das Zugspektakel in DeMilles Western „Union Pacific“ von 1939 in den Sinn, der gleichfalls den Siedlermythos aufgreift.

Bild

Solch extravagante inszenatorische Besonderheiten, wie sie die genannten Beispiele so zahlreich aufweisen, finden sich denn gleichsam im vorliegenden Film, wobei hier zugleich der Schlusskampf, wenn die Indianer die filmstudiohafte Befestigung des Forts stürmen, exemplarisch heraussticht. Darüber hinaus wäre auf eine Verfolgungsjagd im dichten Wald zu verweisen, die letztlich in einem dramatischen Wasserfallabsturz des flüchtenden Kanus endet. Einfach fantastisch von DeMille umgesetzt! Während somit die politisch ideologischen Implikationen des Siedlermythos nur vorgeschobenes Dekor zu sein scheinen – ja, nur das Motiv für das filmische Spektakel sind –, konzentriert sich der Film eigentlich auf Abby und Kapitän Christopher Holden, die mehr und mehr als Liebespaar zusammenfinden. Und natürlich wäre es kein Film von DeMille, wenn nicht auch die Erotik sich Bahn brechen würde. Denn wie DeMille erotische Sequenzen gestaltet – oder präziser ausgedrückt: wie es ihm immer wieder gelungen ist, solche Szenen durch die strengen Augen der moralisch Guten zu schmuggeln, dies ist wahrlich ein Fall für sich. In „Die Unbesiegten“ ist es wiederum eine Badeszene im Stile von „Cleopatra“, die diesbezüglich heraussticht, und auch die Folterszene, wenn Abby am Marterpfahl der Indianer gefesselt ist und ihr mit einer Adlerkralle die Kleidung und die Haut zerfetzt werden, kann nur als überdeutlich sadomasochistisch bewertet werden.

BildBild

Im Vergleich zum ähnlich gelagerten „Drums Along the Mohawk“ von Ford, 1939 entstanden, ist DeMilles „Die Unbesiegten“ dann wohl möglicherweise der weniger ambitioniertere Film, wenn wir die Genrebildung des „frontier“-Western zu berücksichtigen haben. Dahingehend würde ich einen weiteren „DeMille“ in „Unconquered“ sehen, der besonders dem „Auge“ ungeheuren Spaß macht… sicherlich nicht das Schlechteste für einen Film…

(Bildquelle: imdb.com)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNBESIEGTEN - Cecil B. DeMille
BeitragVerfasst: 05.06.2018 06:21 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.2015
Beiträge: 130
Geschlecht: männlich
Gute Zusammenfassung dieses Films, den man sich wohl wieder einmal anschauen müsste. Ich habe ihn vor sehr vielen Jahren gesehen. Ergänzend zu Howard Vernons Artikel kann ich hinzufügen:

- Er erinnert in seiner Frontier-Mentalität außerdem an DeMilles "Die scharlachroten Reiter", den ich aber - ähnlich wie "Die Unbesiegten" - keinesfalls zu des Regisseurs Highlights zählen würde.

- Wenn ich mich recht erinnere, gibt es gegen Anfang noch eine zweite Beinahe-Folterszene, in der Abby ausgepeitscht werden soll. Die Zensur hat das ebenfalls verhindert. Damals begnügten sich Lüstlinge anscheinend eher mit der Vorstellung sadomasochistischer Szenen. Kopfkino auf der Leinwand?

- Ich weiß nicht, ob es Lex-Barker-Fans hier gibt. Jedenfalls gilt es als beliebtes Rätsel unter Fans, ob und wo Lex in diesem Film zu sehen ist. Der Streifen taucht nämlich definitiv in seiner Filmographie auf - er ist praktisch nicht zu sehen.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNBESIEGTEN - Cecil B. DeMille
BeitragVerfasst: 05.06.2018 09:37 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 11.2009
Beiträge: 4615
Geschlecht: nicht angegeben
Von den 4 episch angehauchten Großwestern die De Mille ab Mitte der 30er gedreht hat (den fünften The Squaw Man von 1931 kenne ich nicht), und die große Themen mit großem Spektakel auf die Leinwand brachten, ist Unconquered allerdings der Schwächste.
Spaß machen sie mir alle, trotz mancher Klischees und einer sehr patriotischen Geschichtsinterpretation und trotz zu vieler zu offensichtlicher Studioszenen und dem eher hölzernen Cooper in den Hauptrollen, aber De Milles Sinn für das effektvoll Grandiose verbunden mit seinen inszenatorischen Fähigkeiten siegt.

Der Schönste ist Union Pacific (1939), in dem Joel McRea in der Cooper Rolle überzeugt.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNBESIEGTEN - Cecil B. DeMille
BeitragVerfasst: 05.06.2018 15:39 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2017
Beiträge: 864
Geschlecht: nicht angegeben
Pacer Burton hat geschrieben:

- Wenn ich mich recht erinnere, gibt es gegen Anfang noch eine zweite Beinahe-Folterszene, in der Abby ausgepeitscht werden soll. Die Zensur hat das ebenfalls verhindert. Damals begnügten sich Lüstlinge anscheinend eher mit der Vorstellung sadomasochistischer Szenen. Kopfkino auf der Leinwand?



Ich war recht erstaunt, wie brutal die Indianer (alleine das äußere Erscheinungsbild mit einem absurd kostümierten Boris Karloff - siehe Bild) hier dargestellt werden; kann es sein, dass DeMille sich so einige Kapriolen erlauben durfte, die anderen Regisseuren vielleicht nicht möglich gewesen wären? Es gibt ja in seinen beiden Filmen, die in der Antike spielen, so einige Überschreitungen des (damals) guten Geschmacks (zum Beispiel die Arena-Szene mit den Christen in IM ZEICHEN DES KREUZES) - das war zwar noch vor dem Hays Code, doch für das zeitgenössische Publikum doch ziemlich "starker Stoff"...

bei der Foltersequenz in DIE UNBESIEGTEN reißen zumindest die Indianer-Frauen der guten Abby zuvor noch die Kleider vorm Leib, so dass sie nur noch in Unterwäsche den Blicken ausgesetzt ist... dann kommt die Adlerkralle...

im Film kommt es vorher noch - vor der Indianer-Episode - zu einer Auspeitschung, als Abby bei dem Helfershelfer des Waffenschmugglers auf dem Markt arbeitet; ihr wird das Kleid vom Rücken gerissen und anschließend kann sie sich waschen... sollte diese Szene vielleicht zensiert worden sein?...


Zuletzt geändert von Howard Vernon am 05.06.2018 16:16, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNBESIEGTEN - Cecil B. DeMille
BeitragVerfasst: 05.06.2018 15:54 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2017
Beiträge: 864
Geschlecht: nicht angegeben
Stanton hat geschrieben:
Von den 4 episch angehauchten Großwestern die De Mille ab Mitte der 30er gedreht hat (den fünften The Squaw Man von 1931 kenne ich nicht), und die große Themen mit großem Spektakel auf die Leinwand brachten, ist Unconquered allerdings der Schwächste.



Von DeMilles Western kenne ich bislang nur "Union Pacific" und "Die Unbesiegten" - von diesen beiden würde ich auch den ersten als besseren einschätzen (mir gefallen natürlich auch beide)... was DeMille hier vielleicht etwas gebremst haben könnte, in seiner Inszenierungs-Wut, wäre vielleicht, dass doch so einige Szenen im dichten Wald spielen und er dann nicht so das große Feld für seine Spektakel-Schlachten hatte; die Waldszenen, als sich zum Beispiel der Charakter von Cooper und des Begleiters im Wald vor den Indianern verstecken, sind doch recht intim inszeniert; die spätere Kanu-Szene auf dem Fluss und die finale Fort-Schlacht sind dann wieder mehr "DeMille"

- seinen "Held der Prärie" werde ich wohl als nächsten seiner Filme mir anschauen - wird eine Erstsichtung...

kennt irgendwer einen Film von DeMille, der noch vor den 30er Jahren entstanden ist? Die Liste auf imdb ist ja schier endlos...

nachdem "Die Unbesiegten" jetzt auf BD erschienen sind, hoffe ich auch auf "Reap the Wild Wind", den ich Jahre nicht mehr gesehen habe und mir aber dennoch in Erinnerung geblieben ist (die DVD möchte ich mir hier ersparen)...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNBESIEGTEN - Cecil B. DeMille
BeitragVerfasst: 05.06.2018 16:47 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2013
Beiträge: 1452
Wohnort: Das finstere Tal
Geschlecht: männlich
Howard Vernon hat geschrieben:
kennt irgendwer einen Film von DeMille, der noch vor den 30er Jahren entstanden ist? Die Liste auf imdb ist ja schier endlos...

MANSLAUGHTER von 1922 habe ich vor ein paar Monaten im Kino gesehen. War mein erster DeMille, und einige Szenen haben mich sehr überrascht in Bezug auf Erotik und Auschweifung. Es gab eine längere Rückblende ins alte Rom, und ich bin mir hundertprozentig sicher, dass nicht alle Frauen so bekleidet waren wie man sich das im Allgemeinen vorstellt. Die Kamerafahrt über eine Orgie war schwül-sinnlich gehalten und hat auch im Jahr 2017 noch funktioniert, allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass 1922 dem Publikum die Kinnlade heruntergefallen ist. Es gibt Standfotos im Internet die einen guten Eindruck vermitteln können, aber mit Bewegung und Musik war das wirklich eindrucksvoll.

Der Rest des Films, der in der Gegenwart spielt, war in Ordnung, wenn auch oft etwas moralisierend. Leatrice Joy hat eine Hauptrolle gespielt, wie es sie ab dem Hays Code jahrzehntelang nicht mehr gab: Eine eiskalte und buchstäblich über Leichen gehende Femma Fatale mit einem gesunden Hang zur hemmungslosen Ausschweifung. Weil aber das letzte Drittel dann schwer in Richtung Melodram ging und ziemlich den Schwung (und die Dekadenz) der ersten beiden Drittel vermissen liess, gab es dann schlussendlich "nur" 6 von 10 Perlenketten. Trotzdem, ein Erlebnis!

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNBESIEGTEN - Cecil B. DeMille
BeitragVerfasst: 05.06.2018 17:23 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2017
Beiträge: 864
Geschlecht: nicht angegeben
Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Howard Vernon hat geschrieben:
kennt irgendwer einen Film von DeMille, der noch vor den 30er Jahren entstanden ist? Die Liste auf imdb ist ja schier endlos...

MANSLAUGHTER von 1922 habe ich vor ein paar Monaten im Kino gesehen. War mein erster DeMille, und einige Szenen haben mich sehr überrascht in Bezug auf Erotik und Auschweifung.


Schmutziger_Maulwurf,
Du kannst Dir meines Neides sicher sein - das muss mit Sicherheit ein unglaubliches Erlebnis gewesen sein; das hört sich so an, als hätte er es in den 20er Jahren dann sogar noch wilder getrieben als in den frühen 30ern;

was jetzt die Frühzeit des Kinos betrifft und die dortigen Ausschweifungen, da kommt mir immer noch die Babylon-Episode in "Intolerance: Love's Struggle Throughout the Ages" in den Sinn, die grandios ausgestattet war und auch solch eine dekadente Erotik besitzt... von den 30er Jahren vor "production-code"-Sachen finde ich besonders "Red-Headed Woman" mit Jean Harlow unglaublich gewagt; da kann man sich schon vorstellen, warum Kenneth Anger sein Skandalbuch "Hollywood Babylon" genannt hatte...

aber zurück zu DeMille: der Großteil seiner frühen Filme wird wohl doch verloren sein, oder?...


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 7 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker