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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: WESTERN UNION - DER ÜBERFALL DER OGALALLA - Fritz Lang
PostPosted: 20.05.2013 19:53 
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WESTERN UNION - DER ÜBERFALL DER OGALALLA
(USA, 1941)
Regie: Fritz Lang
Darsteller: Robert Young, Randolph Scott, Dean Jagger, Virginia Gilmore, John Carradine, Slim Summerville, Chill Wills, Barton MacLane, Russell Hicks, Victor Kilian, Minor Watson, George Chandler, Chief John Big Tree, Chief Thundercloud, Iron Eyes Cody, Charles Middleton u.a.


In Fritz Langs sechstem US-Film und nach Rache für Jesse James bereits zweiten Western geht es um die Verbindung der Ost- und Westküste durch die Telegraphenleitung der Western Union. Bei der Figur Edward Creighton handelt es sich um einen historischen Pionier, der am 2. Juli 1861 in Omaha den ersten Spatenstich für die Verbindung nach Sacramento tätigte.

Lang gestaltet Western Union jedoch nicht als patriotischen Propagandafilm über die Wegbereiter des Kapitalismus, die sich in klangvollen Firmennamen zementieren. Der Trek wird zum Rahmen einer Geschichte über die Läuterung eines Kriminellen mit Motiven, die nicht nur die Rache des Jesse James durchzogen, sondern spätestens seit dem Meisterwerk M - Eine Stadt sucht einen Mörder in Fritz Langs Werken stets präsent sind. Mit seinem das Genre mehrfach konterkarierenden Fatalismus eckte er nicht nur bei den Richtlinien des Hays-Codes an, sondern greift gewissermaßen der zynischen Gerechtigkeitsauffassung vor, mit der Sergio Corbucci seinen Django inszeniert. >> Review <<

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 Post subject: Re: WESTERN UNION - DER ÜBERFALL DER OGALALLA - Fritz Lang
PostPosted: 08.06.2013 14:08 
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Durchaus sehenswerter Film.

Was du in deiner Besprechung übrigens u.a. als Klamauk beschreibst, hat für mich durchaus sinnbildlichen Charakter. Ich meine die Szene, in der Blake das Pferd zähmt. Für mich durchaus im größeren Zusammenhang (der ziviliserte Osten hält [erfolgreich] Einzug im Wilden Westen) zu sehen. Insgesamt sind aber natürlich einige lustige Szenen dabei, die sogar eine gewisse Bandbreite (vom eher Slapstick-artigen beim Koch bis zum bitteren bei der Wette über den Verwundeten) abdecken. Das Finale (und davor das wiederum verbildlichte "Sich die Finger verbrennen") fand ich mit Abstrichen auch gelungen. Mir wäre es persönlich lieber gewesen, wenn
der Bruder davonkommt
. Aber das sind dann wohl konventionelle Zugeständnisse (
der [nicht immer] Böse und der wirklich Böse tot, der Gute kriegt das Mädchen und die Telegrafenleitung steht)
. Bin hier erstmal bei 7 Punkten.

Die Qualität der Blu-ray - soweit ich das überhaupt beurteilen kann - ist völlig zufriedenstellend. Die paar Verschmutzungen beim Bild und eventuell """fehlende""" UT sond allerhöchstens kleine Mängel.

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 Post subject: Re: WESTERN UNION - DER ÜBERFALL DER OGALALLA - Fritz Lang
PostPosted: 08.06.2013 14:37 
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Jetzt mußte ich den Text selber noch mal lesen, um herauszufinden, wo ich etwas über Klamauk geschrieben habe. Habe ich ja gar nicht. ;)

Die Zähmung des Pferdes auf die Erschließung des Westens zu beziehen ist vollkommen legitim. Lang bedient sich dieser Bilder im Film ja immer wieder. Genau genommen leitet diese Szene dann auch ein, was du am Ende etwas bemängelst. Der Lackaffe aus dem Osten, der zudem als Westmann befähigt ist, nimmt den Platz in einem Gebiet ein, dessen Beschaffenheit Hort für eine Grauzone war, in der es den strahlenden, edelmütigen Helden nur in einer idealisierten Legende gegeben hat. Das eine war der Wilde Westen und das andere ist der Wilde Westen im Film geworden. In Der Mann, der Liberty Valance erschoß gibt es da dieses berühmte Zitat:
Quote:
When the legend becomes fact, print the legend.

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 Post subject: Re: WESTERN UNION - DER ÜBERFALL DER OGALALLA - Fritz Lang
PostPosted: 08.06.2013 15:22 
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Dann eben "leichtherzige einschübe von Komik".

Dass der "Lackaffe" (das hast du doch nur wegen des Tieres so ausgedrückt, gib's zu! :lol:) Platz in einem (nicht ganz zu ihm passenden) Gebiet einnimmt, würde ich nicht ganz so sehen. Ich würde es eher als eine Erweiterung des Gebietes des "Osten"/"Zivilisierten" benennen. Und deswegen hat dann auch der Gebildete dort seinen Platz. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr (Blödsinn?) kommt mir in den Sinn. Der gehbehinderte Unternehmer ist ja wohl ganz klar bei Leone aufgegriffen. :) Über das zentrale Thema Kommunikation könnte man wahrscheinlich auch noch jede Menge schreiben (Telegrafen, Austausch zwischen den einzelnen Gruppen [Arbeiter, Indianer, Banditen], "Morsen ist wie Musik"). Da steckt doch ziemlich viel drin, in dem Film.

Und was ich noch gar nicht gesagt habe: Der Großbrand hat mich doch ziemlich beeindruckt. Damit hätte ich gar nicht gerechnet. :shock:

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 Post subject: Re: WESTERN UNION - DER ÜBERFALL DER OGALALLA - Fritz Lang
PostPosted: 08.06.2013 17:02 
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Nichts geschieht ohne Grund. ;)

Es geht mir nicht darum, daß er einen Platz in einem nicht zu ihm passenden Gebiet einnimmt. Oberflächlich gesehen ist die Folge der Verbindung mit dem Osten (Telegraph, Eisenbahn) das Nachrücken der "Zivilisation". Es war ja durchaus so, daß die Auswanderer Amerika angesteuert haben, weil sie nach dem Glück suchten, welches sie daheim nicht fanden. Allein hieraus entstand ein heißer Schmerztiegel, weil dazu auch Kriminelle, weniger Gebildete und auch z.B. von der Familie ausgestoßene befanden. Wer dann nochmals auf die Reise ging, konnte im Osten keinen Fuß fassen.

Bevor aber die Siedlertrecks arme Menschen mit der ganzen auf einen Planwagen zusammengezurrten Habe durch die öde Prärie zogen und ihre Leben (übrigens eher wegen der Widrigkeiten der Natur denn den nur vereinzelt stattfindenden Indianerübergriffe, weil die Ureinwohner gegen Durchreisende nicht zwingend einen Groll hegten) aufs Spiel setzten, da waren es die Abenteurer, Trapper, Glücksritter, Goldsucher oder wie immer man die Profession der einzelnen bezeichnen möchte. Wer nach Westen zog, mußte damit rechnen, außerhalb jeder Jursidiktion zu leben. Im Ernstfall war sich jeder selbst der nächste.

Die Entscheidung Vance Shaws, den am Boden liegenden Edward Creighton nicht zu berauben, sondern ihm zu helfen, ist eine Ritterlichkeit, wie man sie gern bei Karl May findet - ein "ungeschriebenes Gesetz der Prärie". Aber Shaw ist kein Ritter, er ist (auch) ein Ganove. Diese moralische Entscheidung legt in dieser Darstellung jedoch nahe, daß unser Lackaffe Richard Blake, der wie ein Archetyp der feinst gestylten Westernhelden einer sauberen und verklärten Westernromantik wirkt, nicht als Ostler nachrückt, sondern viel mehr auch zum Sinnbild eines Westens wird, wie ihn sich die amerikanischen Romantiker der Malerei, Literatur, des Theaters und des Films aus den Legenden zusammenbastelten, die teils noch Ende des 19. Jahrhunderts selbst von den Revolverhelden kolportiert wurden.

Wie gering die Distanz insofern zu dieser Zeit ist, macht deutlich, daß der Bisonjäger und Scout Buffalo Bill nicht nur George A. Custer in den Indianerkriegen unterstützt hat, sondern später zu Lebzeiten Figur von dramatisierten Stücken und Schriften wurde, die er mit seiner Wild West Show noch untermauerte. Ein Einfluß gerade dieser Darstellungen ist nicht zu unterschätzen, konnte Buffalo Bill zeitweise sogar mit Sitting Bull auftrumpfen und Zuschauerrekorde brechen. Höchst erfolgreich ging er mit seiner Show auch auf Europatournee mit Halt in Deutschland. Es finden sich sogar Filmdokumente der Wild West Show im Fundus der Edison Company.

Wie "der Ritter" Richard Blake so die Position, gerade auch an der Seite der von beiden Begehrten Sue, einnimmt, wirkt ein Prinzip, bei dem ein Mann mit reiner Weste die durchaus moralische, aber eben beschmutzte Figur des Westmanns Vance Shaw ersetzt.
Gerade Fritz Lang interessierte sich lange für diese Grauzonen. Wenn man sich M - Eine Stadt sucht einen Mörder anschaut, dann wird der Lynchmob moralisch in Frage gestellt, obwohl eine Schuldigkeit besteht. In Amerika brachte er dann mit Blinde Wut ein Gegenstück, bei dem sich wieder ein Lynchmob bildet, der jedoch einem Mann an den Kragen will, dessen Schuldigkeit gar nicht erwiesen ist. Dieser Kontrast wird meines Erachtens umso brisanter, wenn man ähnlich wie hier bei Western Union eine kritische Durchleuchtung der amerikanischen Mentalität vermutet.

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 Post subject: Re: WESTERN UNION - DER ÜBERFALL DER OGALALLA - Fritz Lang
PostPosted: 30.06.2014 17:59 
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Ein nicht uninteressanter Film. Lang war sicherlich kein Westernspezialist. Das merkt man auch seinem zweiten Genrebeitrag deutlich an. Die eigentliche Story um den Bau der Western Union ist eher banal und kaum spannend (das gab Lang ja selbst zu). Aber die Handlung um Randolph Scotts Charakter ist nicht nur spannend sondern auch toll inszeniert. Das Highlight ist schließlich die Schießerei am Barbierladen, die dann auch Sergio Leone in FepDm und Nobpdy inspiriert hat.


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