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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: YUKON - EIN MANN WIRD ZUR BESTIE - Peter R. Hunt
PostPosted: 26.07.2010 20:48 
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Yukon (USA 1981, Originalititel: Death Hunt)

Kanada im Winter 1931/32. Der schweigsame Albert Johnson (Charles Bronson) unterbricht beherzt in einen widerwärtigen Hundekampf. Er nimmt das unterlegene Tier an sich, wirft dem erzürnten Besitzer namens Hazel (Ed Lauter) eine großzügige "Entschädigung" hin. Hazel ist stinksauer, er beschwert sich bei Sergeant Edgar Millen (Lee Marvin), dem örtlichen Gesetzeshüter. Millen verspürt wenig Lust der Sache nachzugehen. Momentan ist er damit beschäftigt seinen neuen Mitarbeiter Alvin Adams (Andrew Stevens) zu formen. Der junge und dynamische Mountie, tut sich noch ein wenig schwer mit den eigenwilligen Gepflogenheiten, die im winterlichen Hinterland Kanadas vorherrschen. Ätzschädel Hazel scharrt derweil ein Häuflein Handlager um sich, er will auf eigene Faust mit Johnson abrechnen. Doch anstatt den Eigenbrötler locker aufzumischen, erleben die Schurken eine böse Überraschung, es kommt zu einer blutigen Schiesserei. Zurück im Ort nervt Hazel erneut Millen, der sich nun tatsächlich dazu genötigt sieht, sich mit der unseligen Angelegenheit zu befassen. Millen, Adams, Hazel und einige andere Gestalten, machen sich entschlossen auf den Weg zum kleinen Anwesen des widerspenstigen Trappers. Millen sucht zunächst das Gespräch mit Johnson, aber ein schiesswütiger Vollidiot lässt die Verhandlungen scheitern, der bedrängte Johnson tötet mehrere Angreifer. Zur Herbeiführung der endgültigen Lösung, schreckt man selbst vor dem Einsatz von Dynamit nicht mehr zurück. Freudige Erregung macht sich im Kreise der Häscher breit, als sich die jämmerlichen Überreste der Trapperhütte vor ihren Augen offenbaren. Doch die Burschen haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, eine Jagd auf Leben und Tod nimmt ihren erbarmungslosen Lauf...

Zwei der "Grossen Alten" gemeinsam vor der Kamera. Im Klassiker "Das dreckige Dutzend" (The Dirty Dozen, 1967), war Charles Bronson noch als Untergebener von Lee Marvin am Start, in "Death Hunt" begegnen sich die Stars auf Augenhöhe. Obwohl Bronson vor Marvin flüchtet, sind sich die von ihnen gespielten Charaktere sehr ähnlich. Grantige Dickschädel, die das Herz am rechten Fleck haben. So nimmt der "Jäger" Lee Marvin dann auch nur widerwillig die Fährte des vermeintlichen Killers auf, von Hazel und dessen Speichelleckern zeigt er sich angewidert. Lee Marvin kommt im Vergleich zu Charles Bronson schon fast redselig daher, denn Bronson ist über weite Stellen des Filmes alleine unterwegs, selbst in Gesellschaft redet er nur die allernötigsten Worte. Die kantigen Hauptdarsteller passen absolut perfekt in ihre Rollen, dem Zuschauer wird es dabei sehr leicht gemacht, gleich beide Charakterköpfe ins Herz zu schliessen. Dies ist keinesfalls von Nachteil, denn an Unsympathen mangelt es freichlich nicht. Allen voran Ed Lauter, der -wie nicht anders zu erwarten- eine sehr souveräne Vorstellung abliefert. Lauter gelang nie der grosse Durchbruch zum Topstar, er ist aber bis in die heutige Zeit ein sehr gefragter Darsteller. Egal welche Figuren er spielt, der Mann ist immer eine sichere Bank. Zwei übermächtige Hauptakteure, ein herrlich abstossender Fiesling, keine leichte Aufgabe für die restliche Besetzung, die sich aber durchaus achtbar aus der Affaire zieht. Andrew Stevens hielt seine Milchzahngesichtsruine z.B. bei "Teufelskreis Alpha" (The Fury, 1978) vor die Kamera, überzeugte in dem starken Gruselthriller von Brian De Palma. Als junger Polizist ist er gut besetzt, genau eine solch glatte Person ist an dieser Stelle gefragt. Carl Weathers kennt man als Gegenspieler des Box-Underdogs Rocky, der später zum Freund des Faustmeisters wurde, um schliesslich im vierten Rocky Aufguss Dolph Lundgren vor die Fäuste zu taumeln. Ebenso unvergessen seine Mitwirkung in "Predator" (1987). Nicht zu vergessen "Action Jackson" (1988), in dem er sich mit Craig T. Nelson plagen muss. Dieses Mal gibt er ein aufrechtes Helferlein des Gesetzes, darf sich mehr trinkfest denn schlagfertig präsentieren. Frauen spielen hier nur am Rande eine Rolle. Angie Dickinson gibt sich die Ehre, versucht dem knurrigen Lee Marvin ein wenig Lebensfreude einzuhauchen.

"Death Hunt" kann mit einer starken Besetzung auftrumpfen. Sicher, die Charaktere sind nicht ausufernd tief gezeichnet, doch dank der starken Persönlichkeit der jeweilgen Schauspieler, wirken die Figuren nie wie blutleere Abziehbilder. Der Plot kommt mit ein paar gelungenen Ausritten daher. Es gibt einen Handlungsstrang, der sich mit einem Serienkiller befasst, auf den ich wegen akuter Spoilergefahr aber nicht weiter eingehen kann. Ferner taucht ein arroganter Pilot auf, der im festen Glauben ist, dass sich das "Fussvolk" nicht ansatzweise mit seiner Leistungsfähigkeit messen kann. Mit seinen rund 93 Minuten Laufzeit, ist der Film keine Sekunde zu lang geraten. Ständig bleibt es spannend und äusserst unterhaltsam, Hänger sind nicht auszumachen. Für einen Streifen dieser Art, überraschen die teils blutigen Tode diverser Mitwirkender. Da man "Death Hunt" auch als eine Art "Spätwestern" bzw. "Abgesang auf den Western" verstehen kann, drängt sich der Vergleich mit den Werken von Sam Peckinpah auf. In diese Liga kann der Film aber nicht vorstossen. Weder die Besezung noch das gute Drehbuch verhindern den Sprung an die Spitze. Peter R. Hunt hat als Regisseur einfach nicht die Klasse eines Sam Peckinpah, dazu ist seine Art der Inszenierung zu konventionell. Bitte versteht mich nicht falsch, Hunt ist auf gar keinen Fall ein schlechter Regisseur. Immerhin geht mit "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" (On Her Majesty's Secret Service, 1969) einer meiner liebsten Bond-Filme auf sein Konto. Mit Charles Bronson in der Hauptrolle, drehte er 1987 den liebenswerten Actionthriller "Der Mordanschlag" (Assassination). Sicher kein Klassiker, aber ein Film, den ich mir alle paar Jahre gern erneut anschaue. Der einzige echte Schwachpunkt von "Death Hunt", ist meiner Meinung nach die etwas zu biedere Kameraarbeit. "Schwachpunkt" ist zu harsch formuliert, doch ich hätte mir ein wenig mehr Pracht und Grösse bei der Bildkomposition gewünscht. Die Kamera ist meist sehr nah bei den Akteuren, die wundervolle Landschaftskulisse wird zwar nicht abgewürgt, aber sie hätte mehr Raum zur Entfaltung verdient. Dem Gesamteindruck wäre dies sicher zuträglich gewesen. Man es realisieren können, ohne die Handlung in negativer Weise zu beeinträchtigen. Im Gegenteil, die Atmosphäre wäre dadurch noch intensiver geraten.

Die Kritikpunkte an "Death Hunt" sind Klagen auf gutem Niveau, der Unterhaltungwert des Streifens ist und bleibt unbestritten hoch! Der Mix aus Spätwestern, Abenteuer, Thriller und Action geht auf. Die "Westernschlagseite" ist nicht übermächtig, wer sonst mit dem Genre nichts anfangen kann, sollte dem Film trotzdem eine Chance geben. Koch Media hat sich dieser Perle angenommen, die DVD wurde unter dem deutschen Titel "Yukon" veröffentlicht. Das Bild erfreut mit sehr schöner Qualität, neben der deutschen Synchronisation, ist der englische Originalton an Bord, zusätzlich gibt es eine italienische Tonspur. Die Bonusabteilung bietet einen deutschen und einen amerikanischen Trailer an. Eine Bildergalerie, sowie ein altes Radiointerview mit Charles Bronson und Lee Marvin sind dort ebenfalls zu finden. Auf ein Booklet oder einen Schuber muss man verzichten. Schade, in dieser Hinsicht kennt man liebevoller aufgemachte DVDs aus dem Hause Koch. Der Film -und dies ist und bleibt entscheidend- liegt ungekürzt und in erstklassiger Qualität vor, ergo muss ich die Scheibe jedem interessierten Fan mit Nachdruck ans Herz legen!

Bronson und Marvin, Schnee und Eis, vier- und zweibeinige Hunde auf der Jagd. Was will man mehr? Guter bis sehr guter Stoff = dicke 7,5/10!

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"Also du hast einen Blick, der macht aus Whiskey saure Pisse."

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 Post subject: Re: YUKON - EIN MANN WIRD ZUR BESTIE - Peter R. Hunt
PostPosted: 27.07.2010 18:36 
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Kann ich so unterschreiben. Hab den Mitte der 80er zum ersten Mal gesehen und seither immer wieder mal Lust drauf gehabt. Vor allem der Name Ed Lauter sollte mir immer in Erinnerung bleiben, weil ich ihn hier so gut fand als Obersotze.


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 Post subject: Re: YUKON - EIN MANN WIRD ZUR BESTIE - Peter R. Hunt
PostPosted: 28.07.2010 15:26 
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Schönes Review!
Die DVD ist mir mit 15 € jedoch zu teuer.

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 Post subject: Re: YUKON - EIN MANN WIRD ZUR BESTIE - Peter R. Hunt
PostPosted: 28.07.2010 18:11 
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TRAXX wrote:
Schönes Review!
Die DVD ist mir mit 15 € jedoch zu teuer.


Der Film sollte dir diese Summe wert sein. Zugegeben, Koch hat für diesen Preis schon liebevoller aufgemachte Titel veröffentlicht, man denke nur an die herrliche Reihe mit den Hammer Perlen.

Für 12.98€ bekommt du die DVD beim OFDB-Shop. Ab 20€ keine Versandkosten. Also ran an den Speck!

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 Post subject: Re: YUKON - EIN MANN WIRD ZUR BESTIE - Peter R. Hunt
PostPosted: 28.07.2010 18:36 
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Ich mag den Film auch und die Dvd von Koch ist ihr geld wert....

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 Post subject: Re: YUKON - EIN MANN WIRD ZUR BESTIE - Peter R. Hunt
PostPosted: 12.02.2012 13:57 
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Der Trapper Albert Johnson wird Zeuge eines Hundekampfes und kauft das schwer verletzte, unterlegene Tier seinem Besitzer ab. Allerdings rückt der den Hund nur widerwillig gegen 200 Dollar raus und fühlt sich vom Trapper ziemlich gedemütigt. Er schwört Rache für die Verletzung seiner Ehre und folgt ihm mit einigen Kumpels bis zu seiner Hütte. Dort kommt es zu einer Schießerei, bei dem einer der Rednecks im Kugelhagel stirbt. Die Übrigen stellen es bei der Mounted Police als Mord hin und die Jagd auf Johnson beginnt. Das Problem ist nur: Der Trapper ist Charles Bronson

Dieser ist wieder mal in absoluter Bestform und gibt einmal mehr seine Paraderolle als einsamer Held, der gegen Ungerechtigkeiten kämpft. Dies macht er auch hier, wobei er gleich mehrere Feinde hat. Nicht nur die Jäger hinter ihm, sondern auch die unwirtlichen, schneebedeckten Berge des Yukon Arials entpuppen sich schnell als Feind. Nicht zu vergessen das in diesem Gebiet auch noch ein unheimlicher Trapper-Killer sein Unwesen treibt, der es auf die Goldzähne seiner Opfer abgesehen hat. Durch diese Konstellation ist natürlich eine Menge Potenzial für Action und Spannung gegeben, welches Bond-Regisseur Peter R. Hunt auch kräftig nutzt. Allerdings verliert er sich jetzt nicht in einem Feuerwerk, sondern wechselt das Tempo hervorragend ab. Trotzdem bleibt die Spannungsdichte sehr hoch und wenn man die Inszenierungen des Actionkinos Anfang der 80er mag, wird man voll auf seine Kosten kommen. Charles Bronson ist natürlich ein Garant dafür, allerdings hat er hier mit Lee Marvin und Carl Weathers hervorragende Gegenspieler, weshalb auch die ruhigeren Szenen immer von hohem Interesse sind. Gerade Marvin spielt hier wieder den knorrigen und desillisionierten Mounty hervorragend, weil seine Figur an der Schuld Johnsons zweifelt, obwohl sie ihn jagt.

Was den Film ebenfalls Besonders macht, ist die Mischung aus Actionkino und Western-Flair, da der Film zwar die klassischen Westernmotive nutzt, aber eben in einer Zeit spielt in dem die ersten Flugzeuge zur Jagd eingesetzt werden. Zudem basiert der Film auf der realen Geschichte vom Trapper Albert Johnson, der Anfang der 30er Jahre durch die Royal Canadian Mounted Police durch das Yukon Territorium gehetzt wurde. Auch aus diesem Gesichtspunkt heraus, hebt sich der Film vom Einheitsbrei ab und kann jedem Fan des 70er und 80er Kinos ans Herz gelegt werden.

Das letzte Mal als ich den Film gesehen hatte gab es noch die Wahl zwischen VHS, Beta und Video 2000, weshalb ich die BD nicht mit der DVD vergleichen kann. Als ich den Film einlegte dachte ich mir auch, das ich wieder bei VHS gelandet bin. Der Hubschrauberflug über die schneebedeckten Berge grieselte nämlich enorm stark und auch ansonsten sah das zu Beginn nicht nach BD aus. Dann der Umschwung auf das Geschehen am Boden und den gab es dann auch im Bild. Das sieht nämlich ab diesem Moment fantastisch aus. Man kann die Falten in Bronson`s Gesicht zählen und auch die übrigen Details sind kristallklar. Die Farben und die Kontraste sind ebenfalls auf hohem Niveau, weshalb man nach den Credits kaum was zu mäkeln findet. Natürlich ist das jetzt auch am Status des Films gemessen und anhand der Tatsache das er über 30 Jahre alt ist, aber so gut wie jetzt dürfte man den Film noch nie gesehen haben. Deshalb eine klare Kaufempfehlung für die Scheibe. Neben den Trailern gibt es noch ein Radio-Interview mit Marvin und Bronson als Extras, sowie eine Bildergalerie und natürlich ein Wendecover.


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